Foto: Archiv Thomas Butz
Foto: Archiv Thomas Butz

Erinnerungen an den Stürmer mit dem Schnauzbart

Heute wäre der einstige FCK-Spieler Reiner Geye 70 Jahre alt geworden

22.11.2019

 

Viele Fans, die in den 1970er und 1980er Jahren bereits auf den Betze pilgerten, werden sich noch an Reiner Geye erinnern, der nicht nur Spieler am Betzenberg war. Er repräsentierte die Farben des FCK auch jahrelang als Funktionär. Nach Beendigung seiner aktiven Spielerlaufbahn im Jahr 1986 wurde er zwei Jahre später zunächst Vizepräsident und war dann von 1993 bis 1996 als Manager am Betzenberg tätig. Reiner Geye starb am 8. August 2002 nach langer schwerer Krankheit im Alter von erst 52 Jahren. Er wäre heute 70 Jahre alt geworden!

 

Seine fußballerischen Wurzeln hatte Reiner Geye in seiner Geburtsstadt Duisburg. 1959 trat er beim TuS Duisburg 48/99 erstmals gegen das runde Leder. Der Verein wurde 1964 nach einer Fusion mit dem Duisburger Spiel-Verein umbenannt. 1968 wechselte er zu Fortuna Düsseldorf in die damals zweitklassige Regionalliga. 1971 stieg er mit der Fortuna in die Bundesliga auf. Inklusive Aufstiegsrunde trug er sich schon da mit 27 Treffern in die Torschützenliste ein. Nachdem sein Vertrag 1977 bei der Fortuna nicht verlängert worden war, wechselte er zum 1. FC Kaiserslautern.

 

In seiner Zeit am Betzenberg prägte er vor allem die erfolgreiche erste Ära unter Trainer Karl-Heinz Feldkamp, unter dem sich der FCK von 1978 bis 1983 (1982/83 mit den Trainern Kröner und Diehl) jeweils für den UEFA-Cup qualifizierte, teilweise am engeren Titelrennen beteiligt war und zweimal Tabellendritter und zweimal Tabellenvierter wurde. 1981 stand Reiner Geye zudem mit dem FCK im DFB-Pokalfinale. Bei der 1:3-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt schoss er das Tor für den FCK. Nach bis dahin drei erfolg- und vor allem torlosen Finalteilnahmen der Roten Teufel (1961, 1972, 1976), immerhin das erste Tor des FCK in einem DFB-Pokalfinale. Ein Höhepunkt seiner Jahre als Spieler beim FCK, war 1982 der sensationelle 5:0-Erfolg gegen die europäische Spitzenmannschaft Real Madrid. Bis zum Ende seiner Profikarriere, absolvierte Reiner Geye immerhin 290 Bundesligaspiele für den FCK und erzielte dabei 47 Tore. Hinzu kamen 31 Einsätze (7 Tore) im UEFA-Cup und 19 Spiele im DFB-Pokal (5 Tore) für die Roten Teufel.

 

Während seiner Zeit bei Fortuna Düsseldorf, für die er auch immerhin 286 Spiele bestritt, reifte Reiner Geye zum Nationalspieler. Nach mehreren Einsätzen in der U23- und in der B-Nationalmannschaft folgten Einsätze im A-Nationalteam. Sein erstes Länderspiel für die Fußball-Nationalmannschaft absolvierte er am 15. November 1972. Insgesamt lief er bis 1974 vier Mal für die DFB-Elf auf. Seit August 2018 verfügt das FCK-Museum über ein wertvolles Erinnerungsstück an den großen Fußballer Reiner Geye. Seine Witwe hatte dem Museum ein grünes Trikot der Nationalmannschaft übergeben, das ihr Mann bei einem seiner vier Länderspieleinsätze getragen hatte. Bis heute gehört Reiner Geye zum Kreis jener Bundesligaspieler mit den meisten Einsätzen in der höchsten deutschen Spielklasse. 1986 hängte Reiner Geye seine Fußballschuhe an den Nagel, blieb aber mit seiner Familie in Kaiserslautern und auch dem Fußball erhalten.

 

Er erwarb sich nach Ende seiner Spieler-Laufbahn als Vizepräsident und Manager des FCK einen ausgezeichneten Ruf. 1988 wurde er ehrenamtlicher Vize-Präsident am Betzenberg und war beim Verein für den sportlichen Bereich, insbesondere für die Transfers zuständig. Er galt als geschickter Verhandler mit einem guten Blick für Spieler und Talente, die gut zu den Roten Teufeln passten. Ein Journalist sagte damals scherzhaft über ihn: "Der Reiner Geye fährt mit einem Trabi in den Wald und kehrt mit einem Porsche zurück." Als FCK-Vizepräsident konnte er 1990 den ersten Pokalsieg und 1991 die dritte deutsche Meisterschaft des FCK feiern. 1996 allerdings musste er den erstmaligen Abstieg aus der Bundesliga hinnehmen und musste infolgedessen am Betzenberg seinen Hut nehmen.

 

Viele große Spiele mit eindrucksvollen Erfolgen konnte Reiner Geye in seiner langen Spielerkarriere verbuchen - einen entscheidenden Kampf hat er jedoch leider verloren. Den Kampf gegen eine tückische Leber-Erkrankung, die 2002 schließlich zu seinem Tod im Alter von nur 52 Jahren führte. Der große und verdienstvolle Spieler und Funktionär mit dem markanten Schnauzbart wäre heute 70 Jahre alt geworden. Reiner Geye wird allen FCK-Freunden immer in bester Erinnerung bleiben.

 

mg / hw


Foto: Archiv Eric Lindon
Foto: Archiv Eric Lindon

Der erste Hattrick der Bundesligageschichte

Der ehemalige FCK-Stürmer Otto Geisert feiert heute 80. Geburtstag

18.11.2019

 

Vermutlich werden sich nur die älteren FCK-Fans noch an Otto Geisert erinnern können. Der in Nordhorn geborene Offensivakteur kam 1965 vom Karlsruher SC zum FCK. Für die Roten Teufel kam er in fünf Spielzeiten auf insgesamt 153 Bundesligaspiele und erzielte dabei 21 Tore. Heute wird der frühere Angreifer 80 Jahre alt!

 

Seine fußballerische Heimat hatte Otto Geisert in seiner Geburtsstadt. Dort kickte er für Eintracht Nordhorn in der Saison 1961/1962 in der Oberliga Nord. Vor der Abschlussrunde der Oberliga Süd 1962/1963 wechselte der damals 22-jährige Stürmer im Sommer 1962 von der abgestiegenen Nordhorner Eintracht in den Karlsruher Wildpark. Er kam mit der Empfehlung von 20 Toren in 30 Punktspielen in der Saison 1961/62 nach Baden. Beim KSC trug er mit seinen 15 Toren dann auch tatkräftig zum Erreichen des 5. Platzes bei. Für die damalige Abschlussplatzierung war die Trefferquote des Ex-Nordhorners von Wichtigkeit, da auch die Torausbeute für die Qualifikation zur Bundesliga von wesentlicher Bedeutung war.

 

Für den KSC lief Otto Geisert in der Bundesliga zwischen 1963 und 1965 dann in 45 Spielen auf und erzielte zehn Tore. Zur Saison 1965/1966 wurde er schließlich vom 1. FC Kaiserslautern verpflichtet. In seinen fünf Spielzeiten am Betzenberg bestritt er 153 Bundesliga-Spiele. Immerhin 21 Tore erzielte er für die Roten Teufel. Mit Gyula Lóránt, Otto Knefler, Egon Piechaczek und während seiner letzten Saison in Lautern noch einmal Lorant, erlebte Otto Geisert vier Trainer in fünf Jahren. Kommt einem heutzutage nicht unbekannt vor! Am letzten Spieltag der Saison 1969/1970 bestritt er sein letztes Bundesligaspiel. Der verlor damals mit 2:4bei Hannover 96 und belegte am Ende Tabellenplatz 10. Nach dieser Saison war das Kapitel Bundesliga für Otto Geisert beendet.

 

Er wechselte zunächst für eine Spielzeit zum belgischen Erstligisten Royal Charleroi Sporting Club. 1971 kam er wieder zurück nach Deutschland und wechselte zum FC 08 Homburg in die Regionalliga Südwest. Dort traf er seinen ehemaligen KSC-Trainer Kurt Sommerlatt. Nach drei Spielzeiten kam im Sommer 1974 nach 55 Regionalligaeinsätzen und 22 Toren für den bald 35-Jährigen das Ende seiner Spielerkarriere. Otto Geisert gehörte auch der Homburger Mannschaft an, die am 18. Februar 1973 das Verbandsspiel beim SV Alsenborn mit 8:6 Toren gewinnen konnte. Er erzielte dabei zwei Tore für die Mannschaft des damaligen Trainers Uwe Klimaschefski. Im letzten Jahr des zweitklassigen Regionalligasystems in der Spielzeit 1973/1974, belegte er mit Homburg hinter Borussia Neunkirchen und dem 1. FC Saarbrücken den dritten Rang im Südwesten. Sein letztes Pflichtspiel bestritt er am 3. März 1974 bei der 2:3-Niederlage im Auswärtsspiel gegen den 1. FC Saarbrücken, als er in der 46. Minute für Manfred Lenz eingewechselt wurde. Für den FC Homburg schoss er in 55 Spielen 23 Tore.

 

Otto Geisert war übrigens der erste Spieler, dem schon in der ersten Spielzeit der neu gegründeten Bundesliga ein Hattrick gelang. Am 5. Oktober 1963 (6. Spieltag) traf er im Spiel zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem Karlsruher SC zwischen der 55. und 90. Minute gleich dreimal und sorgte nach dem 1:2-Pausenrückstand noch für den Sieg seiner Mannschaft. Zu seinem heutigen 80. Geburtstag gratuliert auch das gesamte Museumsteam aufs herzlichste.

 

mg


Foto: Archiv Thomas Butz
Foto: Archiv Thomas Butz

Rundes Jubiläum eines quirligen Angreifers

Thomas Allofs feiert heute seinen 60. Geburtstag

17.11.2019

 

Er kam zu Beginn der Saison 1982/1983 zum FCK - Thomas Allofs. Der drei Jahre jüngere kleine Bruder von Klaus Allofs wechselte von Fortuna Düsseldorf in die Pfalz. Zu einem Zeitpunkt als der FCK gerade vier höchst erfolgreiche Jahre unter Trainer Karl-Heinz Feldkamp hinter sich hatte. Zweimal Tabellendritter und zuletzt zweimal jeweils vierte Plätze weckten rund um den Betzenberg Erwartungen für mehr. Zusammen mit dem ebenfalls neu verpflichteten Schweden Torbjörn Nilsson sollte der quirlige Angreifer vom Niederrhein für Tore am Fließband sorgen.

 

Tatsächlich feierte der Stürmer in seiner ersten Spielzeit für den FCK einen Einstand nach Maß. Gleich am ersten Spieltag traf er vor heimischem Publikum in seinem ersten FCK-Spiel gegen Hertha BSC zum 1:0 (31.). Die Roten Teufel kamen gegen die Berliner am Ende jedoch nicht über ein 2:2 hinaus. Am darauffolgenden Wochenende gleich das zweite Heimspiel. Hier blieb der FCK gegen Borussia Dortmund allerdings ohne Treffer und unterlag mit 0:2. Drei Tage später setzte es eine 3:0 Schlappe beim 1. FC Köln. Das nur vier Tage danach anstehende Auswärtsspiel beim FC Schalke 04 endete mit einem torlosen Unentschieden. Am fünften Spieltag war es dann wieder Thomas Allofs, der schon in der zweiten Spielminute gegen den 1. FC Nürnberg zum 1:0 traf und so früh die Weichen für einen am Ende verdienten 2:1 Sieg stellte. Den zweiten Lauterer Treffer erzielte Axel Brummer.

 

In seinen vier Spielzeiten im Trikot der Roten Teufel sollten noch viele weitere Tore folgen. In insgesamt 144 Pflichtspielen lief der quirlige Angreifer für den FCK auf, davon immerhin 126 Mal in der Bundesliga. Auf ganze 66 Tore brachte es Thomas Allofs dabei für den FCK. Immerhin 61 der Treffer gelangen ihm dabei in der Bundesliga. Damit liegt er in der FCK-Historie heute noch auf dem dritten Platz hinter Klaus Toppmöller (108) und Stefan Kuntz (75). Seine letzten Treffer im FCK-Trikot markierte Thomas Allofs übrigens am letzten Spieltag seiner letzten Saison am Betze. Beim Gastspiel im Saarbrücker Ludwigspark trug er mit zwei Toren zum 6:0 Sieg des FCK beim 1. FC Saarbrücken bei, die schon vor dem Anpfiff als Absteiger feststanden.

 

Während seiner vier Betzenberg-Jahre erlebte Thomas Allofs sechs Trainer! Der nach der ersten Feldkamp-Ära verpflichtete Rudi Kröner bekam schon im März 1983 seine Entlassungspapiere. Ihm folgte Ernst Diehl als Interimstrainer. Im Sommer 1983 wurde Dietrich Weise verpflichtet, der nur knapp vier Monate später seinen Stuhl schon wieder räumen musste. Erneut übernahm Ernst Diehl für ein paar Tage die Trainerverantwortung. Am 1. November 1983 wurde dann Manfred Krafft verpflichtete, der immerhin bis zum Ende der Saison 1984/1985 blieb, dann aber keinen neuen Vertrag erhielt. Ihm folgte im Sommer 1985 Hannes Bongartz unter dessen Führung Thomas Allofs dann bis 1986 beim FCK spielte. Sein flinker Antritt, seine Ballbehandlung, sein Torinstinkt und seine charmante und zurückhaltende Art ließen ihn für viele FCK-Fans zum Publikumsliebling avancieren. Mit seinem attraktiven Erscheinungsbild spielte er sich auch schnell in die Herzen vieler weiblicher Fans, auch wenn die damals noch nicht so zahlreich die Tribünen bevölkerten wie heute.

 

Erst als während seiner letzten FCK-Saison auch seine üppigen Jahresbezüge bekannt wurden, geriet der erfolgreiche Stürmer in die Schlagzeilen, verließ den Betzenberg und wechselte zum 1. FC Köln. Für die Geißböcke lief er bis 1989 noch 70 Mal in der ersten Liga auf und wurde in seiner letzten Kölner Saison auch Bundesliga-Torschützenkönig. Zur Spielzeit 1989/90 wechselte er zu Racing Straßburg in die französische zweite Liga. Er kam jedoch bereits im Winter wieder zurück nach Deutschland und heuerte bei seinem Heimatverein Fortuna Düsseldorf an, mit dem er bereits 1979 und 1980 DFB-Pokalsieger geworden war. Bei der Fortuna beendete er 1992 aufgrund einer Verletzung auch seine Karriere, in der er auf 378 Bundesliga-Spiele kam und insgesamt 148 Tore erzielte. Außerdem bestritt er insgesamt 25 Länderspiele, allerdings nur zwei in der A-Nationalmannschaft. Seinen ersten Einsatz dort hatte er dann auch während seiner Lauterer Zeit, als er 1985 gegen Portugal für Pierre Littbarski eingewechselt wurde.  Sein zweites Länderspiel folgte erst drei Jahre später gegen die damalige Sowjetunion, wo er über volle 90 Minuten dabei war.

 

Bis 2012 unterhielt Thomas Allofs in seiner Heimatstadt Düsseldorf gemeinsam mit Schwiegervater Horst Lück ein Recycling-Unternehmen. Gemeinsam mit dem Ex-Profi Oliver Westerbeek bildet er die Geschäftsleitung seiner Spieleragentur AW Management, wo er auch Aufgaben als Spielerberater wahrnimmt. Zu seinem heutigen 60. Geburtstag, auch vom Museumsteam, die herzlichsten Glückwünsche!

 

mg

 


Foto: Archiv Thomas Butz
Foto: Archiv Thomas Butz

Der Blonde mit der Lockenmähne wird 50

Harry Koch feiert heute seinen 50. Geburtstag

15.11.2019

 

Er kam zur Saison 1995/1996 vom damaligen Regionalligisten TSV Vestenbergsgreuth zum 1. FC Kaiserslautern - Harry Koch. Doch am Ende seiner ersten Spielzeit am Betzenberg mussten die Roten Teufel den bitteren Gang in die zweite Liga gehen. Der erste Bundesligaabstieg des 1. FCK nach ununterbrochener Ligazugehörigkeit seit 1963. Dabei lief es für den in Bamberg geborenen Franken in seiner ersten Saison im Trikot der Roten Teufel eher erfolgversprechend. Er hatte sich schnell einen Stammplatz erobert und überzeugte mit solider Defensivarbeit. Bemerkenswert, Profifußballer wurde der Blonde mit der Lockenmähne erst mit seinem Engagement beim 1. FC Kaiserslautern. Im Alter von immerhin schon 25 Jahren! Heute feiert Harry Koch seinen 50. Geburtstag.

 

Jedem FCK-Fan geht auch heute mit Leichtigkeit reflexartig die Begrüßung durch die Kulisse von den Lippen, wenn der einstige Publikumsliebling mal am Betzenberg gastiert. "Haarryyyyyyyyyyyy", tönt es dann wie einst langgezogen von allen Tribünen. Publikumsliebling eben!  Immerhin absolvierte Harry Koch für den FCK 187 Spiele in der Bundesliga und 33 Spiele in der zweiten Liga. Dazu etliche Pokalpartien und Einsätze auf internationalem Parkett. Im Ligabetrieb brachte er es auf beachtliche 39 Tore, sechs davon in der zweiten Liga. Übrigens sind darunter auch 11 verwandelte Elfmetertore, nur einen einzigen von 12 getretenen Strafstößen konnte er nicht im gegnerischen Kasten unterbringen! Nach dem bitteren Abstieg 1996 wurde Harry Koch mit dem FCK dann immerhin gleich DFB-Pokalsieger, Zweitligameister, Deutscher Meister und spielte mit den Roten Teufeln in der Champions League.

 

Nach acht erfolgreichen Jahren in der Pfalz verließ Harry Koch den Betzenberg, weil die damaligen Verantwortlichen den soliden Arbeiter mit der unnachahmlichen Gangart aussortiert hatten. Sehr zum Verdruss des Publikums, bei dem der Defensivmann bis heute Kultstatus genießt. Sein letztes Pflichtspiel für den FCK absolvierte er im Mai 2003. Vor dem letzten Heimspiel am 33. Spieltag wurde er vor der Partie gegen Borussia Dortmund zusammen mit Torhüter Georg Koch und Mario Balser offiziell mit Blumenstrauß verabschiedet. Für Harry Koch gab es obendrein noch eine Kopie der Meisterschale als Abschiedsgeschenk. Ein Abschied unter Tränen, bei dem sich der sympathische Franke übers Stadionmikrofon bei den FCK-Fans mit den Worten "vielen Dank für alles, meine Familie und ich werden Euch niemals vergessen" ein letztes Mal die Ehre gab. Er wechselte nach Saisonende an die Mosel zu Eintracht Trier, wo er 2006 seine Spieler-Karriere beendete. Im Anschluss daran wurde er Trainer beim Rheinlandligisten SV Dörbach wo er bis 2011 in der Verantwortung blieb. Seit 2007 arbeitet er außerdem hauptberuflich als Gesundheitsmanager für das Land Rheinland-Pfalz, wo er Bedienstete verschiedener Landesbehörden coacht.

 

Gefreut haben dürfte sich Harry Koch, als sein Filius Robin im Jahr 2015 zum Betzenberg kam. Zunächst zu den Amateuren, von wo der ebenfalls gelernte Defensivmann ein Jahr darauf den Sprung zu den Profis packte und dort nach nur einer Spielzeit bei höherklassigen Vereinen Begehrlichkeiten weckte. Robin Koch wechselte von Lautern zum SC Freiburg, wo er mittlerweile als Stammspieler kaum noch aus der Mannschaft wegzudenken ist. Auch im Nationaltrikot hat Koch Junior bereits debütiert. Anfang Oktober diesen Jahres beim 2:2 Unentschieden der deutschen Nationalmannschaft gegen Argentinien.

 

Das letzte große Gastspiel, das Papa Harry Koch am Betzenberg gab, fand im vergangenen Jahr bei der Veranstaltung "Heimkehr der Helden" statt. Ein Jubiläumtag anlässlich des 20. Jahrestages zur Sensationsmeisterschaft von 1998. Aber auch sonst schaut der ruhige Ex-Lauterer mit dem sympathischen fränkischen Akzent immer mal wieder auf dem Betzenberg vorbei und ist dort bis heute stets ein gern gesehener Gast. Das gesamte Museumsteam gratuliert herzlich zum 50. Geburtstag!

 

mg

 


Foto: Mario De Biassi/Giorgio Lotti (Mondadori Publishers)
Foto: Mario De Biassi/Giorgio Lotti (Mondadori Publishers)

Nach schnellem Knockout noch die Silbermedaile

Heute vor 55 Jahren gewann der Lauterer Mittelgewichtsboxer olympisches Silber

23.10.2019

 

Bei den Olympischen Spielen in Tokio im Jahr 1964 errang der Lauterer Amateurboxer Emil Schulz die Silbermedaille im Mittelgewicht. Der Finalkampf, in dem der FCK-Boxer seinerzeit bereits in der ersten Runde durch K.o. gegen den Russen Waleri Wladimirowitsch Popentschenko unterlag, fand genau heute vor 55 Jahren statt.

 

Bei der Olympiade in Tokio 1964 ging damals noch eine gesamtdeutsche Olympiamannschaft an den Start. Die Qualifikation für Tokio schaffte Emil Schulz zunächst durch einen Sieg nach Punkten über den aus Westfalen stammenden Mittelgewichtsboxer Ewald Wichert bei der nationalen Meisterschaft der BRD. Bei den dann folgenden Ausscheidungskämpfen für das gesamtdeutsche Team gelang ihm ein Sieg über den damaligen DDR-Meister Bernd Anders vom TSC Berlin, was gleichzeitig auch das Ticket für Japan bedeutete. In Tokio zog der 1938 in Lautern geborene Mittelgewichtsboxer in der ersten Runde zunächst ein Freilos. Im Achtelfinale siegte er dann durch K. o. in der 2. Runde über den Briten William Stack. Im Viertelfinale schlug er den Rumänen Ion Monea nach Punkten und auch im Halbfinale stieg Emil Schulz gegen den Italiener Francesco Valle aus Italien als Sieger nach Punkten aus dem Ring und stand somit im Finale. Im Finalkampf, der am 23. Oktober 1964 stattfand, hieß der Gegner Waleri Wladimirowitsch Popentschenko.

 

Der aus Taschkent stammende Popentschenko war bis dahin sechsmaliger sowjetischer Meister und holte sich 1963 den Titel als Europameister im Mittelgewicht. Bereits 1960 waren sich beide bei einem Länderkampf gegen die UDSSR in Kiew erstmals im Ring begegnet. Der Kampf in der Ukraine ging über die volle Distanz, der Russe siegte am Ende nach Punkten. Natürlich hatte sich Emil Schulz dann auch im Finalkampf in Tokio etwas ausgerechnet, doch alle Taktik im Finale war schnell Makulatur. Der leidenschaftlich und aggressiv boxende Russe traf Emil Schulz schon in der ersten Runde so hart, so dass der Lauterer zu Boden ging und sich mit K.o. geschlagen geben musste. Trotzdem war die Silbermedaille bei der Olympiade der größte Erfolg in der Boxerkarriere von Emil Schulz. Neben Silbermedaille von Emil Schulz, sicherten sich in Tokio übrigens noch weitere deutsche Boxer Edelmetall. Der damalige DDR-Boxer Heinz Schulz aus Bernburg holte Bronze im Federgewicht und der aus Wenzenbach bei Regensburg stammende Hans Huber holte sich im Schwergewicht ebenfalls die Silbermedaille.

 

Nur wenige Monate nach der Olympiade erkrankte Emil Schulz im Frühjahr 1965 an einem schweren Lungenleiden. Obwohl er wieder genesen konnte, war an eine Fortführung seiner Karriere nicht mehr zu denken. Eine Karriere als Amateurboxer, in der er neben der olympischen Silbermedaille bei insgesamt 22 Länderkämpfen immerhin 21 als Sieger den Ring verließ. Insgesamt verlor Emil Schulz in seiner Boxerkarriere nur 21 seiner insgesamt 223 Kämpfe. Nach dem Ende seiner Karriere gab er sein Wissen unter anderem auch als Boxtrainer in seiner Heimatstadt Kaiserslautern weiter. Er gehört bis heute zusammen mit Karl Mildenberger sicher zu den herausragenden Boxer-Persönlichkeiten beim 1. FCK. Eine Spezialität des in der Rechtsauslage kämpfenden Emil Schulz war übrigens ähnlich wie bei Karl Mildenberger der linke Leberhaken. Emil Schulz starb am 22. März 2010 im Alter von 71 Jahren in Kaiserlautern. Anlässlich seines Silbermedaillengewinns bei den Olympischen Spielen in Tokio 1964 erinnern wir heute an einen herausragenden FCK-Sportler.

 

mg


Foto: Archiv Eric Lindon
Foto: Archiv Eric Lindon

Eine Fußballgala für einen glanzvollen Abschied

Heute vor 30 Jahren, Hans-Peter Briegels Abschiedsspiel am Betzenberg

26.09.2019

 

Das Finale der Fußball-WM 1986 in Mexiko wird vielen Fußballfans noch in Erinnerung sein. Argentinien führte gegen Deutschland zur Halbzeit mit 1:0, ehe die Südamerikaner kurz nach Wiederanpfiff auf 2:0 erhöhten. Karl-Heinz Rummenigge (74.) und Rudi Völler (81.) sorgten in der Schlussviertelstunde für den nicht mehr möglich gehaltenen Ausgleich. Mit auf dem Feld, Hans-Peter Briegel. Ausgerechnet ihm entwischte dann drei Minuten nach dem Ausgleichstreffer der schnelle Jorge Burruchaga nach einem feinen Zuspiel von Maradonna und markierte den 3:2 Siegtreffer für die favorisierten Argentinier (84.). Argentinien wurde Fußball-Weltmeister. Nach der unglücklichen, aber verdienten Niederlage, erklärte Hans-Peter Briegel seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Noch auf dem Rasen.

 

Bis er vom DFB ein offizielles Abschiedsspiel erhielt, sollten immerhin noch drei Jahre ins Land ziehen. Der Verband versagte das Ansinnen zunächst mit der Begründung, die Walz aus der Pfalz habe nicht genügend Länderspiele absolviert. Doch am 26. September 1989 war es dann so weit, Hans-Peter Briegel bekam auf dem Lauterer Betzenberg sein offizielles Abschiedsspiel. Der 1. FC Kaiserslautern trat dabei gegen eine Europaauswahl an. Klangvolle Namen waren es, die Stadionsprecher Udo Scholz seinerzeit durch die Mikrophonanlage des altehrwürdigen Stadions intonierte. Ronnie Hellström, Karl-Heinz Rummenigge, Bernd Förster oder Uli Stielike. Dazu die italienischen Stars Giancarlo Antognoni, Alessandro Altobelli und Claudio Gentile oder die spanischen Kicker José Antonio Camacho und Juanito.

 

Ein gut gefüllter Betzenberg wartete an jenem auf die Akteure und bereitete vor allem dem Star des Abends eine wirkliche Gala. Am Ende gewann die Starauswahl gegen die Roten Teufel mit 4:3, wobei das Ergebnis auch für die Zuschauer im Grunde völlig nebensächlich war. Dem Hünen aus Rodenbach bereitete es sichtlich Spaß noch einmal die Fußballschuhe zu schnüren und gemeinsam mit teilweise langjährigen ehemaligen Weggefährten einfach ein Fußballfest zu feiern. Seine Ehrenrunde entlang der Kulisse des Betzenberg-Stadions, seines Stadions, geriet dann auch zum emotionalen und tränenreichen Momentum. "So einen Jubel zu meinem Abschied, das hätte ich nicht erwartet", räumte der bescheidene Star aus Rodenbach sichtlich gerührt ein und legte sich trotz seiner klangvollen späteren Spielerstationen dennoch fest, "für mich gibt es nur einen Klub, den FCK!" Eine Herzensangelegenheit ist ihm sein Heimatverein bis heute geblieben.

 

Seine sportlichen Wurzeln lagen übrigens bei der Leichtathletik. Im Weit- und Dreisprung erzielte Hans-Peter Briegel als A-Jugendlicher beim TV Rodenbach in den Jahren 1972 und 1973 Bestleistungen. Aber auch der Fußball reizte ihn seit jeher und so begann er in seinem Heimatort Rodenbach auch für den dortigen Sportverein die Fußballschuhe zu schnüren. Ein sprichwörtlich gewichtiges Pfund, seine athletische, kantige und kraftstrotzende Statur. Hinzu kam seine Antrittsschnelligkeit und immerhin schaffte der junge Mann die 100 Meter in elf Sekunden. 1974 wechselte er vom SV Rodenbach zu den FCK-Junioren, schaffte 1975 den Sprung zu den Profis und gab sein Debüt in der Bundesliga beim Auswärtsspiel des FCK bei den Münchner Bayern am 10. April 1976. Zu diesem Zeitpunkt führte der heutige Rekordmeister schon mit 3:1, doch der FCK drehte die Partie und gewann durch Tore von Hannes Riedl und zwei Treffer von Klaus Toppmöller mit 4:3! Der Beginn einer herausragenden Fußballerkarriere nahm im Münchener Olympiastadion seinen Anfang.

 

An deren Ende standen einzigartige Erfolge. Hans-Peter Briegel kam auf 240 Bundesliga-Einsätze für den FCK. Sage und schreibe 47 Tore erzielte er dabei für die Roten Teufel. In 72 Länderspielen trug er das Trikot der deutschen Nationalmannschaft, wurde 1980 Europameister und erreichte mit Deutschland 1982 und 1986 zweimal das Finale einer Fußball-Weltmeisterschaft. Die Krone des Weltfußballs blieb ihm indessen verwehrt. Mit Hellas Verona wurde er 1985 Italienischer Meister und 1988 mit Sampdoria Genua Pokalsieger. In seiner ersten Spielzeit in Verona wurde Hans-Peter Briegel zum besten Ausländer der Serie A gewählt und gleichzeitig in Deutschland als erster im Ausland spielender deutscher Profi zum Fußballer des Jahres gekürt! Nach dem Pokalgewinn in Genua beendete er seine großartige Karriere und ließ bis 1992 in der Schweiz beim FC Glarus seine Laufbahn als Spieler und anschließend als Spielertrainer ausklingen. An jenem Abend am 26. September 1989 erhielt die außergewöhnliche Karriere eines außergewöhnlichen Fußballers so noch einmal eine angemessene Würdigung und einen glanzvollen Rahmen.

 

mg


Die bitteren Tränen eines Pfälzer Buben

Thomas Hengen feiert heute seinen 45. Geburtstag

22.09.2019

 

Ein ehemaliger FCK-Profi, der noch zu einer relativ jungen Generation von Roten Teufeln gehört, feiert heute Geburtstag. Thomas Hengen wird 45! Gleich zweimal trug der gebürtige Landauer, der 1989 von Phönix Bellheim zu den FCK-Junioren wechselte, das FCK-Trikot. 1992 schaffte er den Sprung von den Junioren zu den Profis und kam dann zwischen 1992 und 1996 sowie zwischen 2001 und 2004 auf insgesamt 112 Bundesligaspiele für den 1. FC Kaiserslautern.

 

Unvergessen sind für viele FCK-Fans seine bitteren Tränen, die er 1996 am letzten Spieltag auf dem Rasen des Leverkusener Ulrich-Haberland-Stadions vergossen hatte, als die Roten Teuel nach dem 1:1 gegen die Leverkusener Werkself zum ersten Mal aus der Bundesliga abgestiegen waren. Nur eine Woche später wurde Thomas Hengen dann mit dem FCK im Berliner Olympiastadion gegen den Karlsruher SC DFB-Pokalsieger. Nach dem Pokaltriumph wechselte er nach Saisonende ausgerechnet zum Finalgegner der Roten Teufel. Zwei Jahre später ging er zu Borussia Dortmund, von wo er für ein Jahr zu Besiktas Istanbul ausgeliehen wurde. Seine erste Auslandserfahrung. Zu Beginn der Saison 2000/2001 wechselte er zum VfL Wolfsburg, von wo er ein Jahr später für etwas mehr als 2 Millionen Euro zurück an den Betzenberg kam.

 

Dort wurde er Mannschaftskapitän und war in der ersten Saison ein echter Rückhalt in der Abwehr der Lauterer. In der darauffolgenden Spielzeit ereilte ihn das Verletzungspech. Aufgrund dreier Knieoperationen kam er nur auf insgesamt 10 Einsätze. Seine letzte Begegnung im Trikot der Roten Teufel absolvierte er am 17. Dezember 2003 beim Heimspiel gegen Borussia Dortmund, das 1:1 endete. Im Januar 2004 wurde dann seine bis heute nicht offiziell begründete Suspendierung bekanntgegeben. Die traf auch die damaligen FCK-Spieler Steffen Freund und Markus Anfang. Thomas Hengen klagte gegen die Suspendierung, beide Seiten einigten sich letztlich jedoch außergerichtlich.

 

 

 

Nach der Saison wechselte er dann zum Zweitligisten Alemannia Aachen, wo er zwei Jahre später seine aktive Spielerkarriere beendete. Nach seiner Spielerkarriere erlangte er die Trainerlizenz und hospitierte unter anderem beim BVB unter Thomas Doll, bei Ralf Rangnick in Hoffenheim, Felix Magath in Wolfsburg, Martin Jol in Hamburg und bei Juande Ramos bei Real Madrid. Durch einen Zufall gelangte er 2009 als Scout zum FC Everton. Auch später arbeitete er noch als Scout für den Hamburger SV und für West Ham United. Das Museumsteam und alle FCK-Fans wünschen Thomas Hengen alles Gute zum heutigen Geburtstag

 

-mg-

 


Beim Meisterjubiläum 2018 (Foto: Der Betze brennt)
Beim Meisterjubiläum 2018 (Foto: Der Betze brennt)

Eine herausragende FCK-Ikone feiert Geburtstag

Axel Roos wird 55

19.08.2019

 

Ein ganz großer, um nicht zu sagen großartiger, ehemaliger FCK-Profi feiert heute Geburtstag. Axel Roos wird 55! Seine ersten fußballerischen Gehversuche unternahm der in Rodalben geborene Axel Roos in seiner Wohnheimat bei der  SG Thaleischweiler-Fröschen. Vater Ludwig, der bis 1963 Jahre für den FK Pirmasens kickte, hat seinen Sprössling mit dem Fußball-Virus infiziert, ihn gefordert und gefördert. Aus dem beschaulichen "Eschwiller" schaffte er den Sprung auf die große Fußballbühne. Im Alter von 14 Jahren wechselte der wieselflinke Allrounder als B-Jugendspieler zum 1. FC Kaiserslautern. Axel Roos blieb 22 Jahre lang seinem FCK treu, wechselte nie und beendete im Sommer 2001 auch seine Karriere am Betzenberg.

 

Bis heute gibt es keinen anderen FCK-Profi, der als Spieler länger beim Verein unter Vertrag war. 1983 schaffte er den Sprung in die Profimannschaft der Roten Teufel, wo er häufig im defensiven Mittelfeld zu finden war. Sein erster Einsatz als Profi datiert vom 25. August 1984, als er im Spiel gegen den VfB Stuttgart in der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde. Der Anfang einer langen und beispiellosen Karriere. Bis zum Ende seiner fußballerischen Profilaufbahn absolvierte er sagenhafte 387 Pflichtspiele für den FCK, 303 davon in der 1. Bundesliga, 25 in der 2. Liga. Sein erstes Bundesligator markierte er am 13. September 1986, beim 1:1 gegen den FC Bayern München. Vier Minuten nach seiner Einwechslung. Insgesamt traf er 21 Mal für den FCK. 17 Tore erzielte er in der 1. Bundeliga, eines in der 2. Liga und 3 im DFB-Pokal.

 

Axel Roos ist nicht nur der Profi mit der längsten Vereinszugehörigkeit. Er sammelte mit seinem FCK auch fleißig Titel. Zwischen 1990 und 1998 gewann der FCK mit zwei Deutschen Meisterschaften und zwei Pokalsiegen vier Mal jeweils eine nationale Trophäe. Nur zwei Spieler waren bei allen vier Titeln dabei, einer davon war Axel Roos. Doch nicht nur der Fußball bestimmte sein Leben, Axel Roos verschrieb sich auch der Musik. In jungen Jahren erlernte er das Klavierspiel und machte später auch an der Orgel eine gute Figur. Selbst als Fußballprofi blieb er der Musik treu. Entspannung und ein für ihn wichtiger Ausgleich zur rauen Fußballwelt.

 

Nach seiner Profikarriere wechselte er auf die Trainerbank, coachte unter anderem mit Hans-Peter Briegel die albanische Nationalmannschaft und war später als Fußballlehrer in Bahrain tätig. Auch musikalisch eine erlebnisreiche Zeit für Axel Roos, lernte er so auch orientalische Musik kennen und dabei auch die Duduk, ein Holzblasinstrument. Axel Roos hat die DFB-Fußballlehrer-Lizenz (UEFA Pro Licence) und absolvierte während seiner Ausbildungszeit auch bei namhaften Trainern wie beispielsweise Klaus Toppmöller oder Jürgen Klopp für ihn wertvolle Praktika. Axel Roos lebt heute in Otterberg, betreibt eine Fußballschule und ist Vorsitzender des Ausbildungsvereins SFC Kaiserslautern. Das gesamte Museumsteam und alle FCK-Fans wünschen zum heutigen 55. Geburtstag von Herzen, alles Gute, lieber Axel!

 

-mg-


Deckblatt der ersten Vereinszeitung des FV Kaiserlautern vom 31.07.1914 (Foto: Archiv Eric Lindon)
Deckblatt der ersten Vereinszeitung des FV Kaiserlautern vom 31.07.1914 (Foto: Archiv Eric Lindon)

…‘s Vereinsbläddche is hunnerdfünf!

Wie vor 105 Jahren die Geschichte der Mitgliederzeitschrift begann

06.08.2019

 

Im kommenden Jahr feiert der 1.FC Kaiserslautern sein 120-jähriges Bestehen. Fast genauso alt ist die Tradition, die Mitglieder des Vereins regelmäßig über eine Vereinszeitschrift zu informieren. Im Juli vor 105 Jahren gab es erstmals eine Mitgliederzeitschrift! Beim FV Kaiserslautern, dem Vorgängerverein unseres heutigen 1. FCK. Für uns Grund genug einmal zurückzublicken wie sich das Thema Mitgliederzeitschrift rund um den 1. FC Kaiserslautern über die mehr als einhundert Jahre hinweg entwickelt und auch immer wieder verändert hat.

 

Der Anfang einer Mitgliederzeitschrift datiert also ins Jahr 1914. Es war die erste sogenannte Halbmonatsschrift für die Mitglieder des FV Kaiserslautern e.V., die mit Datum 31. Juli 1914 als Jahrgang 1, Nummer 1 herausgegeben wurde. Immerhin zählte der Verein zu diesem Zeitpunkt bereits 500 Mitglieder. Der FVK war damit die Nummer 27 der mitgliederstärksten Vereine des Süddeutschen Fußballverbandes. Man hatte sich dabei viel vorgenommen. Die Vorstellung war, mit mindestens jeweils drei Textseiten die Mitglieder vierzehntägig auf dem Laufenden zu halten, da nicht alle Mitglieder regelmäßig an den Vereinsversammlungen teilnehmen konnten. Die Idee einer Vereinszeitung war indessen deutlich älter, scheiterte jedoch stets an den finanziellen Rahmenbedingungen. Die erste Ausgabe wurde dann durch das Entgegenkommen der Druckerei Rudolf Roch in der Theaterstraße 16 (heute Karl-Marx-Straße) ermöglicht. Streng genommen also einer der ersten Sponsoren des Vereins.

 

Doch das neue Medium, mit dem die Verantwortlichen regelmäßig über das Vereinsgeschehen berichten wollten, hatte nicht lange Bestand. Das deutsche Kaiserreich hatte am 1. August Russland und am 3. August Frankreich den Krieg erklärt. Der Beginn des 1. Weltkrieges, die sogenannte Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Der Krieg setzte den Bestrebungen um eine regelmäßige Mitgliederzeitschrift  ein jähes Ende. Der Fußballsport wurde in den kommenden Jahren erst einmal in den Hintergrund gedrängt. Es sollte auch nach Ende des Krieges fast sieben weitere Jahre dauern, ehe die Vereinsführung das Vorhaben einer Vereinszeitung wieder aufgreifen wollte und vor allem konnte. Am 28. Februar 1925 erschien ein Heft als Jahrgang 1, Nummer 2 und schloss so nahtlos an die Ersterscheinung im Jahr 1914 an. Auch im dortigen Leitartikel bemüht sich der Verfasser, die Geselligkeit und den damit verbundenen Zusammenhalt der Mitglieder in den Vordergrund zu rücken. Intentionen, die bis heute Gültigkeit haben und behalten werden. Vor allem auch Beiträge wie die "Zehn Gebote für nörgelnde Vereinsmitglieder" sowie "Zehn Gebote zur Lahmlegung des Vereinslebens" zeugen von einer nicht unbedingt harmonischen Atmosphäre innerhalb des Vereins in jenen Zeiten. Ein Aspekt dem grade heute unglücklicherweise eine gewisse Aktualität innewohnt!

 

Die ersten drei Ausgaben wurden damals noch kostenlos an die Mitglieder ausgegeben. Doch schon beim vierten Heft kamen die Verantwortlichen um eine Gebühr von 20 Pfennigen zur Deckung der Kosten nicht herum, weswegen die Vereinszeitung auch schnell wieder eingestellt wurde. Erst zwei Jahre später griff man das Vorhaben wieder auf. Dabei hatte man aus Fehlern der Vergangenheit gelernt und mit Inseraten die Kostendecke so gestalten können, dass eine kostenfreie Abgabe an die Mitglieder möglich blieb. Ende 1927 hatte der Verein schließlich erstmals die Marke von 1.000 Mitgliedern überschritten. Vor allem den Inserenten war es zu verdanken, dass die Bemühungen die Mitglieder mit einer Vereinszeitung regelmäßig um das Geschehen im Verein zu informieren, sechs Jahre lang währten. Ein Aspekt, der einem auch heute irgendwie bekannt vorkommen mag. Waren es doch vor allem kleinere lokale und regionale Unternehmen, die durch ihre regelmäßigen Inserate die Vereinszeitung aufrecht erhielten und die teilweise heute noch existieren. Wie zum Beispiel das Café Bremer, die Gastwirtschaft Benderhof, Schuster & Sohn, das heutige Autohaus Rittersbacher oder das Möbelhaus Fuchs. Dennoch waren es vermutlich die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre, die ab Februar 1931 die Verantwortlichen dazu zwangen, den regelmäßigen Druck des Mitgliedermagazins einzustellen. Im Juli des gleichen Jahres wurde dann der im Jahr 1929 aus dem FVK und dem SV Phönix entstandene Verein FV Kaiserslautern Phönix in 1. FC Kaiserslautern umbenannt.

 

Während der Zeit des Nationalsozialismus erschien keine Mitgliederzeitschrift. Aber auch in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg ließen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine Neuauflage einer Mitgliederzeitschrift nicht zu. Es bedurfte erst einer engagierten und treibenden Kraft, die sich dieses Themas annehmen sollte. Diese fand sich in Präsident Dr. Ludwig Müller, der 1952 das Thema wieder auf die Agenda brachte. Als Jahrgang 1, Heft 1 erschien dann im Oktober 1952 eine erste neue Mitgliederzeitschrift. Mit einem Titel, der heute noch vielen FCK-Fans geläufig sein wird. "Rund um den Betzenberg" sollte das Magazin fortan heißen und diesen Namen immerhin bis zum Jahr 1996 behalten. Auch wenn nach dem Tode von Präsident Dr. Ludwig Müller im September des Jahres 1955 das Mitgliedermagazin zunächst von der Bildfläche verschwand. Erst mit Beginn des Jahres 1964 erschien das nächste Magazin mit dem Titel "Rund um den Betzenberg", als der FCK bereits seine erste Saison in der neu gegründeten Fußball-Bundesliga spielte. Jährlich 6 Hefte gab der Verein an seine Mitglieder aus. Optisch noch angelehnt an die frühen 1950er Jahre. Schon ein Jahr später hatte sich der FCK dann ein neues und moderner anmutendes Logo verpasst, das den Verein für die nächsten Jahrzehnte repräsentieren sollte. Bis 1993 sollte auch das Mitgliedermagazin im DIN-A5-Format einen ganz eigenen Charme versprühen, ehe man ab September des gleichen Jahres das Magazin unter gleichem Titel fortan im DIN-A4 Format herausgab.

 

Mit der Jahrtausendwende und dem Jubiläumsjahr zum 100-jährigen Bestehen des Vereins erfolgte dann eine völlig neue Philosophie. Der Titel "Rund um den Betzenberg" verschwand ab dem Jahr 2000. Das Mitgliedermagazin hieß ab nun "Fair" mit weißem Hintergrund auf dem Deckblatt und erschien vierteljährlich als Kontrapunkt zum Stadionmagazin "Fair-Play". Ab der Saison 2001/2002 erschien dann erstmals ein kombiniertes Heft aus Stadion-Magazin und Mitglieder-Magazin mit dem Titel "Betze-Magazin". Zunächst im DIN-A4-Format, ehe man auch aus Kostengründen ab der Saison 2008/2009 wieder zum kompakteren DIN-A5-Format zurückkehrte. Ab der Saison 2010/2011 erfolgte dann ein neuerlicher Philosophie-Wechsel, als man das Mitgliedermagazin erstmals mit dem Titel "In Teufels Namen" herausbrachte um dann mit der Saison 2018/2019 das vierteljährliche Magazin lediglich noch mit dem Begriff "Mitgliedermagazin" zu zieren.

 

Trotz der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Situation des Vereins wollen die Verantwortlichen die rund 17.000 Mitglieder natürlich auch künftig regelmäßig und umfassend über das Vereinsgeschehen informieren. Wer am 28. Juli dem Mitgliederforum des 1. FC Kaiserslautern beiwohnte, konnte den Worten von Vereinsvorstand Wilfried de Buhr entnehmen, dass es das Mitgliedermagazin der Roten Teufel künftig sogar häufiger geben soll. Anstatt der bisherigen vierteljährlichen Erscheinung, wird nun angestrebt, die Mitgliederzeitschrift des FCK monatlich herauszugeben. Dies dann jedoch nur noch als Newsletter, der per Mail versandt wird. Eine Print-Version gab es auch im vergangenen Jahr bereits nicht mehr. Verschickt wurde lediglich ein entsprechend gestaltetes E-Paper.

 

Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Situation des Vereins auf der einen Seite und dem Bestreben Kommunikation und Transparenz zu den Mitgliedern auf der anderen Seite erhöhen zu wollen, ist dies im digitalen Zeitalter ein durchaus logischer Schritt. Der Abschied von einer Print-Version aus wirtschaftlichen Gründen erinnert dennoch irgendwie an die Schwierigkeiten, die der Verein eben bereits in seinen Anfangsjahren zu meistern hatte. So werden von nun an alle FCK- Mitglieder und Fans, die beim Studieren der Mitgliederinformationen in der Vergangenheit das haptische Erlebnis bevorzugten, mit viel Wehmut auf die lange Geschichte der Vereinszeitschrift zurückblicken. In der Hoffnung, dass auch hier mal wieder bessere und andere Zeiten kommen mögen.

 

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Der treue Kämpfer mit dem Lockenschopf

Zum 70. Geburtstag von Josef "Seppl" Pirrung

24.07.2019

 

Schon beim ersten Betzenberg-Besuch im Jahr 1974 stach dem Verfasser diese Zeilen jener Spieler ins Auge, der mit unnachahmlicher Eleganz Gegenspieler wie Slalomstangen zu umkurven vermochte. Nicht selten zum Preis einer derben Grätsche, die den Tatendrang und die spielerische Leichtigkeit des nur 1,67 Meter großen, aber äußerst quirligen Offensivspielers der Roten Teufel  jäh unterbrach. "Wer is’n der do, wo do an de Linie so Gas gebt?", lautete die Frage an den als Stadionbesucher und FCK-Begeisterten schon etwas erfahreneren Bruder an der Seite. "Des is de Pirrung", lautete die lapidare Erklärung, ehe das Bruderherz sich wieder lautstark dem Spielgeschehen zuwandte – "hopp…auf geht’s…Eff – Eff – Eff-Ze-Ka!" Zu diesem Zeitpunkt trug der so adhoc in den Fokus gerückte virtuose Dribbelkünstler, der sich so nachhaltig ins Gedächtnis der FCK-Historie des Autors eingebrannt hatte, bereits im siebten Jahr das Trikot des FCK. Bis 1981 sollte es den Fans der Roten Teufel noch vergönnt sein, den sympathischen Wirbelwind auf der Außenbahn bewundern zu dürfen.

 

Dabei schien die fußballerische Karriere des Josef "Seppl" Pirrung bereits vorbei zu sein, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatte. Im Alter von 17 Jahren hatte der am 24. Juli 1949 in Münchweiler an der Rodalb geborene Mittelfeldspieler bereits Einladungen in die Südwest-Auswahl erhalten und war 1967 in die Deutsche Jugend-Nationalmannschaft berufen worden. Der fußballerisch beim FC Münchweiler aufgewachsene quirlige Lockenkopf, erlitt während eines Spieles in der Türkei nach einer harten Attacke seines Gegenspielers einen Schien- und Wadenbeinbruch. Sein Einsatz nach einer halbjährigen Zwangspause kam dann jedoch offensichtlich zu früh. Bereits im ersten Spiel brach er sich erneut sein Schien- und Wadenbein. Doch Seppl Pirrung gab nicht auf und kämpfte sich noch im gleichen Jahr in die Mannschaft zurück. Bei einem Einsatz in einem Freundschaftsspiel war es wieder eine sprichwörtlich knochenharte Attacke eines gegnerischen Abwehrspielers, die zum bereits dritten Schienbeinbruch führte. Die schweren Verletzungen haben sein rechtes Bein um drei Zentimeter kürzer werden lassen. Mit bewunderungswürdiger Energie nahm Pirrung erneut einen Anlauf und überzeugte schließlich mit seinen eleganten Flankenläufen und Dribblings die Verantwortlichen des FCK, ihm 1968 einen Lizenzspielervertrag anzubieten. So wechselte Seppl Pirrung zur Saison 1968/1969 vom FC Münchweiler an den Lauterer Betzenberg.

 

In der Saison 1969/1970 dann sein Bundesliga-Debüt. Beim Auswärtsspiel auf Schalke am 30. August 1969 wurde er knapp 10 Minuten vor dem Ende eingewechselt. Der FCK verlor 2:4. Sein erster Einsatz in der Bundesliga vor heimischem Publikum absolvierte Seppl Pirrung beim 2:0 Sieg gegen Eintracht Frankfurt am 27. September 1969, als er schon nach einer knappen halben Stunde eingewechselt wurde. Schnell erkannten die Betzenberg-Besucher, welch einen Rohdiamanten der FCK mit diesem Flügelflitzer gewonnen hatte. Wenn der Lockenkopf zu einem Dribbling ansetzte und an seinem Gegenspieler vorbei zog, gerieten die Fans in Verzückung. Aber wehe dem Abwehrspieler, der sich nur durch hartes Einsteigen gegen den Rechtsaußen zu helfen wusste und ihn unfair zu Fall brachte! Die Volksseele kochte, wenn sich der nur 1,67 Meter große Seppl auf dem Rasen wälzte. Es wurde quasi zum Ritual, dass der Übeltäter dann für den Rest der Begegnung gnadenlos ausgepfiffen wurde! Ein Stil-Element, das dem Betzenberg seine legendäre Atmosphäre verlieh.

 

Nicht immer gelang es Seppl Pirrung eine gegnerische Grätsche mit seiner ihm eigenen scheinbaren Leichtigkeit überspringen zu können. Oft genug wurde er getroffen oder gar rüde von den Beinen geholt und handelte sich so auch immer wieder neue Verletzungen ein. Seppl Pirrung war jedoch nicht nur ein glänzender Dribbler und Vorlagengeber, er überzeugte auch als beherzter und erfolgreicher Torschütze. In 359 Pflichtspielen für den FCK und erzielte er immerhin 72 Tore! Davon gelangen ihm 61 Treffer in seinen insgesamt 304 Bundesligaeinsätzen für den FCK! Gemeinsam mit Klaus Toppmöller und dem legendären "Schwedenpfeil" Roland Sandberg bildete Seppl Pirrung Mitte der 1970er Jahre ein torgefährliches Sturmtrio. Seppl Pirrung hat während seiner dreizehnjährigen Profikarriere auf dem Betzenberg viele überragende Spiele geliefert, doch keines ist so im kollektiven Gedächtnis verankert geblieben, wie der legendäre 7:4-Sieg im Oktober 1973 gegen den FC Bayern München. Seppl Pirrung narrte an diesem Nachmittag reihenweise die prominenten Abwehrspieler des FC Bayern um Franz Beckenbauer und erzielte gegen Sepp Maier drei sehenswerte Tore.

 

Legendär soll allerdings auch ein Auftritt von Seppl Pirrung im Aktuellen Sportstudio des ZDF gewesen sein, wo der sympathische und bodenständige Angreifer auch sprachlich keinen Hehl aus seiner Herkunft gemacht hatte. Eine Anekdote, der sich Ende 2011 sogar die Süddeutsche Zeitung in einem Beitrag zu legendären Sportstudio-Momenten angenommen hatte und dabei auch auf Kommentare und Zeugenberichte von Usern des Fan-Forums "Der Betze brennt" verwies. Demzufolge soll der Moderator des aktuellen Sportstudios ihn zunächst mit "Herzlich Willkommen, Josef Pirrung aus Pirmasens" begrüßt haben soll, worauf der Flügelflitzer quasi muttersprachlich entgegnet haben soll, "nä, isch bin de Pirrung Seppl aus Münchweiler"! Im weiteren Verlauf des Abends im Interview angesprochen auf eines seiner technisch vollendeten Tore, habe Pirrung sich zunächst in seinem besten Hochdeutsch erinnert. "Ich habe mir den Ball an der Mittellinie erkämpft, habe ein oder zwei Gegner umspielt und bin dann an der Strafraumgrenze angekommen", um dann in feinstem "Pälzer" Dialekt zu vollenden, "…un dann hab' isch mer de Balle vun links uff rechts gelegt un neigebumbt!" Für jeden sprachlich versierten Pfälzer alles kein Problem, doch der Moderator verstand Pirrung nicht und  fragte nach. "Was haben Sie getan?" Pirrung antwortete, "ei, isch hab' mir de Balle vun links uff rechts gelegt un neigebumbt!" Nachdem die Verständnisprobleme im Studio weiterhin mit Händen zu greifen waren, wiederholte Seppl Pirrung deshalb noch einmal, "isch hab' mir de Balle vun links uff rechts gelegt un neigebumbt!" Der Moderator soll danach das Thema gewechselt haben.

 

Seppl Pirrung steht auch für Einsätze im Nationaltrikot. In der Saison 1970/1971 debütierte er in der U23-Nationalmannschaft, für die er im gleichen Jahr noch drei weitere Partien absolvierte. Den Sprung in den WM-Kader 1974 schaffte er zwar nicht, aber nach der Heim-Weltmeisterschaft gehörte er beim Länderspiel in Basel gegen die Schweiz zumindest zum Kader, wenn auch ein Einsatz verwehrt blieb. Sein Einsatz-Debüt folgte dann beim EM-Qualifikationsspiel in Griechenland, als er in der 81. Minute eingewechselt wurde. Einen Monat später gehörte er beim EM-Qualifikationsspiel gegen Malta in La Valetta dann zur Startelf. Es waren seine beiden einzigen A-Länderspiele. Zwischen 1975 und 1977 folgten noch vier Einsätze in der B-Nationalmannschaft. Mit Seppl Pirrung trug somit erstmals nach dem Ende der Walter-Ära wieder ein FCK-Spieler das Nationaltrikot.

 

Leider blieb das Verletzungspech Seppl Pirrung treu. Im Jahre 1981 brach er sich den Knöchel, das Ende seiner großen Karriere beim FCK zeichnete sich ab. Sein Abschied aus Kaiserslautern verlief bedauerlicherweise mit Groll. Er wechselte zu Wormatia Worms, wo er noch für eine Saison anheuerte und noch 27 Begegnungen absolvierte. Das Versprechen, ihm die Ablöse der Wormser zu überlassen, wurde jedoch nicht eingehalten. Verbittert blieb Seppl Pirrung dem Betzenberg fast zwanzig Jahre fern. Erst 2010 nach der zwischenzeitlichen Rückkehr des FCK in die Bundesliga, besuchte er, bereits schwer erkrankt, gemeinsam mit seiner Tochter das FCK-Heimspiel gegen den FC Bayern München. Die Roten Teufel gewannen 2:0.

 

Beim Amateurverein VfL Neustadt hatte Pirrung nach seinem Wormser Engagement seine Laufbahn übrigens ausklingen lassen. Der Familienvater Seppl Pirrung wohnte weiterhin in Kaiserslautern, spielte gerne Tennis und war erfolgreich als Sportartikelverkäufer tätig. Nachdem bei ihm ein tückisches Krebsleiden diagnostiziert worden war, verstarb er am 11. Februar 2011 viel zu früh im Alter von erst 61 Jahren. Er wurde auf dem Hauptfriedhof Kaiserslautern auf seinen ausdrücklichen Wunsch in aller Stille und nur im Kreise seiner engsten Familie beigesetzt. Seine letzte Ruhestätte fand er dort nur 60 Meter vom Ehrengrab seines Idols Fritz Walters entfernt. Seine Grabstelle gehört heute zum festen Anlaufpunkt, der regelmäßigen Friedhofsführungen, die vom Förderverein des FCK-Museums initiiert und durchgeführt werden. Seppl Pirrung wäre am heutigen Tag 70 Jahre alt geworden. Ein Anlass mit Bewunderung und Anerkennung auf den einstigen Publikumsliebling zurückzublicken, ihm weiterhin ein ehrendes Andenken zu wahren, ihn als leidenschaftlichen Vollblut-Fußballer und vorbildlichen Kämpfer sowie als positives Beispiel eines vereinstreuen Profis in Erinnerung zu behalten und auch den Menschen Seppl Pirrung nie zu vergessen.

 

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Foto: FCK
Foto: FCK

Ein treuer FCK-Recke feiert Geburtstag

Teammanager Roger Lutz wird heute 55

15.07.2019

 

1988 schnürte Roger Lutz zum ersten Mal die Fußballschuhe für den 1. FC Kaiserslautern. Auch 31 Jahre später trägt der gebürtige Lindener, das Logo der Roten Teufel auf der Brust. Natürlich nicht mehr als aktiver Kicker in seiner ihm angestammten Rolle als Innenverteidiger, sondern in der Funktion des Teammanagers. Heute feiert Roger Lutz seinen 55. Geburtstag. Auch der Förderverein des FCK-Museums gratuliert an dieser Stelle ganz herzlich und wünscht alles Gute für die Zukunft.

 

Seine ersten fußballerischen Gehversuche absolvierte Roger Lutz in seinem Heimatort beim FV Linden 1931, von wo aus er zum FK Clausen wechselte. 1988 dann kam der Wechsel vom Verbandsligisten zum Bundesligisten auf den Betzenberg. Beim 1. FC Kaiserslautern verbrachte Roger Lutz über einen Zeitraum von 12 Jahren seine gesamte aktive Profilaufbahn, ehe er diese im Jahr 2000 beendete. Statistisch gesehen ist Roger Lutz neben Axel Roos nach Titeln der erfolgreichste FCK-Spieler. Mit den Roten Teufeln wurde er zweimal Deutscher Meister (1991 und 1998) und zweimal DFB-Pokalsieger (1990 und 1996). Roger Lutz absolvierte für den FCK 99 Erstligaspiele, in denen er ein Tor erzielte. Außerdem noch fünf Zweitligaspiele in der Saison 1996/1997. Seine Spielerlaufbahn ließ er beim luxemburgischen F91 Düdelingen ausklingen, mit dem er 2001 und 2002 zweimal die Luxemburger Meisterschaft gewinnen konnte.

 

Von Ende 2002 bis Anfang 2004 war Roger Lutz Mitglied im Aufsichtsrat des FCK. Von 2007 bis 2011 arbeitete er unter anderem als Co-Trainer unter Kjetil Rekdal und Milan Sasic beim FCK. Seit 2008 auch als Team-Manager der ersten Mannschaft. Dieses Amt übt er bis heute mit Leidenschaft und Engagement aus. Im Sommer 2013 übergab Roger Lutz seinen reichhaltigen Fundus an FCK-Trikots aus über zwei Jahrzehnten Vereinsgeschichte dem FCK-Museum, wo die teilweise edlen Stücke mit hohem Erinnerungswert auch heute noch in unterschiedlichen Ausstellungsschwerpunkten zu sehen sind. Eine großzügige Geste, die auch der Förderverein des FCK-Museums bis heute zu würdigen weiß.

 

Außergewöhnlich in seiner Spielerlaufbahn war in den 1990er Jahre sicher seine Entscheidung, den Profifußball temporär beiseite zu schieben und sich ganz dem Abschluss seines Studiums zum Bauingenieur zu widmen. Nach der erfolgreichen Graduierung kehrte er als Amateur in den Kader zurück, wonach er dann seine zweite deutsche Meisterschaft gewann. Zusammen mit seinem Cousin betrieb er später, von 2000 bis 2007 ein Ingenieurbüro im Heimatort Linden.

 

Bei der Jubiläumsveranstaltung Heimkehr der Helden anlässlich des 20-jährigen Jubiläums zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft im vergangenen September, war Roger Lutz eine der Werbe-Ikonen und hat auch das Wiedersehen mit seinen ehemaligen Spielkameraden, mit Trainer Otto Rehhagel und mit zahlreichen seiner Weggefährten aus seiner aktiven Profikarriere sichtlich genossen. Roger Lutz ist bis heute eine feste Größe im FCK-Gefüge. Wir wünschen ihm von ganzem Herzen alles Gute zum 55. Geburtstag und wünschen ihm noch viele Jahre im Kreise der FCK-Familie.

 

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Dritter beim Kampf um die Deutsche Meisterschaft

Der 1. FCK scheiterte 1949 im Halbfinale und siegte im Spiel um Platz drei

09.07.2019

 

Heute vor 70 Jahren erlangte der 1. FC Kaiserslautern beim Kampf um die Deutsche Fußballmeisterschaft den dritten Platz! Als Meister der Oberliga Südwest waren die Roten Teufel für die Endrunde qualifiziert. Im Viertelfinale bezwang man den FC St.Pauli und erreichte damit zunächst mal das Halbfinale. Dort hieß der Gegner Borussia Dortmund.

 

Gegen den Gegner aus Westfalen gab es am 26. Juni in München im Stadion an der Grünwalder Straße vor rund 57.000 Zuschauern trotz Verlängerung nur ein torloses Unentschieden. Im damals noch üblichen Wiederholungsspiel, das am 3. Juli im Müngersdorfer Stadion in Köln ausgetragen wurde, unterlagen die Kicker vom Betzenberg vor 60.000 Besuchern dann deutlich mit 1:4. Damit trat die Mannschaft um Fritz Walter am Samstag, den 9. Juli 1949 im Koblenzer Stadion am Oberwerth gegen die Kickers aus Offenbach im Spiel um Platz 3 an. Vor 33.000 Zuschauern stand es wie im Halbfinale auch in dieser Partie nach 90 Minuten zunächst noch 0:0. Spielerisch waren die Hessen den etwas müde wirkenden Pfälzern bis dahin ein wenig überlegen. Was die Männer um Fritz Walter allerdings durch Moral und Kampfgeist wettmachten. Erst in der Verlängerung platzte auf beiden Seiten der Knoten. Zunächst ging der FCK in der 97. Minute nach einer feinen Vorlage von Fritz Walter, durch Günther Grewenig mit 1:0 in Führung. Nur 12 Minuten später dann die Vorentscheidung, als Ottmar Walter auf 2:0 erhöhte. Den Hessen gelang in der 120. Minute durch Kurt Schreiner zwar noch der Anschlusstreffer zum 1:2, doch kurz danach pfiff Schiedsrichter Witthaus aus Duisburg die Partie ab.

 

Der FCK beendete die Saison 1948/1949 damit als Drittplatzierter. Vielleicht blieb der Erfolg auch deshalb versagt, weil die Endrunde den Roten Teufeln in dieser Saison alles abverlangte. Sowohl im Viertelfinale als auch im Halbfinale stand nach jeweils 120 Spielminuten ein Unentschieden zu Buche. Demzufolge in beiden Runden jeweils ein schweres zusätzliches Spiel. Gegen den FC St.Pauli hieß es am Ende der Viertelfinalpartie 1:1. Im Wiederholungsspiel setzte sich der FCK dann in Düsseldorf mit 2:1 durch. Im Halbfinale folgte nach den torlosen 120 Minuten gegen Borussia Dortmund dann die 1:4 Pleite im Wiederholungsspiel. In der vorangegangenen Saison war der 1. FC Kaiserslautern als Meister der Oberliga Südwest deutlich souveräner durch die Endrunde gekommen und erreichte jeweils mit einem deutlichen 5:1 im Viertelfinale gegen den TSV 1860 München und dem gleichen Ergebnis im Halbfinale gegen die SpVgg Neuendorf ungefährdet das Finale um die begehrte Meisterschafts-Trophäe. Im Endspiel unterlagen die Roten Teufel dann dem 1. FC Nürnberg mit 1:2.

 

Am Tag nach dem Spiel um Platz drei in der Saison 1948/1949, fand dann im Stuttgarter Neckarstadion das Finale zwischen dem VfR Mannheim und Borussia Dortmund statt. Vor 92.000 Zuschauern sicherten sich die Kurpfälzer in einer umkämpften Partie mit einem 3:2 Sieg gegen die Westfalen ihren ersten - und bis heute letzten - nationalen Titel und wurden erstmals Deutscher Fußballmeister. Für den 1. FCK reichte es erst zwei Spielzeiten später zum großen Wurf. Nachdem man in der Saison 1949/1950 bereits im Viertelfinale der Endrunde gegen den späteren Deutschen Meister VfB Stuttgart ausgeschieden war, wurde der FCK am Ende der Saison 1950/1951 erstmals Deutscher Fußballmeister.

 

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Zwanzigster Todestag des Lauterer Meister-Keepers

Zur Erinnerung an den FCK-Torhüter Karl Adam

09.07.2019

 

Seit Jahrzehnten ist beim FCK die Qualität der Torhüter ein Eckpfeiler des sportlichen Erfolges.  Eine Aussage, die für FCK-Fans selbst heute in der dritten Liga Gültigkeit hat. Erst recht, seit Gerry Ehrmann 1996 beim Traditionsclub aus der Pfalz die Arbeit als Torwarttrainer aufgenommen hat. Unvergessen unter anderem auch Ronny Hellström, der zwischen 1974 und 1984 den Kasten der Lauterer hütete. Aber auch in früheren Jahrzehnten standen Torhüter im Kasten der Roten Teufel, die internationales Format erreichten. Einer von ihnen war Karl Adam, der heute vor 20 Jahren im Alter von 75 Jahren verstarb. Mit ihm im Tor schaffte es der 1.FC Kaiserslautern im Jahr 1951 erstmals Deutscher Fußballmeister zu werden. Beim Finalspiel gegen Preußen Münster, das die Roten Teufel mit 2:1 für sich entscheiden konnten, stand der gebürtige Koblenzer Karl Adam zwischen den Pfosten. Sein Todestag jährt sich heute zum zwanzigsten Mal.

 

Seine ersten fußballerischen Gehversuche unternahm Karl Adam beim Koblenzer Stadtteil-Verein SC 07 Moselweiß. Der ursprüngliche Mittellläufer wechselte im Jahr 1947 auf die Position des Torhüters. Als solcher heuerte er zur Saison 1949/1950 beim 1.FC Kaiserslautern an, wo er den bisherigen Stammtorhüter Willi Hölz als Nummer eins verdrängte. Nach einigen Fehlern in der Schlussphase der Oberliga-Saison 1950/1951 wurde Karl Adam dann allerdings seinerseits durch den kurzfristig vom 1.FSV Mainz 05 verpflichteten Dieter Schaack im Kasten der Lauterer ersetzt. Verärgert verließ der Keeper den FCK und kehrte zum TuS Neuendorf zurück. Da der aus Mainz geholte neue Keeper aufgrund von Verbands-Regularien jedoch in der Vorrunde um die Deutsche Meisterschaft gar nicht spielberechtigt war, setzte sich der damalige FCK-Trainer Richard Schneider dafür ein Karl Adam zum FCK zurückzuholen. Karl Adam zeigte sich in dieser Situation als guter Sportsmann, ließ den FCK und seinen Trainer nicht abblitzen und zeigte in den Endrundenspielen wieder ausgezeichnete Leistungen. Eine richtige Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Mit ihm als Stammtorhüter qualifizierte sich der 1. FC Kaiserslautern 1951 als Tabellenerster der Vorrunde um die Deutsche Meisterschaft für das Finalspiel in Berlin. Dort bezwang der FCK mit einem 2:1-Sieg Preußen Münster und wurde erstmals Deutscher Fußballmeister. Nach der Meistersaison wechselte Karl Adam wieder zur TuS Neuendorf. 1953 verpflichtete ihn der FC Bayern München. Er kehrte jedoch nach nur zwei Spielzeiten 1955 wieder zum TuS Neuendorf zurück, wo er 1956 seine aktive Laufbahn aufgrund von Knieproblemen beendete.

 

Spätestens durch das Finalspiel 1951 in Berlin war ihm auch die Aufmerksamkeit von Bundestrainer Sepp Herberger gewiss. Es folgte die fast logische Nominierung zur Nationalmannschaft, wo er auf insgesamt drei Einsätze kam und ohne Gegentor blieb. Doch letztlich konnte sich Karl Adam in der Nationalmannschaft nie wirklich gegen den starken Toni Turek durchsetzen. Karl Adam starb am 9. Juli 1999 im Alter von 75 Jahren in seiner Koblenzer Heimat.

 

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Das Wunder von Bern wird 65!

Am 4. Juli 1954 wurde Deutschland erstmals Fußballweltmeister

04.07.2019

 

"Aus! Aus! Aus! - Aus! - Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister! Schlägt Ungarn mit drei zu zwo Toren im Finale in Bern!" Selbst heute geraten Menschen bei diesen Worten in Verzückung. Es waren die Worte mit denen Herbert Zimmermann bei seiner legendären Radio-Reportage den Moment des Schlusspfiffes beim WM-Finale 1954 im Berner Wankdorf-Stadion kommentierte. Worte, deren Klang und unverkennbare Intonation mit dem markanten, stimmlich in den Rachen gepressten "R-Laut" bis heute unweigerlich ein Gänsehautgefühl auslösen. Sie beschreiben den Schlusspunkt einer märchenhaften und wundersamen Reise einer deutschen Fußball-Nationalmannschaft, an deren Ende am 4. Juli 1954 der erste WM-Titel Deutschlands stand. Ein Ereignis das sich heute zum 65. Mal jährt!

 

Besonders der 1. FC Kaiserslautern und seine Fans haben allen Grund voller Stolz auf diesen ersten WM-Titel Deutschlands zurückzublicken. Immerhin standen nicht weniger als fünf FCK-Spieler beim WM-Finale in Bern 1954 auf dem Platz, als die als unbesiegbar geltende ungarische Wundermannschaft um den Ausnahmefußballer Ferenc Puskás mit 3:2 geschlagen wurde. Vier Sterne trägt die deutsche Nationalmannschaft heute auf der Brust. Vier Sterne, von denen jeder für den Gewinn eines WM-Titels und damit für die größten Erfolge des deutschen Fußballs stehen. Der vielleicht am wenigsten erwartete und großartigste Titel dürfte zweifelsfrei jener WM-Sieg sein, der mit dem Endspiel gegen Ungarn im Berner Wankdorf-Stadion zum Fußballwunder avancierte und bis heute als das gefühlte Gründungsdatum der Bundesrepublik Deutschland gilt. Es war die erste Teilnahme der Bundesrepublik bei einer Fußball-Weltmeisterschaft. Dass es dabei gleich zum Titel reichen würde, konnte vorher niemand erahnen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beschloss die FIFA, alle Sportbeziehungen mit Deutschland abzubrechen und verbot sogar allen Mitgliedsverbänden Sportbeziehungen mit Deutschland. Es dauerte bis 1948, als sich die Schweiz als erstes Land für eine Wiedereingliederung aussprach, doch der Antrag wurde abgelehnt. Trotzdem war es vor allem die Schweiz, die versuchte, den sportlichen Kontakt mit der 1949 gegründeten Bundesrepublik wieder aufzunehmen. Im Januar 1950 fand auch der DFB zu seiner Neugründung und wurde im September wieder in die FIFA aufgenommen. Für die WM 1950 blieb Deutschland aber noch ausgeschlossen und so kam es, dass vier Jahre später die Mannschaft von Sepp Herberger am WM-Turnier in der Schweiz teilnahm. Schon vor Turnierbeginn von vielen Kritikern belächelt und mit der Frage verbunden, was man denn dort in der Schweiz überhaupt wolle.

 

Mit im Kader standen gleich fünf Spieler des 1. FC Kaiserslautern. Kapitän und Kopf der Mannschaft war Fritz Walter. Mit dabei waren auch sein Bruder Ottmar Walter, Werner Liebrich, Werner Kohlmeyer und Horst Eckel. Heute ist Horst Eckel übrigens der letzte noch lebende deutsche Zeitzeuge, der 1954 aktiv auf dem Rasen mit dabei war. Als eigentlicher Vater des Erfolges gilt allerdings bis heute Trainerfuchs Sepp Herberger. Schon vor Turnierbeginn beschäftigte den strengen und auf Diszipling bedachten Bundestrainer und Fußball-Philosophen immer wieder eine Frage. Wie lässt sich diese perfekt funktionierende Kombinationsmaschine der Ungarn stoppen? Immerhin war man bereits in der Gruppenphase dazu verdammt dem haushohen Favoriten zu begegnen. Sepp Herberger mag wohl schon vor Turnierbeginn die eine oder andere Strategie im Hinterkopf gehabt haben.

 

Der Turnierauftakt verlief für die DFB-Elf nach Maß. Mit einem 4:1 Auftaktsieg wurde die Türkei geschlagen. Doch danach ging es gegen den Turnierfavoriten Ungarn. Sepp Herberger stellte gegen die Magyaren zum Entsetzen der deutschen Fußballfans eine absolute B-Elf auf. Toni Turek, Fritz Laband, Karl Mai, Bernhard "Berni" Klodt, Max Morlock Ottmar Walter und Hans Schäfer - sie alle fehlten auf deutscher Seite. Die Taktik führte geradewegs zu einer herben 3:8-Niederlage, die in der Heimat als Schmach empfunden und scharf kritisiert wurde. In Deutschland wurde teilweise deutlich der Rücktritt des Bundestrainers gefordert, die anwesenden Pressevertreter aus der Heimat machten dem Trainerfuchs die Hölle heiß! Doch dieses Vorgehen von Sepp Herberger stellte sich als raffinierter Schachzug heraus. Im Entscheidungsspiel gegen die Türkei machten die Deutschen den Einzug ins Viertelfinale perfekt, in dem Jugoslawien mit 2:0 besiegt wurde.

 

Die deutsche Auswahl stand im Halbfinale. Der Gegner hieß Österreich. Gemessen an der schon vor dem Turnier verbreiteten Häme um die Teilnahme an der WM, kam das Erreichen des Halbfinales bereits einer kleinen Sensation gleich. Eine kleine Sensation war dann auch das Halbfinalergebnis. Das deutsche Team spielte in Hochform auf und fertigte die Nachbarn aus der Alpenrepublik humorlos mit 6:1 ab! Deutschland hatte das Finale der Weltmeisterschaft erreicht! Dort hieß es dann am 4. Juli 1954 erneut - Deutschland gegen Ungarn. Vom Papier her und in Erinnerung an die herbe Klatsche in der Gruppenphase eigentlich eine klare Angelegenheit. Die Ungarn galten als Übermannschaft, schossen im Schnitt 4,3 Tore pro Spiel. Doch auch wenn alles für die Ungarn sprach, natürlich wollten sich die Deutschen nicht einfach so geschlagen geben. Im Mannschaftsquartier im Hotel "Bélvèdere" in Spiez am Thunersee sinnierte Bundestrainer Sepp Herberger zusammen mit Kapitän Fritz Walter, seinem verlängerten Arm, nach der optimalen Strategie auf dem Feld. Hier hatte sich die Mannschaft gefunden, hier erwuchs "der Geist von Spiez". Ein Ort der Konzentration und Ruhe. Hier stimmte der Bundestrainer die Mannschaft auf die Ungarn ein, hier teilte er jedem seiner Jungs die maßgeschneiderte Rolle seines ganz persönlichen Drehbuchs zu. So wie beispielsweise dem "Küken" der Deutschen Auswahl, Horst Eckel. Ihm, dem Windhund, trichterte der Bundestrainer vor dem Spiel eine besondere Schlüsselrolle ein. "Nicht Puskás ist der Kopf der Ungarn. Der Kopf ist, wie wir wissen, Hidegkuti! Sie, Horst, werden gegen ihn spielen. Sie werden ihm bis aufs Klo folgen. Ich möchte, dass er nachts von ihnen träumt." Eine Taktik, die sich wie viele andere Kleinigkeiten, die er beeinflussen konnte, bezahlbar machen sollte. Nur beim Wetter half im Grunde nur hoffen oder beten. Wenn es regnen würde am Finaltag, dann würde sein Kapitän, der bei nassem Geläuf am liebsten kickte, all seine Qualitäten als Denker und Lenker ausspielen.

 

Dann war er da, der Finalsonntag um den sich später Legenden weben sollten! Offiziell 62.471 Zuschauer füllten das Wankdorf-Stadion in Bern. Der Himmel war verhangen vor dem Anpfiff und pünktlich zur Anstoßzeit setzte der Regen ein. Weswegen die Deutschen auch einen Trumpf ausspielen konnten, den die Ungarn nicht hatten. Zeugwart der Mannschaft war bei der WM 1954 Adolf "Adi" Dassler, Mitgründer des Unternehmens Adidas. Er hatte eine ganz besondere Neuerung mitgebracht. Fußballschuhe mit Schraubstollen. Während die anderen Mannschaften ihre Standsicherheit auf dem Rasen durch kleinere Noppen gewannen, die mit den Sohlen eine feste Einheit bildeten, konnte Dassler der deutschen Elf je nach Witterung die passenden Metallstollen unter die Sohle schrauben.

 

Dennoch verlief das Spiel für die Männer um Fritz Walter zunächst alles andere als glücklich. Nach 8 Minuten führten die favorisierten Ungarn durch Tore von Ferenc Puskás (6.) und Zoltán Czibor (8.) bereits mit 2:0. Selbst nach dem direkten Anschlusstreffer durch Max Morlock (10.) glaubten nur wenige im Berner Wankdorf-Stadion, dass die Deutschen das Spiel noch drehen würden. Doch es kam anders, weil Helmut Rahn in der 18. Minute den Ausgleich erzielte und Fritz Walter seine Mannschaft als Kapitän mit diesem Ergebnis in die Halbzeit führte. Dort musste Sepp Herberger zunächst einen lautstarken Streit seiner Schützlinge in der Kabine schlichten. Er schaffte es sein Team noch einmal zu motivieren, an die eigenen Stärken zu erinnern und so zum Sieg zu treiben. Unvergessen ist das, was sich dann in der zweiten Halbzeit abspielte. Bei mittlerweile stabilem Fritz-Walter-Wetter konnten die Deutschen ihren Trumpf mit den Schraubstollen ausspielen. Dass auch die Ungarn diesen Vorteil erkannten, räumte später einmal der ungarische Außenverteidiger Jenö Buzánsky ein. "Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Mannschaften waren die austauschbaren Stollen", soll er einmal gesagt haben. Das 3:2 durch Helmut Rahn und die letzten Spielminuten lassen sich wohl am besten mit dem Originalkommentar von Radioreporter Herbert Zimmermann beschreiben:

 

"Sechs Minuten noch im Wankdorf-Stadion in Bern. Keiner wankt. Der Regen prasselt unaufhörlich hernieder. Es ist schwer, aber die Zuschauer, sie harren nicht aus – wie könnten sie auch! Eine Fußballweltmeisterschaft ist alle vier Jahre, und wann sieht man ein solches Endspiel, so ausgeglichen, so packend, jetzt Deutschland am linken Flügel durch Schäfer, Schäfers Zuspiel zu Morlock wird von den Ungarn abgewehrt, und Bozsik, immer wieder Bozsik, der rechte Läufer der Ungarn am Ball. Er hat den Ball verloren diesmal, gegen Schäfer – Schäfer nach innen geflankt – Kopfball – abgewehrt – aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen – Rahn schießt! – Tooooor! Tooooor! Tooooor! Tooooor! … Tooor für Deutschland – Linksschuss von Rahn, Schäfer hat die Flanke nach innen geschlagen, Schäfer hat sich gegen Bozsik durchgesetzt. Drei zu zwei für Deutschland fünf Minuten vor dem Spielende. Halten Sie mich für verrückt, halten Sie mich für übergeschnappt, ich glaube, auch Fußballlaien sollten ein Herz haben, sollten sich an der Begeisterung unserer Mannschaft und an unserer eigenen Begeisterung mit freuen und sollten jetzt Daumen halten. Viereinhalb Minuten Daumen halten in Wankdorf. (…) Aus! Aus! Aus! – Aus! – Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister! Schlägt Ungarn mit drei zu zwo Toren im Finale in Bern!"

 

Deutschland wurde also an jenem 4. Juli 1954 zum ersten Mal Fußball-Weltmeister und die Spieler avancierten zu Helden, zu Legenden, zu Göttern. Ein Status, in dem sich nicht jeder der Protagonisten zeit seines Lebens wirklich wohl fühlte. Dennoch war der Empfang in der Heimat unbeschreiblich und die Fahrt mit dem Sondertriebwagen "Roter Blitz" dauerte Ewigkeiten, weil an jedem Bahnhof Menschenmassen warteten, den Spielern zujubelten, ihnen gratulierten und Geschenke in den Wagen reichten. Schon die erste Station auf deutschem Boden, im südbadischen Singen, wo zigtausende Menschen dem Weltmeisterzug einen triumphalen Empfang bereiteten. So gesehen war der Sieg der deutschen Kicker nicht nur ein Erfolg für den deutschen Fußball und ein Fußball-Triumph. Dieses bis heute so markante Datum hatte Deutschland aus der Nachkriegs-Lethargie gerissen. Der Titel-Gewinn erzeugte auch eine neue Identität der Deutschen, die seit dem Krieg gemieden und boykottiert worden waren. Man war wieder wer und hatte Grund auf etwas stolz zu sein, das sich ins kollektive nationale Gedächtnis brannte. So wird das denkwürdige Fußballspiel vom 4. Juli 1954 im Berner Wankdorf-Stadion bis heute als Meilenstein in der damals erst fünfjährigen Bundesrepublik Deutschland und als Initialzündung für das deutsche Wirtschaftswunder gewertet.  Durch die Teilhabe der fünf FCK-Spieler ist dieser 4. Juli 1954 bis heute auch ein unvergessenes Ereignis für die Stadt Kaiserslautern und vor allem für die Roten Teufel und ihre Fans.

 

Auch heute, 60 Jahre nach dem WM-Titel 1954, erinnern wir uns mit stolz geschwellter Brust an das Wunder von Bern. Das Wunder, welches sportlich betrachtet schon wirklich eines war, denn zwischen 1950 und 1956 verloren die Ungarn von 50 Spielen nur ein einziges - nämlich jenes am 4. Juli 1954 in Bern! Anlässlich des 65-jährigen Jubiläums findet auf dem Hauptfriedhof in Kaiserslautern eine Führung mit dem Besuch der Gräber und Gedenkstellen mit FCK-Bezug statt. Treffpunkt für die Führung ist am heutigen Donnerstag, 04. Juli 2019, um 10.00 Uhr am Friedhofseingang in der Mannheimer Straße gegenüber den Blumenhäusern. Die Friedhofsbegehung führt dabei nicht nur zu den Gräbern von Fritz und Ottmar Walter sowie Werner Liebrich. Auch der Gedenkstein zur Erinnerung an Werner Kohlmeyer wird beim Rundgang selbstverständlich besucht. Insgesamt sind bei der Führung aber nicht nur die Weltmeister von 1954 berücksichtigt, insgesamt werden ca. 15 Gräber mit Bezug zum FCK in den Friedhofsrundgang mit einbezogen.

-mg-


Ein abgeklärter Hüne feiert Geburtstag

Miroslav Kadlec wird heute 55 Jahre alt

22.06.2019

 

Es ist nun 21 Jahre her, dass Miroslav Kadlec Abschied nahm vom 1. FC Kaiserslautern. Eine Schnapszahl ziert am heutigen 22. Juni die Vita des langjährigen Defensivspielers der Roten Teufel. Miro Kadlec feiert heute seinen 55. Geburtstag! Dabei wirkt der tschechische Hüne heute genauso abgeklärt wie einst und hat nichts von seiner Lockerheit und seinem spitzbübischen Gemüt eingebüßt. Eine echte Frohnatur. Während der Weltmeisterschaft 1990 wurde der Deal eingefädelt und perfekt gemacht. Zur Saison 1990/1991 wechselte der Defensivmann vom tschechischen Erstligisten TJ Viktovice zum frischgebackenen DFB-Pokalsieger an den Betzenberg. Im Alter von bereits 26 Jahren. Mit seinem damals schon etwas schütteren Haar Jahr sah er in den Augen vieler Fans älter aus. Alt aussehen ließ er allerdings auf dem Rasen vielfach seine Gegenspieler. Gelegentlich auch die Keeper der gegnerischen Mannschaften, wenn er einen seiner virtuos getretenen Freistöße in die Maschen jagte. So wie in seinem ersten Heimspiel für den 1. FCK, als er gegen Eintracht Frankfurt nach einer halben Stunde einen Freistoß über die Eintracht-Mauer hinweg zirkelte und das Leder im Kasten von Ulli Stein versenkte.

 

Acht Jahre lang trug Miroslav Kadlec das Trikot der Roten Teufel, feierte mit dem Club vom Betzenberg zwei Meisterschaften, einen DFB-Pokalsieg, den Gewinn des Supercups, wurde Deutscher Hallenpokalsieger, Meister der zweiten Liga und einmal Bundesliga-Vizemeister. Miroslav Kadlecs Ära bei den Roten Teufeln beschreibt die glorreichen und erfolgreichen 1990er Jahre am Betzenberg. Erfolge, zu denen Miro Kadlec ganz wesentlich beigetragen hatte. Dabei bestach er vor allem durch seine souveräne und unaufgeregte Spielweise, mit der er selten mal die Keule auspacken musste. Er konnte ein Spiel lesen, hatte einen instinktiven Blick für Spielsituationen, war in der Lage Spielzüge des Gegners zu antizipieren. Bezeichnend dafür, in den acht Jahren beim 1. FCK kassierte er insgesamt nur 16 Gelbe Karten! Aber nicht nur durch seine solide Arbeit nach hinten war er für die Mannschaft wichtig. Auch seine Spieleröffnung, seine Übersicht, seine präzisen Zuspiel auch bei langen und hohen Bällen, ließen ihn zum besten Spielmacher des FCK der letzten Jahrzehnte avancieren. Mit seinen sportlichen und menschlichen Qualitäten ist er bei allen FCK-Fans bis heute eine unvergessene Größe.

 

Doch nicht nur beim FCK erarbeitete sich Miroslav Kadlec einen Namen. Schon Mitte der 1980er Jahre debütierte der im Südosten von Tschechien geborene Kadlec für die U21 der CSSR, lief im April 1987 erstmals für die Nationalmannschaft der Tschechoslowakei auf. Als Kapitän führte er die Tschechische Fußballnationalmannschaft bei der Europameisterschaft 1996 in England ins Finale (1:2 gegen Deutschland). Insgesamt bestritt Miro Kadlec 64 Länderspiele, davon 38 für die Tschechoslowakei, 26 für Tschechien und erzielte dabei 2 Tore. Für die Roten Teufel bestritt Miro Kadlec 234 Spiele und erzielte 17 Tore (davon 24 Spiele und ein Tor in der 2. Bundesliga). Während seiner Lauterer Zeit schnürte auch der 1984 geborene Sohn Michal in Alsenborn erstmals die Fußballschuhe. Dieser schaffte später über den 1. FC Slovako den Sprung zu Slavia Prag und lief von 2009 bis 2013 auch für die Werkself von Bayer 04 Leverkusen in der Bundesliga auf. Nach seinem Weggang vom Betzenberg spielte Miro Kadlec noch vier Jahre in der ersten tschechischen Liga beim FK Drnovice und beim 1. FC Brünn, bevor er 2002 seine Laufbahn beendete.

 

Seine erfolgreichste Zeit als aktiver Spieler waren zweifellos die acht Jahre beim 1. FC Kaiserslautern. Meister im ersten FCK-Jahr, Meister im letzten FCK-Jahr. Ein perfekter Karriere-Rahmen, wie er noch heute schmunzelnd einräumt. Das schüttere Haar von einst ist längst einer pflegeleichten Glatt-Frisur gewichen. Heute arbeitet Miroslav Kadlec als Scout und Spielerberater bei der Agentur SPORT INVEST in Prag, die im vergangenen Jahr ihr 20-jähriges Firmenjubiläum feierte, zu dem auch Vertreter des FCK-Museums eingeladen waren. Ein Jubiläum durfte 2018 auch der FCK begehen. Die Sensations-Meisterschaft von 1998, als die Roten Teufel als Aufsteiger direkt Deutscher Meister wurden, jährte sich im vergangenen ebenfalls zum zwanzigsten Mal. Bis heute eine einmalige Fußball-Geschichte, an die sich auch Miro Kadlec besonders gerne zurückerinnert. Wobei er die drei großen FCK-Titel der 1990er Jahre bis heute alle gleich bewertet. Jeder dieser Erfolge habe seine eigene Geschichte und sei für sich etwas Besonderes und seine eigene Rolle dabei natürlich auch, attestierte Miro Kadlec bei der Jubiläums-Feierlichkeiten im Schatten der Prager Burg im vergangenen Jahr im Mai.

 

Knapp drei Monate später gab es dann am Betzenberg das große Wiedersehen mit den ehemaligen Mitspielern und Weggefährten anlässlich der Jubiläumsveranstaltung "Heimkehr der Helden". Natürlich war auch Miro Kadlec dabei und genoss sichtlich die Begegnung mit den ehemaligen Kollegen und mit den Fans. Auch weil er aufgrund der Entfernung leider nur selten Gelegenheit finde, sich Spiele am Betzenberg live im Stadion anzuschauen. Aber wenn es die Zeit zulasse, verfolge er da sportliche Geschehen am Betzenberg selbstverständlich im TV. Natürlich bewegt auch ihn die aktuelle sportliche Lage beim einstigen Deutschen Meister. Aber er sei auch sicher, dass der FCK die Herausforderung schaffe und sich wieder nach oben arbeiten werde. Heute aber sollte die Herausforderung des eigenen Jubiläumstages im Vordergrund stehen. Wir sind sicher, dass Miroslav Kadlec aber auch diese Herausforderung spielerisch meistern wird. Insofern an dieser Stelle noch einmal herzlichen Glückwunsch zum 55. Geburtstag, lieber Miro und viel Spaß beim Feiern.

 

-mg-


Vor dem Anpfiff zum Abschiedsspiel - Roger Marche (l.) und Fritz Walter (Foto: Max Bachem)
Vor dem Anpfiff zum Abschiedsspiel - Roger Marche (l.) und Fritz Walter (Foto: Max Bachem)

Das letzte Spiel für seinen 1. FC Kaiserslautern

Heute vor 60 Jahren – Abschiedsspiel von Fritz Walter

21.06.2019

 

Der 21. Juni 1959 war ein Sonntag, Ein herrlich sonniger Sommertag, an dem ein bis heute denkwürdiges Fußballspiel auf dem Betzenberg angepfiffen wurde und zu dem rund 20.000 Zuschauer auf den Betzenberg hinauf pilgerten. Es war das Abschiedsspiel von Fritz Walter, das heute vor genau 60 Jahren stattfand und das den fußballerischen Schlussstrich unter der Karriere des größten und großartigsten Fußballers der je für den 1. FC Kaiserslautern gespielt hat, bedeutete. Racing Club (RC) Paris hieß der Gegner in jener denkwürdigen Partie, mit der Fritz Walter sich als Vertragsfußballer aus dem aktiven Geschehen auf dem grünen Rasen verabschiedete und letztmals das Trikot der Roten Teufel überstreifte.

 

Zu diesem Zeitpunkt hatte der in Kaiserslautern geborene bodenständige Ausnahmefußballer bereits mehr als 30 Jahre lang für den 1. FC Kaiserslautern gespielt. 1928 hatte er als junger Steppke bei der FCK-Jugend seine Leidenschaft für den Fußball von der Straße auf das Spielfeld verlagert. 1938 hatte er seinen ersten Einsatz in der ersten Mannschaft der Roten Teufel. Nur durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen spielte er bis 1959 nur für einen einzigen Verein, für seinen 1. FC Kaiserslautern. Über diese Zeit hinweg hatte er für seinen Herzensverein insgesamt 384 Spiele absolviert und 327 Tore erzielt. Zahlen und Werte die heute undenkbar wären und sind. "Meine aktive Tätigkeit im 1. FC Kaiserslautern muss ich jetzt beenden, weil man mit 38 Jahren einfach nicht mehr Sonntag für Sonntag Höchstleistungen vollbringen kann, die das Publikum in Erinnerungen an frühere Zeiten vielleicht von mir erwarten könnte. Außerdem ist es Zeit im Verein auch der Jugend Platz zu machen", gab Fritz Walter in einer kleinen Ansprache über seine Beweggründe im Alter von 38 Jahren die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen zu Protokoll.

 

Blumen und Glückwünsche gab es bereits vor Spielbeginn durch FCK-Präsident Hans Adolff sowie durch Offizielle von Verband und Politik. Mit 4:2 bezwangen die Roten Teufel den Gast aus der französischen Landeshauptstadt. Immerhin mehrfacher französischer Meister und Pokalsieger. Auch wenn es nur ein Freundschaftsspiel war, der Ehrgeiz war insbesondere bei den FCK-Akteuren von Anbeginn da, sich nicht die Blöße geben zu wollen, dass der langjährige Weggefährte am Ende womöglich mit einer Niederlage in den wohlverdienten Fußball-Ruhestand verabschiedet würde. Auch Bruder Ottmar Walter war nach mehrmonatiger Verletzungspause auf den Punkt wieder fit und ließ es sich natürlich nicht nehmen, beim Abschiedsspiel für seinen Bruder mit dabei zu sein. Ein letztes Mal eine FCK-Startformation, die das Prädikat Walter-Elf trug! In einem Spiel vor herrlicher Kulisse, das letztlich mehr bot, als es ein Freundschaftsspiel vielleicht versprochen hätte. Beide Mannschaften zeigten einen tollen Fußball mit brillanten Spielzügen, sehenswerten Kombinationen und spannenden Torraumszenen.

 

Die beiden Walter-Brüder sorgten nach einer knappen Viertelstunde dann auch für den ersten FCK-Treffer. Fritz bereitete vor, Bruder Ottmar verwandelte. Doch die Gäste kamen noch vor der Pause nach einer Flanke von links durch Jean Topka zum Ausgleich. Nach dem Wechsel kamen auf Lauterer Seite Dieter Schönborn, Rudolf Kraft und Nachwuchsspieler Jürgen Neumann für Ottmar Walter, Erwin Scheffler und Werner Mangold. Knapp 10 Minuten nach Wiederanpfiff ging die Lauterer Auswahl dann wieder in Führung. Nach einem schnellen Konter konnte Rudi Kraft flanken und Willi Wenzel vollendete per Kopf. Nach etwas mehr als einer Stunde dann der dritte Lauterer Treffer, als Friedel Späth nach einem sehenswerten Solo zum 3:1 vollendete. Doch auch die Gäste steckten nicht auf und kamen knapp 20 Minuten vor dem Ende der Partie durch Francis Magny noch einmal zum Anschlusstreffer. Die Roten Teufel stellten den alten Torvorsprung dann aber rund zehn Minuten vor dem Abpfiff wieder her, als Dieter Schönborn nach Vorarbeit von Fritz Walter mit einem satten Schuss zum 4:2 traf. Kurz vor dem Ende wäre Fritz Walter nach einem feinen Dribbling um ein Haar sogar noch ein fünfter Lauterer Treffer gelungen, aber sein Gewaltschuss strich nur um Zentimeter am Tor der Franzosen vorbei.

 

Alles auch unter den Augen von Nationaltrainer Sepp Herberger, der langjähriger Förderer des begnadeten Fußballers war. Herberger würdigte in der Halbzeitpause des Abschiedsspiels den langjährigen Nationalspieler und bezeichnete ihn dabei als "den größten Fußballer, den der deutsche Fußball je hervorgebracht hat". Wobei Herberger in seiner mit viel Applaus bedachten Ansprache nicht nur die fußballerischen Verdienste seines Vorzeigenationalspielers würdigte, sondern auch den Menschen Fritz Walter in den Mittelpunkt stellte und mit den Worten schloss, "für uns bleibt er für alle Zeiten unser Fritz!"

 

1940 wurde Fritz Walter von Bundestrainer Sepp Herberger erstmals in die Nationalmannschaft berufen. In seinem ersten Spiel gelangen ihm beim 9:3 Sieg gegen Rumänien gleich drei Treffer. Durch den Krieg konnte er die Karriere in der Nationalelf erst 1951 fortsetzen. Ein 13:2 Sieg gegen die Schweiz in Zürich. Insgesamt kam Fritz Walter auf 61 Länderspiele, in denen er 33 Tore erzielte. Seinen größten Triumph als Nationalspieler feierte er zusammen mit seinen vier Lauterer Mitspielern Ottmar Walter, Werner Kohlmeyer, Werner Liebrich und Horst Eckel bei der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz. Unvergessen der Triumph beim 3:2 im Endspiel gegen die vermeintlich übermächtigen Ungarn, der zum Mythos wurde. Auch 1958 nahm er noch einmal an der Weltmeisterschaft in Schweden teil. Es sollte sein letzter internationaler Auftritt im Adler-Trikot sein.

 

An jenem 21. Juni 1959, auf den Tag sechs Jahre nachdem der 1. FCK im Berliner Olympiastadion vor über 80.000 Zuschauern gegen den VfB Stuttgart mit einem 4:1 Sieg seinen zweiten Titel zur Deutschen Meisterschaft einfuhr, endete eine Fußballerkarriere, die sich im Vergleich zu einer Fußball-Vita heutiger Prägung wie ein Märchen liest. Trotz diverser Angebote aus dem Ausland, unter anderem vom AS Nancy (Frankreich) und Atletico Madrid, hielt Fritz Walter seinem Verein stets die Treue. Obwohl die Offerten für damalige Verhältnisse exorbitant hoch waren. Die Spanier boten ihm beispielsweise einen Zwei-Jahres-Vertrag, der mit einer halben Million D-Mark dotiert war! Für die Zeit ein schon fast unfassbares Vermögen. Auch nach seiner aktiven Karriere verlor Fritz Walter seinen Heimatverein nie aus dem Blick. Er war so oft wie möglich als Zuschauer zu Gast auf dem Betzenberg, wo einst seine Karriere begann. Aber er engagierte sich nach seiner aktiven Zeit auch an anderer Stelle. Beispielsweise als Berater für den SV Alsenborn oder als Repräsentant der Sepp-Herberger-Stiftung für die Resozialisierung Strafgefangener. Seit dem 31. Oktober 1985 trägt das Stadion Betzenberg seinen Namen.

 

-mg-


Ewig in Erinnerung - Todestage von Ottmar und Fritz Walter

17.06.2019

 

Gestern vor sechs Jahren verstarb Ottmar Walter im Alter von 89 Jahren. Heute vor siebzehn Jahren mussten wir bereits Abschied von Fritz Walter nehmen. Er wurde 81 Jahre alt. Im FCK-Museum hinter der Osttribüne werden wir ihnen ein ehrendes Andenken bewahren, in unseren Herzen und Gedanken werden beide für immer weiterleben. Ebenso wie der dritte Walter-Bruder Ludwig, der am 02.11.1922 geboren wurde. Ihm war der fußballerische Durchbruch nach dem zweiten Weltkrieg aufgrund einer Kriegsverletzung nicht vergönnt. Er verstarb bereits am 26. Juli 1993 im Alter von nur 71 Jahren.

 

Auf der Straße spielende und tobende Kinder waren in der Zeit vor der Massenmotorisierung auch in Kaiserslautern nichts Ungewöhnliches. So konnte man Ende der 1920er Jahre in der heutigen Heinrich-Heine-Straße (früher Uhlandstraße), oft ein Grüppchen von Jungen und Mädchen beobachten, die mit zügelloser Begeisterung und schier endloser Ausdauer einander ein Gummibällchen, eine Konservendose oder ein zusammengewickeltes Stoffbündel abzujagen und in die Öffnung eines Gullys zu kicken versuchten. "Kanälches" nannte man diese Art des Straßenfußballs, bei der die in die Bürgersteigkante eingelassene rechteckige Abflussöffnung das Tor bildete. Bei drei unermüdlichen Spielern dieser "Kanälches-Mannschaft" handelte es sich um die Walter-Brüder, Fritz, Ludwig und Ottmar. Den fußballbegeisterten Jungen reichte indes das Kanälcheskicken bald nicht mehr. Nach und nach traten sie im Alter von jeweils acht Jahren in die Schülermannschaft des 1. FC Kaiserslautern ein und erwiesen sich alle drei als ausgezeichnete Fußballer. Das Fußballspielen war für die Walter-Brüder Sport, Leidenschaft und Freizeitvergnügen zugleich. Die Walter-Brüder konnten allerdings nicht ahnen, welche schicksalhafte und unfassbare Rolle der Fußball in ihrem weiteren Leben spielen würde. Doch wie vielen anderen Sportlern und Fußballern auch, raubte zunächst der Zweite Weltkrieg den Walter-Brüdern ihre besten Jahre als Sportler.

 

Fritz wurde zum 5. Dezember 1940 in die Wehrmacht einberufen. Als Infanterist diente er zunächst in Frankreich, wo er von April bis Juni 1943 in Lothringen zeitweise für die TSG Diedenhofen und kurzzeitig für die TSG Saargemünd spielte. Außerdem war Fritz Teil der Soldatenelf "Rote Jäger", die zu einer der besten deutschen Militärmannschaften im Zweiten Weltkrieg avancierten. Fritz wurde am 8. Mai 1945 in Böhmen von US-Truppen aufgegriffen und kam in einem Lager nahe der Grenze zur Ukraine in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Dort traf er auch seinen jüngeren Bruder Ludwig wieder. Fritz erkrankte im Lager an Malaria, überstand die Krankheit jedoch glücklicherweise. Ungarische und slowakische Wachsoldaten, mit denen er regelmäßig dem Ball nachjagte, erkannten den deutschen Nationalspieler und stellten ihn dem sowjetischen Lagerkommandanten Schukow vor. Dieser bewahrte die Walter-Brüder wohl vor dem sibirischen Gulag. Fritz und Ludwig kehrten bereits im Oktober 1945 über Wien nach Kaiserslautern zurück. Während Ludwig Walter aufgrund seiner Kriegsverletzung den Fußballsport auf hohem Niveau nicht mehr ausüben konnte und fortan wieder bei der Stadtkasse arbeitete, begann Fritz sehr bald mit dem Wiederaufbau der FCK-Mannschaft.

 

Ottmar Walter wurde zur Marine eingezogen. In Cuxhaven und bei Holstein Kiel konnte er während des Krieges auf Torejagd gehen. Bei einem Einsatz auf einem Minensuchboot im Ärmelkanal, während der Invasion im Juni 1944, wurde das Schiff beschossen und versenkt. Von den 130 Besatzungsmitgliedern an Bord des Schiffes, überlebten nur zwölf. Darunter war auch Ottmar Walter. Der durch Splittereinwirkung am Knie verletzte Ottmar wurde nach England in Kriegsgefangenschaft gebracht. Einem geschickten Chirurgen gelang es, die Splitter aus Ottmars Knie zu entfernen und somit das Bein zu retten. Er kam erst gut ein Jahr später als seine Brüder Fritz und Ludwig zurück in die Heimat.

 

Um die nach und nach aus der Gefangenschaft zurückkehrenden Spieler bildete sich mit jungen Talenten die künftig so berühmte "Walter-Mannschaft". Für Fritz und Ottmar brachen die glanzvollsten Jahre ihres Fußballerlebens an. Sie standen 1948 mit ihrem 1. FC Kaiserslautern erstmals in einem Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft. 1951 und 1953 konnte der Titel nach Kaiserslautern geholt werden, 1948, 1954 und 1955 wurden die Roten Teufel mit den Walter-Brüdern immerhin Vizemeister. Den größten Triumph ihrer Karriere feierten beide im Jahre 1954 mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft in der Schweiz. Jener 4. Juli 1954 gilt bis heute als die emotionale Geburtsstunde der Bundesrepublik. Ottmar Walter verstarb am 16. Juni 2013, Fritz Walter am 17. Juni 2002. Wir werden Euch und Euren Bruder Ludwig nie vergessen!

 

-mg-


Ein Ausnahmetrainer wird 85 – herzliche Glückwünsche zum Geburtstag, Kalli Feldkamp

02.06.2019

 

Am heutigen 2. Juni feiert ein früherer FCK-Trainer mit unbestrittenem Kultstatus einen runden Geburtstag. Karl-Heinz Feldkamp, in Kaiserslautern seit jeher schlicht "Kalli" genannt, wird 85!

 

Kaum ein Name ist so eng mit der glorreichen Zeit des FCK Anfang der 1990er Jahre verknüpft, wie jener Kalli Feldkamps. Dabei hatte der gebürtige Oberhausener bereits schon früher den FCK als Trainer in erfolgreiche Sphären geführt. 15 Jahre lang war der bodenständige und vereinstreue Feldkamp selbst Fußballer. Er blieb über die gesamte Zeit seinem Heimatclub Rot-Weiß Oberhausen treu und erzielte in 316 Spielen 42 Treffer für die Rot-Weißen. Fünf Jahre nach seinem Rücktritt als Spieler übernahm er 1972 mit der SG Wattenscheid 09 erstmals als Trainer einen Verein. Es folgten die Stationen DJK Gütersloh und Arminia Bielefeld, ehe Feldkamp von 1978 bis 1982 erstmals den Trainerstuhl des 1. FC Kaiserslautern besetzte. In diesen vier Jahren erlebte der FCK sehr erfolgreiche Bundesligazeiten. Dabei erreichten die Roten Teufel in den ersten beiden Spielzeiten unter Kalli jeweils den dritten Tabellenplatz, in der Saison 1980/81 und der Saison 1981/82 rangierte der FCK am Ende jeweils auf Tabellenplatz vier. In seiner ersten Saison 1978/79 unter Karl-Heinz Feldkamp wurde der FCK mit einem Punkt Vorsprung auf den Hamburger SV sogar Herbstmeister. Auch im DFB-Pokal gelang dem FCK während der ersten "Feldkamp-Ära" einmal der Sprung ins Finale. Doch in diesem Endspiel am Ende der Spielzeit 1980/81 sollte den Roten Teufeln der Titelgewinn nach der Niederlage im Stuttgarter Neckarstadion gegen Eintracht Frankfurt vorerst noch verwehrt bleiben. Auch die internationale Bilanz in dieser Ära kann sich sehen lassen. Mit seinen Schützlingen drang Feldkamp 1982 bis ins Halbfinale des UEFA-Pokals vor. Dank überragender Auftritte. Bis heute unvergessen das Kräftemessen im Viertelfinale. Gegen einen übermächtig scheinenden Club und eine Mannschaft mit Weltklasseformat. Real Madrid hieß der Gegner des FCK. Gingen die Roten Teufel beim Hinspiel noch mit 1:3 als Verlierer vom Platz, fegten die Schützlinge von Kalli Feldkamp die Königlichen aus Spaniens Hauptstadt in einem denkwürdigen Rückspiel mit 5:0 vom Betzenberg. Im Halbfinale scheiterten die Lauterer dann jedoch denkbar knapp und bis heute umstritten am IFK Göteborg.

 

1982 führte Feldkamps Weg zunächst weg vom Betzenberg zur Dortmunder Borussia, später wieder zurück auf die Bielefelder Alm. Es folgten weitere Zwischenstationen beim Werksclub Bayer 05 Uerdingen und der Frankfurter Eintracht. Mit beiden Vereinen errang Feldkamp den DFB-Pokal. 1985 mit Bayer Uerdingen, als man die Münchner Bayern im Berliner Olympia-Stadion bezwang, das damals erstmals als dauerhaft festgelegter Endspielort fungierte. 1988 reckte Kalli Feldkamp dann zum zweiten Mal den DFB-Pokal in den Berliner Himmel, als er mit Eintracht Frankfurt im Finale den VfL Bochum bezwang. Nach dem Pokaltriumph 1988 folgte erstmals der Schritt ins Ausland, wo Kalli beim ägyptischen Hauptstadtclub Al-Ahly Kairo anheuerte, mit denen er Meister und Pokalsieger wurde. Zwei Jahre später kehrte er wieder zum FCK zurück und schrieb mit den Roten Teufeln binnen weniger Jahre Fußballgeschichte. Es war eine fast aussichtslose Situation nach dem 22. Spieltag. Der FCK war beim Erzrivalen Waldhof Mannheim gerade mit 0:4 untergegangen, rangierte auf dem vorletzten Tabellenplatz. Präsident Norbert Thines hatte daraufhin Trainer Gerd Roggensack gefeuert und sich bemüht Kalli Feldkamp zurückzuholen. Mit Erfolg. In doppelter Hinsicht. Einen Spieltag vor Schluss sicherte sich das Gründungsmitglied der Bundesliga unter Trainer Kalli Feldkamp den Klassenerhalt. Gezittert wurde bis zum Ende der Spielzeit und groß war der Jubel dann Anfang Mai 1990, als der FCK mit zwei Zählern vor dem Relegationsplatz noch den 12. Tabellenplatz erreichte. Am 33. Spieltag hatte Bruno Labbadia die Roten Teufel nach gerade einmal vier Minuten gegen Borussia Dortmund im Westfalen-Stadion in Front geschossen. Nach einem von Michael Zorc verwandelten Foulelfmeter sollte es bis zum Schluss beim 1:1-Unentschieden bleiben. Kaiserslautern entführte einen Punkt aus Dortmund. Weil zeitgleich der VfL Bochum beim FC Homburg mit 0:1 unterlag, war der FCK gerettet.

 

Mit dem in Oberhausen geborenen Coach sollte die Mannschaft des FCK in den Folgejahren eines der erfolgreichsten Kapitel der Vereinsgeschichte schreiben, denn nur kurz nach dem Klassenverbleib holten die Roten Teufel erstmals in ihrer Vereinshistorie den DFB-Pokal. Im fünften Anlauf, nach einem 3:2-Sieg über Werder Bremen. Diesen Überraschungscoup konnte das Feldkamp-Team zum Saisonfinale der folgenden Spielzeit sogar noch toppen. 1991 führte Feldkamp den Fast-Absteiger sensationell zum Titel des Deutschen Meisters. Die Szenen, die sich rund um das denkwürdige Spiel gegen die Geißböcke im altehrwürdigen Müngersdorfer Stadion abspielten sind fest in das kollektive Gedächtnis der FCK-Fans eingebrannt. Nach 1951 und 1953 gewann der FCK im Jahr 1991 seinen dritten Meistertitel – eine Sensation! Unvergessen auch das legendäre Spiel gegen den FC Barcelona im Europapokal. Nach einer 0:2-Niederlage im Hinspiel führte der FCK am heimischen Betzenberg vor einer teuflischen Kulisse bereits mit 3:0. Das Hinspiel-Ergebnis war nicht nur egalisiert, man stand mit einem Bein in der nächsten Runde. Der FCK spielte einen grandiosen Fußball, kassierte aber in der Nachspielzeit das entscheidende und bittere Gegentor, das den Katalanen das Weiterkommen sicherte. Der große Traum war geplatzt! Selten habe ihn eine Niederlage so getroffen wie diese, erinnert sich Feldkamp heute noch. "Ich hatte Mühe, Johan Cruyff die Hand zu geben, als er auf mich zu kam, das muss ich heute noch gestehen", beschriebt der rüstige Jubilar noch heute das dramatische Aus gegen den späteren Europacupsieger.

 

Nach seiner erfolgreichen Zeit in der Pfalz feierte Feldkamp auch in der Türkei große Titel. Dort arbeitete er, mit längeren Unterbrechungen, für die türkischen Hauptstadt-Clubs Galatasaray Istanbul und Beşiktaş Istanbul als Trainer und Sportdirektor. Mit Galatasaray wurde er 1993 Türkischer Meister und Pokalsieger. Nach dem ersten Abstieg der Roten Teufel aus dem Fußballoberhaus 1996 kehrte Feldkamp kurzzeitig zurück und war in der Saison, in der die Roten Teufel den direkten Wiederaufstieg schafften, im Aufsichtsrat des Vereines tätig. Zur Saison 2007/08 kehrte Feldkamp auf das Trainerparkett zurück und wurde zum zweiten Mal Chefcoach von Galatasaray. Als Nachfolger des Belgiers Erik Gerets. Doch kurz vor Saisonende trat er dort vom Amt zurück. Im Spätherbst 2008 kehrte Feldkamp dann noch einmal zu Galatasaray Istanbul zurück. Dieses Mal als Technischer Direktor beim amtierenden Meister. Dort arbeitete er bis zum Saisonende im Mai 2009, ehe er sich endgültig vom aktiven Geschehen der großen Fußballbühnen zurückzog. Kalli Feldkamp lebt heute zusammen mit Ehefrau Helma überwiegend in Braunschweig, nahe bei Tochter und Enkel. In seinem zweiten Domizil in Südspanien tankt der ehemalige Malocher und hingebungsvolle Motivator, der bis heute immer noch ein gefragter Gesprächspartner und Ratgeber ist, gelegentlich Kraft und Energie.  Die gesamte FCK-Familie gratuliert heute von ganzem Herzen zum 85. Geburtstag.

 

mg

 


Fot: Bildarchiv Eric Lindon (RHEINPFALZ, 27.08.1948)
Fot: Bildarchiv Eric Lindon (RHEINPFALZ, 27.08.1948)

Die Roten Teufel gegen die Münchner Bayern
Ein historischer Exkurs in längst vergangene Zeiten

 

Heute Abend gastiert der FC Bayern München auf dem Betzenberg. Der frisch gebackene Deutsche Pokalsieger und Deutsche Meister der Spielzeit 2018/2019 kommt zu einem Freundschaftsspiel auf den Betzenberg. Das Stadion wird ausverkauft sein. Beim Blick auf das heutige Spiel wird so mancher FCK-Fan mit etwas Wehmut Erinnerungen an Zeiten ausgraben, als die Paarung in der Bundesliga regelmäßig die Massen elektrisierte. Vor allem in der Pfalz. Viele der verklärten Gedanken werden dabei an legendären Spielen haften bleiben, die untrennbar mit der Geschichte des FCK verbunden sind. Glanzvolle Siege aber auch bittere Niederlagen gegen den Erzrivalen aus der bayrischen Landeshauptstadt.

 

Unvergessen natürlich der 7:4 FCK-Sieg am 20. Oktober 1973, als der FCK schon fast aussichtslos mit 0:3 und 1:4 hinten lag, ehe die Roten Teufel wie entfesselt aufspielten und gegen das Star-Ensemble aus München noch 6 Tore nachlegten. Bis heute ein Stachel in der Bayern-Seele, an den die Münchner nicht gerne zurückdenken. Unweigerlich denkt man aber auch an die Schlachten gegen die Münchner Bayern im Meisterjahr 1991, als jeder der beiden Kontrahenten sein Heimspiel mit jeweils 2:1 für sich entscheiden konnte. Oder die beiden Begegnungen gegen die Münchner Bayern bei der Sensationsmeisterschaft 1998, als der FCK die Saison mit einem 1:0 Auswärtssieg eröffnete. Wohlgemerkt ein Auswärtssieg bei den Münchner Bayern. Das Rückspiel am Betzenberg gewann der FCK dann 2:0! Vielen jüngeren FCK-Fans wird aber auch die FCK-Niederlage im Pokalfinale 2003 noch lebhaft in Erinnerung sein, als der FCK mit 1:3 unterlag. Oder das denkwürdige Erstligaspiel in der Saison 2010/2011 als der FCK nach dem Aufstieg in die Bundesliga in seinem ersten Saisonheimspiel die übermächtigen Bayern mit 2:0 vom ausverkauften Betzenberg schoss.

 

Doch auch vor Gründung der Bundesliga gab es immer mal schon ein sportliches Kräftemessen zwischen dem FCK und den Münchner Bayern. Wieso auch nicht? Immerhin feiern beide Vereine im kommenden Jahr ihr jeweils 120-jähriges Bestehen. Wer erinnert sich  eigentlich noch an einen 6:3 Heimsieg oder einen 5:1 Auswärtssieg der Roten Teufel gegen den FC Bayern Münchner? Unser Sporthistoriker Eric Lindon hat für Euch in die Archive geschaut und einige interessante Fundstücke ausgegraben. Der älteste Nachweis einer Begegnung zwischen dem FCK und dem FC Bayern beschreibt ein Freundschaftsspiel und datiert vom 12.04.1909. An jenem Ostermontag duellierte sich der FV Kaiserslautern, der aus dem FC 1900, dem FC Palatia und dem FC Bavaria hervorgegangene Vorgängerverein des FCK mit den Münchner Bayern. Ausgetragen wurde das Spiel auf dem "Sportplatz Eselsfürth". Einem Kurzbericht im Kaiserslauterer Stadtanzeiger zufolge endete das Spiel nach einer turbulenten zweiten Halbzeit mit einem 2:2 Unentschieden.

 

Auch in der Süddeutschen Endrunde der Spielzeit 1932/1933 begegneten sich der FCK und der FC Bayern München. Die Bayern hatten in der vorangegangenen Spielzeit erstmals in ihrer Geschichte die Viktoria für ihre Vereinsvitrinen sichern können und trafen als amtierende Deutscher Meister in der Endrunde auf den FCK. Mit 0:2 mussten sich die Pfälzer bei ihrem Gastspiel am 26.12.1932 in München geschlagen geben. Vor 10.000 Zuschauern im damaligen 1860-er Stadion ging der Favorit auf vereistem Boden bereits in der 8. Minute in Führung und konnte in der 25. Minute auf 2:0 erhöhen. Trotz hochkarätiger Chancen der Hausherren blieb es am Ende aber beim 2:0 für den amtierenden Deutschen Meister. Beim Rückspiel am 26.02.1933 sahen mehr als 7.000 Zuschauer auf dem Lauterer Betzenberg einen übermächtigen Gast, der auch in dieser Partie bereits zur Halbzeit mit 2:0 vorne lag, ehe die Münchner im zweiten Durchgang auf 3:0 erhöhten. Der FCK schaffte mit dem 1:3 zwar noch den Anschlusstreffer, musste sich aber am Ende mit 1:4 geschlagen geben.

 

Am 23. August 1947 gastierten die Bayern zu einem Freundschaftsspiel erneut in Kaiserslautern. Mehr als 15.000 Zuschauer zog es hinauf auf den Betzenberg um die Partie des amtierenden "Zonenmeister" 1. FC Kaiserslautern gegen den FC Bayern München zu verfolgen. Die Gäste hatten anfangs zwar mehr vom Spiel, doch die Führung schossen die Hausherren heraus. Zunächst markierte Günther Grewenig nach Zuspiel von Fritz Walter die 1:0 Führung. Noch vor dem Seitenwechsel konnten die Roten Teufel auf 2:0 erhöhen. Kurz nach dem Wechsel gelang Werner Baßler nach Zuspiel von Fritz und Otmar Walter bereits das 3:0, ehe Fritz Walter sogar den vierten Lauterer Treffer markieren konnte. Doch die Bayern gaben nicht auf, kamen mit zwei Treffern noch einmal auf 4:2 heran. Es war dann wieder Werner Baßler, der auf 5:2 erhöhte. Nach einem weiteren Münchner Treffer zum 5:3 gelang eine Minute vor Schluss noch einmal Werner Baßler der letzte Treffer der Partie zum Endstand von 6:3! Denkwürdig verlief dann auch das Rückspiel in München. Bei Freundschaftspielen in jener Zeit durchaus üblich, dass die Vereine jeweils ein Hin- und ein Rückspiel vereinbarten. Am 15. Mai 1948 demontierte der FCK dabei in München den FC Bayern vor 35.000 Zuschauern im eigenen Stadion. Fritz Walter mit 3 Toren und Bruder Ottmar Walter mit 2 Treffern schossen die Bayern dabei fast im Alleingang ab. Der FCK führte zur Pause bereits mit 4:0! Der Lauterer Sieg in München hätte an jenem Pfingstsamstag des Jahres 1948 noch deutlich höher ausfallen können. Der Schiedsrichter hatte drei weitere Lauterer Treffer annulliert! Für heutige Verhältnisse übrigens eine kuriose Situation. Der Unparteiische kam aus München.

 

Ohne Fritz Walter und ohne Horst Eckel traf der FCK im Jahr 1958 in einem Testspiel auf den FC Bayern München. Am 2. August 1958 sicherten sich die Münchner dabei einen knappen 3:2 Sieg gegen den die Roten Teufel. Dabei führte der FCK nach 20 Minuten durch Treffer von Rudolf Kraft und Friedel Späth bereits mit 2:0. Durch ein Eigentor von Werner Liebrich und durch einen verwandelten Strafstoß konnten die Münchner noch vor dem Wechsel ausgleichen. Nachdem 20 Minuten vor Schluss mit Willi Wenzel im Trikot der Roten Teufel als bester Spieler der Partie verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste, gelang den Münchner Bayern in der 80. Minute der 3:2 Siegtreffer. Erst mit Gründung der Bundesliga und mit dem Aufstieg des FC Bayern in die höchste deutsche Spielklasse im Jahr 1965 begann ein regelmäßigeres Kräftemessen. Gleich in ihrer ersten Bundesligasaison 1965/1966 unterlag der FCK in München mit 0:3 und vor heimischem Publikum mit 1:2! Bis heute trafen beide Vereine in 99 Pflichtspielen aufeinander. Dabei stehen 59 Bayern-Siegen nur 24 Siege der Roten Teufel und 16 Unentschieden gegenüber. Hoffen wir, dass für den FCK bald wieder bessere Zeiten kommen und ein Kräftemessen mit den Münchner Bayern in absehbarer Zeit auch wieder in der ersten Liga auf dem Spielplan steht.

 

mg


Einer der großen Keeper des FCK

Zum 90. Geburtstag von Willi Hölz

16.04.20149

 

Wenn von großen Torwächtern des 1. FC Kaiserslautern die Rede ist, werden sofort die Namen Ronnie Hellström und Gerry Ehrmann genannt.  Zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist hingegen der Torwart der Walter-Mannschaft, Willi Hölz, der mit seinem 1. FCK 1953 deutscher Meister wurde und außerdem 1948, 1954 und 1955 im Endspiel um die deutsche Meisterschaft stand.

Am 16. April 1929 wurde Willi Hölz in Frankenthal geboren. In seiner Heimatstadt entdeckte er seine Liebe zum Fußballspielen und beim VfR Frankenthal wurde man bald auf seine Befähigung zum Torhüter aufmerksam. Auch Fritz Walter überzeugte sich vom Können des jungen Tormannes und holte den 18- jährigen Hölz auf den Betzenberg. Beim 1. FCK wurde er bald Stammtorhüter und erlebte im August 1948 seinen ersten Endspieleinsatz gegen den 1. FC Nürnberg. Im Jahre 1950 erfuhr seine Karriere durch eine Meniskusverletzung eine Unterbrechung. Der 1. FCK verpflichtete Karl Adam während seiner Verletzungspause und Willi Hölz wechselte zu Wormatia Worms. Doch nach zwei Jahren kehrte er in sein Tor auf dem Betzenberg zurück.

1953 erlebte er im Berliner Olympiastadion den Höhepunkt seiner Karriere. Mit dem 4:1-Erfolg über den VfB Stuttgart wurde Hölz mit seinem 1. FCK deutscher Meister. Auch 1954 und 1955 stand er mit der Walter-Mannschaft im deutschen Meisterschaftsendspiel, doch beide Male reichte es nur zur Vize - Meisterschaft.

1957 drehte der Südwestfunk einen Film über Trainingsmethoden beim 1. FC Kaiserslautern ("Das vernagelte Tor"). Noch heute kann man sich beim Studium des Filmes von der Sprungkraft und Reaktionsschnelligkeit des Willi Hölz überzeugen, dessen Spezialität überdies seine kraftvolle, gezielte Faustabwehr war.

Bis 1961 hütete Willi Hölz zuverlässig das Tor des 1. FCK in 290 Oberliga- und Endrundenspielen, ehe er dem jungen Wolfgang Schnarr den Vortritt als "Nummer Eins" lassen musste. Hölz folgte erneut dem Ruf seines ehemaligen Kapitäns Fritz Walter und wurde von 1962 bis 1966 Torwart des ambitionierten Dorfvereins SV Alsenborn. Gemeinsam mit seinen früheren FCK-Kameraden Otto Render und Gerhard Ahrens trug Willi Hölz wesentlich zu den drei Aufstiegen des SV Alsenborn bis zur Regionalliga und somit zum ersten Teil des "Wunders von Alsenborn" bei.

In Alsenborn wurde Willi Hölz ansässig. Er führte hier als Modellbauer einen angesehenen Betrieb. Am 28. August 2010 ist er im Alter von 81 Jahren verstorben - betrauert von zahllosen Freunden und Weggefährten in der ganzen Pfalz. Seine Leistungen, seine geradlinige Persönlichkeit und sein Humor verdienen es, dass er als einer der großen Torhüter in der Geschichte des 1. FCK unvergessen bleibt.

-hw-

 


1:7 in Duisburg!

Der bislang höchste Bundesliga-Auswärtssieg des FCK jährt sich heute zum 25. Mal

10.04.2019

 

Es war der höchste Bundesliga-Auswärtssieg, den der 1.FC Kaiserslautern bis heute eingefahren hat. Am Sonntag, den 10. April 1994 gastierten die Roten Teufel am 30. Spieltag der Saison 93/94 im altehrwürdigen Wedau-Stadion in Duisburg und demontierten die Zebras vor offiziell 24.100 Zuschauern mit 1:7! Ein Spieler rückte bei der Partie besonders in den Mittelpunkt. Ein junger tschechischer Stürmer, der erst in der Winterpause auf den Betzenberg gewechselt war und der beim Gastspiel in Duisburg allein drei der sieben Lauterer Treffer markierte. Pavel Kuka! Insgesamt 8 Tore standen am Ende der Saison auf seinem Konto. Viele denkwürdige und wichtige Treffer sollten in den Folgejahren noch hinzukommen.

 

Martin Wagner eröffnete in der 9. Minute den Torreigen im Wedau-Stadion. Typisch für ihn, mit einem direkt verwandelten Freistoß. Der FCK führte 1:0. Kurioserweise passierte bis zum Halbzeitpfiff auf der Anzeigetafel nichts mehr. Mit der knappen Lauterer Führung gingen beide Mannschaften in die Kabine. Nach dem Wechsel legten die Roten Teufel los wie die Feuerwehr. Binnen 10 Minuten schraubten die Schützlinge von Trainer Friedel Rausch das Ergebnis auf 0:4 hoch. In der 50. Minute war es Pavel Kuka, der nach feiner Vorarbeit von Thomas Hengen nachlegte. Sein Treffer zum 2:0 für den FCK war erst sein zweites Saisontor für die Lauterer. Aber er legte nur wenige Minuten später nach und erzielte nach Vorarbeit von Martin Wagner in der 58. Minute das 0:3. Nur zwei Zeigerumdrehungen später zeigte Schiedsrichter Hans Fux nach einem Foul an Martin Wagner auf den Punkt. Andy Brehme legte sich das Leder zurecht und verwandelte zum 0:4!

 

In der 62. Minute kamen die Zebras zum Anschlusstreffer. Peter Közle, den Trainer Ewald Lienen nach dem Wiederanpfiff brachte, verkürzte mit seinem 12. Saisontor auf 1:4. Doch davon ließen sich die Roten Teufel nicht vom Weg abbringen. Nur sieben Minuten später verwandelte erneut Andy Brehme einen an Pavel Kuka verschuldeten Foulelfmeter zum 1:5 (69.). Stefan Böger musste mit einer glatten roten Karte vom Feld. Die Zebras spielten fortan in Unterzahl und die Roten Teufel blieben auch danach torhungrig. In der 86. Minute vollendete Axel Roos nach Vorarbeit Michael Lusch zum 1:6. Sein zweites Saisontor für den FCK. Es war dann auch Axel Roos, der nur eine Minute später Pavel Kuka bediente, der flinke Tscheche bedankte sich und vollendete zum Endstand von 1:7. Bis heute der höchste Auswärtssieg des 1. FC Kaiserslautern in der Beletage des deutschen Fußballs.

 

Dieser Kantersieg des FCK am 30. Spieltag war jedoch nur ein Highlight. Man darf getrost die gesamte Spielzeit zu den herausragenden Auftritten des FCK zählen. Am Ende war es denkbar knapp. Meister wurde der FC Bayern mit nur einem Pünktchen Vorsprung auf den 1. FC Kaiserslautern. Vor allem die letzten Wochen der Saison hatten es in sich. Am 28. Spieltag rangierten die Pfälzer nach einem 1:1 beim VfB Stuttgart mit 31:25 Zählern noch auf dem 4. Tabellenplatz. Damals war die Drei-Punkte-Regel noch nicht eingeführt. Tabellenführer zu dem Zeitpunkt mit 6 Punkten Vorsprung (37:19), der FC Bayern München. Auf Platz zwei Eintracht Frankfurt mit 33:23 Zählern, auf dem dritten Rang, vor dem FCK, Bayer 04 Leverkusen mit 32:24 Punkten. Am 29. Spieltag empfing der FCK in einer Englischen Woche zuhause den VfB Leipzig. Mit einem mühsamen 1:0 Sieg gegen den späteren Absteiger konnte der FCK auf Leverkusen aufschließen (beide 33:25 Punkte, beide eine Tordifferenz von plus 12). Mit dem Heimsieg gegen Leipzig allerdings eröffneten die Roten Teufel eine Serie von sechs Siegen in Folge.

 

Vom Ergebnis her natürlich herausragend die Partie am 30. Spieltag mit dem Auswärtssieg in Duisburg. Das Saisonhighlight auf dem Betzenberg dann die Partie am 31. Spieltag, als Tabellenführer Bayern München in Kaiserslautern gastierte. Mit 4:0 wurden die Münchner nach Hause geschickt. Der FCK kletterte auf den zweiten Tabellenrang (37:25), zwei Punkte hinter den Münchner Bayern (39:23). Die Vorrundenpartie gegen die Bayern am 30. Oktober 1993 entschieden die Münchner übrigens mit genau dem gleichen Ergebnis vor heimischem Publikum für sich. Am 32. Spieltag folgte ein 2:0 Auswärtssieg in Wattenscheid. Zeitgleich gewann der FC Bayern sein Heimspiel gegen den 1.FC Nürnberg. Ein denkwürdiges Spiel, das durch ein Phantomtor der Bayern annulliert wurde und in die Bundesligageschichte einging. Das Wiederholungsspiel gewannen die Bayern souverän mit 5:0. Am vorletzten Spieltag bezwang der FCK Borussia Dortmund vor heimischem Publikum mit 2:0 und nahm auch am letzten Spieltag mit einem souveränen 1:3 gegen den Hamburger SV beide Punkte aus dem Volksparkstadion mit.

 

Am Ende stand der FC Bayern mit 44:24 Punkten und einer Tordifferenz von plus 31 an der Tabellenspitze, der FCK wurde mit 43:25 Punkten und einer Tordifferenz von plus 28 leider nur Vizemeister. Wäre das sogenannte Phantomtor des FC Bayern bereits in der Partie gegen den Club als solches erkannt worden und hätten die Nürnberger damals einen Punkt aus dem Münchner Olympiastadion entführt, dann wäre der FCK bei der Schlussabrechnung am letzten Spieltag wegen der dann besseren Tordifferenz auf dem ersten Tabellenplatz gelandet. Vorausgesetzt, dass alle weiteren Saisonspiele dann auch so gelaufen wären, wie sie letztlich gelaufen sind. Hätte, hätte, Fahrradkette! Natürlich ist es müßig heute darüber zu diskutieren. Dennoch nagt der Ausgang der Saison 1993/1994 bis heute am FCK-Gemüt. Was bleibt ist der schwache Trost, dass die Roten Teufel damals eine herausragende Saison abgeliefert haben und am Ende Vizemeister wurden, was Ihnen vor der Saison sicher kaum jemand zugetraut hätte. Und es bleibt die Gewissheit, dass der FCK im Endspurt der Saison mit dem 1:7 in Duisburg seinen bis heute höchsten Bundesliga-Auswärtssieg eingefahren hatte. Eine Duftmarke, die sich heute zum 25. Mal jährt.

 

mg

 


Herzlichen Glückwunsch zum 70. Geburtstag, Ernst Diehl!

 

Er gehört bis heute zu einer der herausragenden Spielerpersönlichkeiten, die das Trikot der Roten Teufel trugen. Von 1967 bis 1978 spielte er 314 Mal für den 1.FC Kaiserslautern in der Fußball-Bundesliga und erzielte dabei 18 Tore. Heute wird er 70 Jahre alt. Alles Gute zum runden Geburtstag, Ernst Diehl!

 

Der 1949 in Etschberg, Kreis Kusel, geborene Ernst Diehl kam 1965 von der TSV Etschberg als Defensivspieler in die Jugendabteilung des 1. FC Kaiserslautern. Am 4. November 1967 absolvierte er im Heimspiel gegen den MSV Duisburg seine erste Bundesliga-Partie, die der 1. FCK mit 0:1 verlor. In seiner ersten Bundesligarunde 1967/68 kam er zu immerhin 14 Einsätzen. In seiner zweiten Saison in der Spielzeit 1968/69 gehörte der Nachwuchsspieler mit 33 Ligaspielen bereits zur Stammelf, der die damals noch übliche Position des Vorstoppers übernahm. Mit seiner geradlinigen, zuverlässigen und soliden Spielweise hatte er sich schon bald in die Herzen der FCK-Fans gespielt. Unter Gyula Lóránt, Dietrich Weise und ab 1973 Erich Ribbeck reifte der gebürtige Pfälzer zur Persönlichkeit heran. Unvergessen sicher das legendäre Spiel gegen den FC Bayern München am 20. Oktober 1973, als die Roten Teufel das Münchner Starensemble nach 0:3 und 1:4 noch mit 7:4 vom Betzenberg fegten und Ernst Diehl mit seinem 5:4 den FCK erstmals in Führung brachte ehe Herbert Laumen mit zwei weiteren Treffern für den sensationellen Endstand sorgte.

 

Der 1.FCK qualifizierte sich in den Runden 1971/72 und 1975/76 jeweils mit siebten Rängen für den UEFA-Cup, womit Ernst Diehl sich alsbald auch auf internationalem Parkett präsentieren konnte.. Die Spiele gegen Stoke City, CUF Barreiro, Ararat Erewan, Borussia Mönchengladbach, Famagusta und Feyenoord Rotterdam waren herausragende Erlebnisse in der Karriere des konsequenten Vorstoppers. Die Saison 1977/78 sollte seine letzte sein. Seine letzte beim 1. FCK und seine letzte als Fußballprofi. Nach Saisonende wurde er zum Sportinvaliden erklärt und er begann seine Trainertätigkeit in der Jugendabteilung des 1. FCK.

 

Nach Ende seiner aktiven Fußballerkarriere trainierte er unter anderem die A-Jugend und die Amateure des 1. FC Kaiserslautern und war 1983 zweimal Interimstrainer der Bundesligaelf. 1992 gewann er mit den A-Junioren durch einen 5:1-Sieg gegen den 1. FC Köln die deutsche Junioren-Meisterschaft. Von 1996 bis 1997 war er Co-Trainer von Otto Rehhagel bei den Profis, ehe er danach wieder im Jugendbereich des Roten Teufel wirkte.

 

Mit den Roten Teufeln stand Ernst Diehl übrigens im Jahr 1972 und 1976 auch zweimal im Finale um den DFB-Pokal. Einen titel konnte er mit den Roten Teufeln dabei nicht erringen. Insgesamt absolvierte Ernst Diehl für seinen 1. FC Kaiserslautern sagenhafte 370 Pflichtspiele und schoss dabei 25 Tore. Der 1.FCK war seine einzige Station als Profi-Fußballer. Ein Vita-Prädikat, das heute undenkbar wäre. Das Museumsteam übermittelt Ernst Diehl die herzlichsten Glückwünsche zum heutigen 70. Geburtstag, alles Gute für die Zukunft und hoffentlich noch viele Jahre im Kreise der FCK-Familie.

 

mg

 


Triumph und Verhängnis

Zum 45. Todestag von Weltmeister Werner Kohlmeyer

26.03.2019

 

Fotos und Filmdokumente vom triumphalen Empfang der Weltmeister-Mannschaft 1954 zeigen einen strahlenden Werner Kohlmeyer sowohl am Fenster des Sonderzuges, als auch - gemeinsam mit Sohn und Tochter - im blumengeschmückten Cabrio bei der Jubelfahrt durch Kaiserslautern. Nicht erst seit dem 4. Juli und dem Endspielsieg über Ungarn gehörte Werner Kohlmeyer zu den prominentesten Spielern des 1. FCK - er stand zu diesem Zeitpunkt bereits vier Mal mit der Walter-Mannschaft im Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft, zwei Mal (1951 und 1953) konnte er mit seinen Kameraden den Meistertitel erringen. 1948 und 1954 wurde er - wie auch im darauf folgenden Jahr 1955 - Vizemeister. Seit 1941 spielte der am 19. April 1924 geborene Lauterer für den 1. FCK und 1951 berief ihn Bundestrainer Sepp Herberger erstmals in die Nationalmannschaft.

 

Werner Kohlmeyer war indes nicht nur ein vorzüglicher Fußballspieler, sondern ein sportliches Multitalent. Bereits in den frühen Vierzigerjahren erreichte er bei Leichtathletik - Wettkämpfen im Weit- und Hochsprung hervorragende Platzierungen und nach dem Krieg wurde er sogar Pfalzmeister im Fünfkampf. Gerne und ausdauernd spielte er auch Tischtennis. Seine Schnelligkeit, seine Technik, sein kämpferischer Einsatz und seine Kopf-ballstärke prädestinierten ihn für den Stammplatz des linken Verteidigers. Dabei entwickelte er auch Qualitäten im Offenspiel und er konnte so manches wichtige Tor erzielen.

 

Seinen Kriegseinsatz ab 1943 überstand Kohlmeyer unbeschadet und nach Kriegsende kehrte er - wie Fritz und Ludwig Walter - bald in seine Heimatstadt zurück. Als Fritz Walter im Herbst 1945 mit dem Aufbau und Training einer neuen 1. FCK - Mannschaft begann, gehörte Werner Kohlmeyer zu den Stützen dieser künftigen "Walter - Elf". Beruflich fand der gelernte Lohnbuchhalter Kohlmeyer eine sichere Anstellung bei Kammgarnspinnerei Kaiserslautern. 1946 heiratete er seine Carola, ein Junge und zwei Mädchen gingen aus der Ehe hervor. Nach den Meisterschaften mit seinem 1. FCK erlebte Werner Kohlmeyer mit dem WM - Triumph von Bern den Höhepunkt seiner Karriere; er erhielt Anerkennung in jeder nur denkbaren Form und ein glückliches Leben schien sich für ihn abzuzeichnen.

 

Doch es sollte ganz anders kommen. Seine Kinder erinnern sich, dass die Familie nach der Rückkehr des Vaters aus der Schweiz mit Geschenken überhäuft wurde - neben einem neuen Kühlschrank, einer Waschmaschine, einem Fernsehgerät und einer Nähmaschine gab es sogar einen Goggo-Roller. "Unser Vater und auch die anderen Weltmeister waren nicht darauf vorbereitet, wie man mit dem Ruhm und all dem Lob umzugehen hat", sagte seine Tochter rückblickend. Werner Kohlmeyer, von Tochter und Sohn übereinstimmend als liebevoller Vater bezeichnet, der mit seinen Kindern gerne Ball und Tischtennis spielte, Wild-West-Romane verschlang, Süßspeisen liebte und gelegentlich einmal musizierte - er konnte Geige, Akkordeon und Klavier spielen - veränderte sich. Seine Leidenschaft für das Skatspiel steigerte sich zur Spielsucht, sein Konsum an Alkohol und Zigaretten stieg, falsche Freunde und gewissenlose Schulterklopfer verleiteten ihn zum Glücksspiel. Kohlmeyers Gutmütigkeit wurde ihm zum Verhängnis.

 

Der von ehemaligen  FCK - Spielern und Bekannten als vorbildlicher und zuverlässiger Kamerad, im Spiel oft als "Retter in höchster Not" geschilderte Kohlmeyer verbrachte immer mehr Zeit in Gaststätten, Probleme in der Firma führten zum Verlust des Arbeitsplatzes und schließlich zerstritt er sich mit seinem Trainer beim 1. FCK, mit Richard Schneider. 1957 endet Kohlmeyers großartige Laufbahn beim 1. FCK.  262 Oberliga- und 38 Endrundenspiele hatte er für seinen Verein bestritten, an insgesamt fünf Meisterschaftsendspielen teilgenommen und 22 Einsätze für die deutsche Nationalmannschaft absolviert. Bis 1960 war er noch für den FC Homburg und für Bexbach am Ball, ehe er 1963 beim SV Morlautern seine Fußballerlaufbahn beendete.

 

Werner Kohlmeyers Suchtverhalten führte in die soziale Isolation; 1965 wurde die Ehe geschieden, Leidtragende waren seine Frau und die Kinder.  Freunde, die ihm helfen wollten, wehrte er aus falschem Stolz ab, Sepp Herberger vermittelte ihm noch einmal eine Arbeitsstelle - vergebens. Krankheitsbedingt konnte er seine eigene Situation nicht mehr realistisch einschätzen; die Aufforderung, sich in ärztliche Betreuung und in eine Entziehungskur zu begeben, wies er von sich.

 

Werner Kohlmeyer verließ Kaiserslautern, selbst seine Kinder und sein Freund Fritz Walter wussten längere Zeit nicht, wo er sich aufhielt. Als Bauhilfsarbeiter schlug er sich durch, ehe er als Pförtner in einem Verlagshaus in Mainz eine Anstellung fand, die ihm eine neue, eine letzte Chance eröffnete. In dieser Phase seines Lebens begab er sich in ärztliche Obhut. Seine Mutter zog zu ihm in die kleine Wohnung nach Mainz, um ihn zu unterstützen, zu versorgen. Er gewann Abstand vom Alkohol und gestand sich ein, dass die Zeit seines größten sportlichen Triumphes seinen Absturz einleitete. "Alles, was danach kam, war ein einziges vergeudetes Wochenende", soll er gesagt haben.

 

In den frühen Morgenstunden des 26. März 1974 starb der deutsche Meister und Weltmeister Werner Kohlmeyer in seiner Wohnung in Mainz nach einer Herzattacke - kurz vor seinem 50. Geburtstag. Werner Kohlmeyer, der untadelige Sportsmann und großartige Fußballer, hat es gerade vor dem Hintergrund seiner einmaligen Leistungen, wie auch seines gebrochenen Lebensweges verdient, in bester Erinnerung behalten zu werden. Seine Suchterkrankung mit all ihren Folgen kann und darf nicht verdrängen, wer Werner Kohlmeyer war: Eine liebenswerter, gutmütiger und stets hilfsbereiter Kamerad und Mensch.

 

Die Museumsinitiative des 1. FCK ließ zu Kohlmeyers Ehren mit Unterstützung des DFB, des FCK, des Sportbundes Pfalz und der Initiative Leidenschaft auf dem Hauptfriedhof einen würdigen Gedenkstein mit einer Bronzeplakette errichten. Eingeweiht wurde das Denkmal am 4. Juli 2017, dem Jahrestag des Endspieles von Bern, im Beisein des Weltmeisters Horst Eckel und zahlreicher Vertreter von Stadt, Politik und Sport sowie den Kindern und Enkeln Kohlmeyers. Beim 1. FCK wird Werner Kohlmeyer nicht in Vergessenheit geraten.

 

HW


Alles Gute Ottes – Ottmar Walter wäre heute 95 geworden

 

 

Am 6. März 2019 hätte Ottmar Walter seinen 95. Geburtstag gefeiert. Der Weltmeister von 1954 und Deutsche Meister von 1951 und 1953 gehört zu den großen Idolen des deutschen Fußballs. Auf dem Betzenberg bleibt Ottmar Walter auch knapp sechs Jahre nach seinem Tod unvergessen, nicht nur aufgrund seiner sportlichen Leistungen.

 

Es gibt viele Gründe für die Menschen in der Pfalz und in ganz Deutschland, "Ottes" für immer im Herzen zu tragen. Ottmar Walter war über viele Jahre eine der prägenden Spielerpersönlichkeiten des FCK, für den er zwischen 1941 und 1959 in 321 Pflichtspielen auf dem Platz stand, 336 Tore erzielte und mit dem er 1951 und 1953 Deutscher Meister wurde. Mit seinen über 300 Toren ist und bleibt Ottmar Walter der Rekordtorschütze der Roten Teufel.

 

Zwischen 1950 und 1956 trug er zudem 21-mal das Trikot der deutschen Nationalmannschaft. An der Seite seines Bruders Fritz Walter und seiner FCK-Kameraden Horst Eckel, Werner Liebrich und Werner Kohlmeyer gehörte er der legendären Mannschaft an, die 1954 in Bern im Endspiel 3:2 gegen Ungarn gewann. Zum ersten deutschen WM-Triumph trug Ottmar Walter in fünf Spielen vier Tore bei.

 

Wer den FCK-Rekordtorjäger nur als kleinen Bruder vom "großen Fritz" sieht, der begeht denselben Fehler wie Vater Ludwig. Auch der verkannte zunächst das Talent seines Zweitgeborenen und riet ihm, es mit dem Fußball besser sein zu lassen. Letztlich setzte sich Ottmar Walter durch, nachdem er zwischenzeitlich schon mit einer Karriere als Rennfahrer geliebäugelt hatte. Auf dem Spielfeld gab er nicht nur in Form von atemberaubenden Sprints Gas, sondern definierte die Rolle des Mittelstürmers völlig neu. Obwohl äußerst kopfballstark, suchte er nicht nur im Strafraum sein Glück, sondern eroberte sich die Bälle selbst über die Außen. Dadurch machte er das „Wunder von Bern“ erst möglich. Nicht nur, weil er während der WM-Endrunde vier Treffer erzielte. Auch deshalb, weil er im Finale den ungarischen Abwehrchef Gyula Lorant so sehr beschäftigte, dass Helmut Rahn die entscheidenden Freiräume erhielt. Der Rest ist Geschichte.

 

"Es scheint doch so, dass wir damals etwas Besonderes geschafft haben", erklärte Ottmar Walter im Rückblick. Dass seine Heimatstadt die fünf Weltmeister vom FCK später in "Waltershausen" begrüßte, war offensichtlich nicht allein dem "großen Fritz" zu verdanken. Und dennoch stand Ottmar tatsächlich im Schatten des Älteren. Aber er arrangierte sich mit der Rolle. Weil er seinen Bruder eben auch bewunderte. Und weil beide wussten, dass der Megastar ohne den Superstar kaum in dem Maße glänzen konnte. Das beste Beispiel: Bevor Fritz Walter 1956 sein legendäres Hackentor gegen den SC Wismut Karl-Marx-Stadt erzielte, trat Ottmar die entsprechende Flanke. Und ganz nebenbei war er es, der 1951 mit seinem Doppelpack das 2:1 gegen Preußen Münster und somit die erste Deutsche Meisterschaft für Kaiserslautern erst ermöglichte.

 

Auf dem Betzenberg bleibt Ottmar Walter unvergessen, nicht nur wegen seiner sportlichen Leistungen. Es bleibt auch die Erinnerung an einen großartigen Menschen, der wichtige Werte wie Bodenständigkeit, Vereinstreue und Glaubwürdigkeit vertreten hat. Und daher wünschen wir an seinem 95. Geburtstag von ganzem Herzen: "Alles Gute, Ottes!"

 

hw

 


FVK-Nadel: Bild, Eric Lindon
FVK-Nadel: Bild, Eric Lindon

Der Verein in frühen Jahren – heute vor 110 Jahren Fusion zum FVK

 

Die Kinder- und Jugendzeit unseres 1. FC Kaiserslautern war stürmisch und wechselhaft. Eine Erkenntnis, die für diese Lebensspanne auch privat viele Menschen für sich in Anspruch nehmen können. Warum soll es also bei einem Verein anders sein. Heute vor genau 110 Jahren kam es zu einem Zusammenschluss, der Grundlage für den weiteren Weg des 1.FCK  sein sollte. Am 1. März 1909 schlossen sich der Fußballclub 1900 Kaiserslautern, der Fußballverein Palatia Kaiserslautern e.V. und der Fußballclub Bavaria 1902 zu einem Verein zusammen. Dem FV Kaiserslautern e.V.!

 

Drei namhafte Vereine aus der Barbarossastadt, in deren Reihen die Erkenntnis gewachsen war, dass in den frühen Jahrzehnten des deutschen Vereinswesens im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, Wettbewerbsfähigkeit und Überlebensfähigkeit nur zu sichern waren, wenn sich aus der Kleinteiligkeit heraus Kräfte bündeln lassen. Eine durchaus übliche Praxis in den frühen Jahren des noch jungen 20. Jahrhunderts. Nicht nur in Kaiserslautern oder der Pfalz. Nach einer Pressemitteilung des Pfälzer Anzeigers vom 26. März 1909 brachte die Fusion einen Verein mit rund 250-300 Mitgliedern hervor. Für damalige Verhältnisse ein nicht gerade kleiner Fußballverein.

 

Die drei fusionierten Vereine, die im FVK aufgingen, waren der Fußballclub Kaiserslautern 1900, für dessen Geburt der 2. Juni 1900 als Gründungstag gilt. Der Tag, den heute Experten und Historiker als Geburtsstunde des 1.FCK manifestieren. Gegründet übrigens von Gewerbetreibenden und Handwerkern. Kurioserweise unter anderem auch aus Mannheim und Stuttgart. Der zweite Verein im Bunde an jenem denkwürdigen 1. März 1909, der Fußballverein Palatia Kaiserslautern e.V., der am 4. März 1901 als Fußballclub Palatia 1901 Kaiserslautern maßgeblich von Absolventen der Kreisrealschule gegründet und am 5. November 1907 als FV Palatia e.V. ins Vereinsregister eingetragen wurde. Zuletzt der Fußballclub Bavaria 1902, der am 17. Juli des im Vereinsnamen angegebenen Jahres gegründet wurde. Von 15 Mitgliedern, die schon zwei Jahre nach der Gründung des FC Kaiserslautern 1900 einen eigenen Weg beschreiten wollten, um sich dann mit der Fusion im Jahre 1909 zum FV Kaiserslautern e.V. quasi wieder einzureihen. Auch hier gehörten Vertreter des mittelständischen bis gehobenen Bürgertums zu den Initiatoren. In den Anfängen repräsentierte der Fußball in Kaiserslautern also eher bürgerliches Milieu.

 

Der Zusammenschluss im Jahre 1909 war die zweite von drei Fusionen. Die erste bereits im Jahre 1900, nachdem sich zwei kleinere Vereine zum FC Kaiserslautern 1900 zusammengefunden hatten. Die letzte Fusion wurde am 19. Juni 1929 vollzogen. Damals verschmolz der im Jahr 1910 gegründete Verein Sportverein Phoenix Kaiserslautern mit dem FVK. Man nannte sich zunächst FVK-Phoenix Kaiserslautern bis der Verein sich am 18. Juli 1931 in 1.FC Kaiserslautern umbenannte.

 

mg/el

 


Foto: Heimkehr der Helden
Foto: Heimkehr der Helden

Herzlichen Glückwunsch zum 50. Oliver Schäfer!

 

Der frühere FCK-Verteidiger und aktuelle U19 Trainer des 1.FC Saarbrücken feiert heute einen runden Geburtstag. Oliver Schäfer wird 50! Herzlichen Glückwunsch, lieber Olli, zu Deinem ersten halben Jahrhundert! Der in Lahr (Baden) geborene Oliver Schäfer machte seine ersten fußballerischen Gehversuche beim VfR Allmannsweier und beim Freiburger FC. Mit 20 Jahren unterzeichnete er 1989 beim damaligen Lokalrivalen SC Freiburg seinen ersten Profivertrag, von wo er zur Saison 1991/1992 dann den Weg in die Pfalz fand. Zum frischgebackenen Deutschen Meister. Acht Jahre spielte er auf Deutschlands höchstem Fußballberg. Oliver Schäfer absolvierte im Trikot der Roten Teufel 138 Spiele in der ersten Liga und 19 Partien in Liga zwei.

 

Oliver Schäfer avancierte während seiner Karriere zwar selten zum Stammspieler, lieferte aber stets ehrliche und solide Abwehrarbeit ab. Mit dem FCK wurde Oliver Schäfer Pokalsieger (1996), Meister der zweiten Liga (1997) und Deutscher Meister beim Sensationstitel 1998, als der FCK als Aufsteiger den Titel holte. In seiner letzten FCK-Saison sollte er im letzten Heimspiel gegen den MSV Duisburg noch einmal eine kuriose Einwechslung erfahren. Beim Stand von 3:0 für den FCK forderte die Westkurve Oliver Schäfer. So lange, lautstark und unermüdlich, bis Trainerfuchs Otto Rehhagel ihn für Ratinho brachte und ihm so noch einmal 15 Minuten Einsatzzeit in der Bundesliga bescherte.

 

Im Sommer 1999 wechselte er dann in die Türkei zu Beşiktaş Istanbul. Der damalige Trainer des Stadtvereins vom Bosporus, Hans-Peter Briegel. Bereits nach einem Jahr zog es Oliver Schäfer wieder zurück nach Deutschland zum damaligen Zweitligisten Hannover 96. Im Jahr 2002 dann der Wechsel in die Regionalliga zum 1. FC Saarbrücken, wo er zwei weitere Jahre die Fußballschuhe schnürte. Im Sommer 2004 dann die Rückkehr an den Betzenberg, wo Oliver Schäfer seine beiden letzten Jahre als aktiver Fußballer bei der 2. Mannschaft der Roten Teufel absolvierte.

 

Aber auch nach seinem Karriereende im Jahr 2007 mochte Olli Schäfer die Fußballschuhe noch nicht endgültig an den Nagel hängen. Er blieb dem FCK vorerst treu und wurde Co-Trainer der Oberligamannschaft des 1. FC Kaiserslautern. Mit Beginn der Saison 2009/2010 wurde er dann Co-Trainer und Fitnesstrainer der Profimannschaft und erlangte im Frühjahr 2010 das Fußballlehrerdiplom an der der Deutschen Sporthochschule in Köln. Am 29. August 2013 übernahm er als Interimstrainer die 1. Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern. Unvergessen seine erste Trainingseinheit, als er sich an Platz 4 mit Trillerpfeife bewaffnet auf dem Tribünenpodest aufbaute und quasi aus der Fast-Vogelperspektive den Roten Teufeln lautstark Beine machte. Unter dem neuen Cheftrainer Kosta Runjaic war er seit dem 17. September 2013 wieder als Co-Trainer tätig. Nach dem Rauswurf von Kosta Runjaic, übernahm Oliver Schäfer die Stelle als U23-Trainer beim 1. FC Kaiserslautern. Bis zum Sommer 2016. Verhandlungen zu einer Vertragsverlängerung scheiterten. Mit Beginn der Saison 2017/2018 wechselte Oliver Schäfer wieder zum 1. FC Saarbrücken. Als Nachwuchskoordinator und als Trainer der U19-Mannschaft. Sein Vertrag läuft zunächst noch bis Ende der Saison 2018/2019.

 

Auch privat hat Oliver Schäfer sein zweites Glück gefunden. An der Seite der mehrfachen Bahnrad-Weltmeisterin und Olympiasiegerin Miriam Welte, die seit 2014 ebenfalls das Trikot des 1. FC Kaiserslautern trägt. Das gesamte Museumsteam bedankt sich auf diesem Wege noch einmal für die tollen Exponate. Wir wünschen dem Jubilar und seiner Lebensgefährtin einen entspannten Tag und entsenden noch einmal die besten Glückwünsche zum Geburtstag.

 

mg

 


Zur Erinnerung an den FCK-Torhüter Karl Adam

(04.02.1924-09.07.1999)

 

Im Jahr 1951 wurde der 1.FC Kaiserslautern erstmals Deutscher Fußballmeister. Beim Finalspiel gegen Preußen Münster, das die Roten Teufel mit 2:1 für sich entscheiden konnten, stand der gebürtige Koblenzer Karl Adam zwischen den Pfosten. Der Torhüter der Meistermannschaft von 1951 wäre am heutigen 4. Februar 95 Jahre alt geworden.

 

Seine ersten fußballerischen Gehversuche unternahm Karl Adam beim Koblenzer Stadtteil-Verein SC 07 Moselweiß. Mit 16 Jahren wechselte er 1944 zum TuS Neuendorf und blieb dort bis 1949. Lediglich im Jahr 1944 gehörte er dem Dresdener SC an als Gastspieler an. In diesen Karriereabschnitt gehört auch sein Positionswechsel, der seine fußballerische Laufbahn fortan bestimmen sollte. Der ursprüngliche Mittellläufer wechselte im Jahr 1947 auf die Position des Torhüters. Als solcher heuerte er zur Saison 1949/1950 beim 1.FC Kaiserslautern an, wo er den bisherigen Stammtorhüter Willi Hölz als Nummer eins verdrängte. Nach einigen Fehlern in der Schlussphase der Oberliga-Saison 1950/1951 wurde Karl Adam dann allerdings seinerseits durch den kurzfristig vom 1.FSV Mainz 05 verpflichteten Dieter Schaack im Kasten der Lauterer ersetzt. Verärgert verließ der Keeper den FCK und kehrte zum TuS Neuendorf zurück. Da der aus Mainz geholte neue Keeper aufgrund von Verbands-Regularien jedoch in der Vorrunde um die Deutsche Meisterschaft gar nicht spielberechtigt war, setzte sich der damalige FCK-Trainer Richard Schneider dafür ein Karl Adam zum FCK zurückzuholen.

Richard Schneider hatte kaum eine andere Möglichkeit, als den "Gang nach Canossa" beziehungsweise nach Koblenz anzutreten, da Willi Hölz inzwischen bei der Wormatia in Worms spielte, Schaack gesperrt war - er und der FCK mussten sogar noch Geldstrafen zahlen - und ansonsten der A-Jugend-Torhüter hätte eingesetzt werden müssen. Karl Adam zeigte sich in dieser Situation als guter Sportsmann, ließ den FCK und seinen Trainer nicht abblitzen und zeigte in den Endrundenspielen wieder ausgezeichnete Leistungen. Eine richtige Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Mit ihm als Stammtorhüter qualifizierte sich der 1. FC Kaiserslautern 1951 als Tabellenerster der Vorrunde um die Deutsche Meisterschaft für das Finalspiel in Berlin. Dort bezwang der FCK mit einem 2:1-Sieg Preußen Münster und wurde erstmals Deutscher Fußballmeister. Nach der Meistersaison wechselte Karl Adam wieder zur TuS Neuendorf. 1953 verpflichtete ihn der FC Bayern München. Er kehrte jedoch nach nur zwei Spielzeiten 1955 wieder zum TuS Neuendorf zurück, wo er 1956 seine aktive Laufbahn aufgrund von Knieproblemen beendete.

Spätestens durch das Finalspiel 1951 in Berlin war ihm auch die Aufmerksamkeit von Bundestrainer Sepp Herberger gewiss. Es folgte die Nominierung zur Nationalmannschaft, wo er auf drei Einsätze kam und ohne Gegentor blieb. Doch letztlich konnte sich Karl Adam in der Nationalmannschaft nie wirklich gegen den starken Toni Turek durchsetzen. Karl Adam starb am 9. Juli 1999 im Alter von 75 Jahren in seiner Koblenzer Heimat.

 

mg


Jubiläum zum ersten großen Titel des FC 1900 Kaiserslautern

Auf den Tag heute vor 110 Jahren wurde der FC 1900 Kaiserslautern, der Vorläufer unseres heutigen FCK, erstmals Westkreismeister. Der erste größere Erfolg im Kaiserslauterer Vereinsfußball überhaupt. Im damaligen Westkreis traten in der Spielzeit 1908/1909 lediglich sieben Vereine gegeneinander an, die um die Qualifikation zu der damaligen süddeutschen Meisterschaft spielten. Die Finalrunde um den süddeutschen Fußballmeister setzte sich aus den Meistern aus vier regionalen Kreisen (Nord, Ost, Süd, West) zusammen, bei denen im Norden in zwei und im Osten sogar in drei Staffeln der jeweilige Kreismeister ermittelt wurde.


Delikate Note bei der Westkreismeisterschaft - vier der sieben Vereine kamen aus Ludwigshafen, drei aus Kaiserslautern. Da am Ende der Runde um die Westkreismeisterschaft nach den 12 Punktspielen der FC 1900 Kaiserslautern und der FC Pfalz Ludwigshafen mit jeweils 20:4 Zählern punktgleich an der Tabellenspitze standen, musste die Meisterschaft im damaligen Westkreis in einem Entscheidungsspiel stattfinden. Dieses wurde, aus heutiger Sich nicht minder delikat, an jenem Sonntag, den 31. Januar 1909, auf dem Sportgelände der Mannheimer Fußballgesellschaft 1896 in Mannheim ausgetragen. Dabei bezwang der FC 1900 Kaiserslautern den Rivalen aus der Anilin-Stadt knapp mit 3:2 und zog somit in die Endrunde um die süddeutsche Fußballmeisterschaft ein.

Dort allerdings hatten die Kicker aus Lautern keine Chance und belegten am Ende mit 1:11 Punkten und 9:36 Toren den letzten Tabellenplatz. Süddeutscher Fußballmeister wurde damals der Karlsruher FC Phönix, der auch den Ostkreismeister 1.FC Nürnberg und den Nordkreismeister 1. Hanauer FC 1893 hinter sich ließ. Übrigens, nur knapp einen Monat nach der Erringung des Titels zum Westkreismeister schlossen sich am 1. März der FC 1900 Kaiserslautern, FV Palatia e.V und der FC Bavaria 1902 Kaiserslautern zum FV Kaiserslautern e.V. zusammen.

 

-el/mg-


Erinnerungen an FCK-Stürmer Willi Wenzel

Heute vor 20 Jahren verstarb der ehemalige FCK-Stürmer Willi Wenzel. Der am 12. Oktober 1930 geborene gelernte Angreifer lief vor allem von 1950 bis zu seinem Karriereende im Jahr 1962 für den 1.FC Kaiserslautern auf. Zuvor schnürte er von 1947 bis 1949 schon einmal für den 1.FCK die Fußballschuhe, ehe er für nur eine Spielzeit für den damaligen Südwestrivalen FK Pirmasens spielte. Zur Saison 1950/1951 kehrte er wieder an den Betzenberg zurück. Grade rechtzeitig, möchte man meinen. Als technisch versierter Torjäger avancierte er beim 1.FCK zum Stammspieler und gehörte letztlich der Meistermannschaft von 1953 an. Im Finalspiel 1953 gegen den VfB Stuttgart gelang ihm beim 4:1 Erfolg der Roten Teufel sogar ein Tor. 1954 und 1955 erreichte Willi Wenzel mit dem FCK jeweils auch bis das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft. Im Jahr des triumphalen WM-Erfolges unterlag der 1.FCK allerdings Hannover 96 mit 1:5 und ein Jahr darauf musste sich der 1.FCK im Finalspiel gegen Rot-Weiß Essen mit 3:4 geschlagen geben. Im Spiel gegen Essen erzielte Wenzel sogar zwei Treffer. Zwischen 1953 und 1956 erzielte er in den drei Spielzeiten in der Südwest-Oberliga insgesamt 23 Tore! Er belegte damit in der Torjägerliste im Südwesten in den Jahren 1955 und 1956 den zweiten Rang. Nach einer längeren Verletzungspause wegen eines Kreuzbandrisses bestritt er seine letzten beiden Ligaspiele in der Saison 1961/62. Insgesamt kam er in 239 Pflichtspielpartien für den 1.FC Kaiserslautern zum Einsatz, in denen er 165 Tore erzielte. Willi Wenzel verstarb am 25. Januar 1999 im Alter von nur 68 Jahren.