Gründungsmitglieder des FCK 1900; aus der FVK-Festschrift von 1925 (Foto: Archiv Eric Lindon)
Gründungsmitglieder des FCK 1900; aus der FVK-Festschrift von 1925 (Foto: Archiv Eric Lindon)

120 Jahre und die Suche nach dem Gral

Ein detailverliebter Blick auf die lange Geschichte des 1. FCK

02.06.2020

 

Der 2. Juni 1900 gilt als Gründungsdatum des 1. FC Kaiserslautern, das sich heute zum 120. Mal jährt. Auch wenn der FCK heute in der 3. Liga spielt, dieser Verein hat noch immer Strahlkraft. Vier Deutsche Meisterschaften, zwei Pokalsiege und zahlreiche weitere Erfolge zieren das Briefpapier des pfälzischen Traditionsclubs. Zahlreiche legendäre Fußballspiele in den 1950er Jahren und in den Jahrzehnten seit Gründung der Bundesliga haben eine unvergleichliche und unverwechselbare Vereinshistorie geprägt. Erfolge und Spiele über die schon so viel geschrieben wurde und unter denen sicher jeder Fan gleich welcher Generation seine besonderen Highlights für sich definiert. Natürlich war der Fußball stets die dominierende Sportart in der Geschichte des Vereins. Doch der FCK war auch immer mehr als nur Fußball und mehr als die Meisterschaften von 1951, 1953, 1991 und 1998. Nicht nur in seiner jüngeren Vergangenheit. Anlässlich des heute offiziell begangenen Vereinsjubiläums haben wir mit unserem Hobbyhistoriker Eric Lindon gesprochen, der die Geschichte des FCK seit Jahrzehnten erforscht und der viele Details und erstaunliche Erkenntnisse rund um den FCK aus Archiven zusammengetragen hat.

 

Eric, Du bist gebürtiger US-Amerikaner, warst als Angehöriger der US-Luftwaffe in Ramstein stationiert und hast in Kaiserslautern mittlerweile Deine Heimat gefunden. Seit wann etwa beschäftigst Du Dich mit der Geschichte des 1. FC Kaiserslautern?

Das war Mitte der 1990er Jahre. Ich habe damals 5 Pins gekauft. Zu den verschiedenen Logos auf den Anstecknadeln konnte mir niemand was sagen. Das hat meine Neugierde geweckt. Richtig intensiv zu forschen, damit habe ich 2011 begonnen, als wir die erste Ausstellung für das geplante FCK-Museum zusammengestellt haben. In dieser Zeit wollte ich vor allem das Gründungsdatum des Vereins verifizieren. Ich habe damit begonnen die im Bestand des Stadtarchivs vorhandenen Dokumente zu fotografieren und digital zu sichern. Doch bei meiner Forschungsarbeit, die ich ehrenamtlich und in meiner Freizeit vornehme, habe ich nicht nur den FCK im Blick. Ich widme mich allen Sportvereinen, hauptsächlich in Kaiserslautern, aber auch im Kreis Kaiserslautern und darüber hinaus in der ganzen Pfalz. Über die Jahre habe ich zum Beispiel begonnen einen Stammbaum aller Sportvereine zu erstellen, denen ich schon ein Augenmerk gewidmet habe. So habe ich beispielsweise einen Hinweis gefunden, dass es in Kaiserslautern mit dem Turnsport erste Sportaktivitäten schon 1816 gab!

 

Der 2. Juni gilt heute offiziell als Gründungsdatum des Vereins. Die ersten Vereinsgründungen in Kaiserslautern liegen immer noch weitgehend im Dunkeln. Wie realistisch ist es, dass neuere wissenschaftliche Erkenntnisse diesen Nachweis noch liefern könnten? Welche Ansätze verfolgst Du dabei?

Wichtig ist hier tatsächlich, "gilt"! Ich habe im Lauterer Stadtarchiv mittlerweile alle dort archivierten Tageszeitungen des Jahres 1900 durchgeschaut. Wenn Du aber in der im Stadtarchiv abgelegten Tagespresse aus dem Jahr 1900 für den 3. Juni, den 4. Juni, den 5. Juni und so weiter nichts findest zu einer Fusion zweier Vereine in Kaiserslautern, wirst Du stutzig. Das hat mich angespornt. Natürlich steht in der Festschrift zum 25-jährigen Jubiläum des FV Kaiserslautern "Einstimmig wurde beschlossen den F.C. Kaiserslautern zum Zweck der Pflege des Fußballsports zu gründen". Gemeint war damit der Zusammenschluss der Fußballvereine "Fußballklub Kaiserslautern" und der "Fußballgesellschaft" zum "F.C. 1900 Kaiserslautern". Aber auch hier gibt es keinen Bezug zum 2. Juni, lediglich zum Jahr 1900! Auf das Datum hatte man sich vermutlich vor dem 75-jährigen Jubiläum des FCK festgelegt. Wissenschaftlich belegt ist das nicht! Im Laufe meiner Arbeit habe ich zahlreiche Satzungen gesichtet. Das sind wichtige Dokumente, um Fakten belegen zu können. In der Gesamtchronik des Vereins fehlen zwar einige Satzungen. Davon sind aber nicht alle besonders erheblich. Die sicher bedeutsamste noch fehlende Satzung, wäre allerdings die vom FC 1900 Kaiserslautern. Wenn diese Satzung irgendwo auftauchen würde, dann hätten wir mehr Gewissheit und könnten zum wirklichen Gründungsdatum höchstwahrscheinlich Klarheit schaffen. Aber speziell diese Satzung noch zu finden, fühlt sich an wie die Suche nach dem heiligen Gral! Laut einem Hinweis im Stadtarchiv soll es auch ein Protokollbuch geben, das irgendwo in Zweibrücken oder Pirmasens zu finden sein soll. Aber auch dieses fehlt. Es ist durchaus möglich, dass zahlreiche weitere fehlende Unterlagen in Archiven in München oder in Speyer liegen. Doch dort weitere Recherchen anzustellen, das erlaubt aktuell meine Zeit nicht.

 

Professor Dr. Markwart Herzog hat mit seinem Buchtitel "Der Betze unterm Hakenkreuz" die Geschichte des 1. FCK in der Zeit des Nationalsozialismus wissenschaftlich aufgearbeitet. Erst im vergangenen Jahr konnte durch neue Erkenntnisse die Haltung der damals Verantwortlichen und des Vereins zu seinen jüdischen Mitgliedern neu bewertet werden. Ein Indiz, dass auch Geschichte immer wieder neu interpretiert werden muss, wenn Forschungsarbeit bisher unbekannte oder unbeachtete Dokumente zu Tage fördert. Welche noch zu schließenden Lücken in der Geschichte des FCK siehst Du Stand heute? Wo fehlen noch Erkenntnisse für eine verbesserte geschichtliche Einordnung?

Da gäbe es außer einem wissenschaftlich belegten Nachweis zum Gründungsdatum des FCK noch so einiges. Zum Beispiel die Frage um die Entstehung des SV Phönix, der nach dem 1. Weltkrieg auftaucht. Bis heute ist unklar, ob es sich hier um eine Neugründung handelte oder nur um eine Umbenennung des FC Phönix 1910. Oder die Vorgänge des Jahres 1924 als im Zusammenhang mit den Wirren um die Separatistenbewegung Sportvereine durch die Franzosen aufgelöst wurden. Ein weiteres Beispiel vorhandener Wissenslücken ist auch eine lückenlose Chronik aller FCK-Spiele. Die Liste, die Marcus Röder für seine Buchpublikation mal erstellt hatte, beinhaltet aber nur die Pflichtspiele. Testspiele beispielsweise sind nirgends chronologisch aufgeführt. Oder das Beispiel Fritz Walter. Jeder redet über Fritz, aber keiner kann lückenlos sagen wann und wo er überall gespielt hat. Zumindest für die Vorkriegszeit habe ich alle Spiele erfasst, die er absolviert hat. Am Rest arbeite ich noch. Aber was war oder ist beispielsweise mit all den anderen Nationalspielern? Auch da wäre noch viel zu recherchieren und zu dokumentieren und das wird dauern bis hier alle Lücken geschlossen sind. Der Verein hat das alles halt nie durchgehend festgehalten. Im Nachhinein das zu dokumentieren ist sehr schwierig und zeitintensiv.

 

Die ersten drei Jahrzehnte der Vereinsgeschichte waren geprägt von diversen Fusionen und Namensänderungen ehe im Juli 1931 der heute noch gültige Vereinsname wurde. Welche Besonderheiten zeichneten die Vereine aus, die nach heutigen Erkenntnissen als die Vorgängervereine des FCK gewertet werden können? Welche Vereinsfarben bestimmten das Jugendbild unseres FCK?

Zumindest in den ersten Jahrzehnten hat rot-weiß hier definitiv nicht dominiert. Der FC Bavaria 1902 war weiß-blau, der FC Palatia 1901 war blau-weiß, die Vereinsfarben des FV Palatia e.V. waren blau-weiß-schwarz, die des FC 1900 Kaiserslautern schwarz-rot, gespielt wurde aber in schwarz-weiß. Mit dem FV Kaiserslautern wurden 1909 erstmals rot-weiß-rot als Vereinsfarben festgehalten, für den FVK/Phönix dann rot-weiß und schließlich für den FCK ab 1931 auch rot-weiß. Interessant erscheint auch der Aspekt, dass der FC Bavaria von 1904 bis 1909 eigentlich eine Fußballabteilung des Turnvereins Kaiserslautern war. Der FC Palatia 1901 wurde am 5. November 1907 zum FV Palatia e.V. umbenannt und war dann der erste Verein in unserer Vereinsgeschichte, der ins Vereinsregister eingetragen wurde. Die Satzung dazu lag ewig in irgendeiner Kiste im Stadtarchiv. Übrigens wurden auch der FV Kaiserslautern im Jahr 1909 und der SV Phönix 1910 im April 1920 ins Vereinsregister eingetragen. Aber erwähnenswert sind noch andere vereinshistorische Fakten. Eine Besonderheit ist beispielsweise, dass wir in unserer Vereinsgeschichte den Nachweis zur Gründung eines ersten Hockeyvereins in Kaiserslautern im Jahr 1925 führen können. Oder dass unser Verein die ersten beiden pfälzischen Tennismeisterschaften oben am Betzenberg veranstaltet hat. Auch in der Anfangszeit spielten neben Fußball auch immer andere Sportarten eine Rolle. In jenen Zeiten wurden Sportarten oft auch ganz anders bezeichnet als heute. In der Presse wurde seinerzeit Hockey oft als Stockball beschrieben, Tennis als Netzball, Boxen als Faustkampf. Solche Besonderheiten und Entwicklungen lassen sich in der Regel bequem in Vereinszeitungen nachvollziehen. Aber auch hier existieren beim FCK und seinen Vorgängern große Lücken.

 

Welche Sportarten wurden bis zum Ende des 2. Weltkrieges beim FCK und seinen Vorgängereinen neben dem Fußball für die Mitglieder noch angeboten?

Wie eben schon angesprochen gehörten zu den früheren Sportangeboten eben Tennis, Hockey, Leichtathletik, Handball, Boxen und Faustball. Wobei man auch hier festhalten muss, dass es in jener Zeit auch Sportarten gab, die heute zwar als eigenständig gelten, damals aber bei der Leichtathletik angesiedelt waren. Zum Beispiel Gewichtheben. Auch das war ein Sportangebot beim FCK. Eben innerhalb der Leichtathletik-Abteilung. Nach dem 2. Weltkrieg kam 1953 dann noch Basketball hinzu. In den 1970er Jahren wurde auch eine Frauen-Fußball-Abteilung gegründet, die es mittlerweile nicht mehr gibt. Dazu hat übrigens Professor Dr. Markwart Herzog einiges publiziert. Weitere Neuerungen im FCK-Sportangebot waren auch Triathlon oder die in Kaiserslautern beim FCK 2012 entwickelte neue Sportart "Headis". Auch die Rollstuhl-Basketballer "Rolling-Devils", die 2014 bis 2016 sogar in der 1. Bundesliga spielten, leider aber 2015 aus dem Verein ausgegliedert und als Abteilung beim FCK aufgelöst wurden.

 

Der Fußball hat dem FCK sehr viel Ruhm eingebracht. Aber auch andere Sportarten sorgten für glanzvolle Momente in der 120-jährigen Vereinsgeschichte. In den späten 1950er und den 1960er Jahren mit Karl Mildenberger, Emil Schulz oder später Reiner Gies beispielsweise der Boxsport oder in der jüngsten Vergangenheit mit Miriam Welte, die 2012 Olympiasiegerin wurde, auch der Bahnradsport. Welche sonstigen herausragenden sportlichen Ereignisse und Erfolge außerhalb des Fußballrasens haben der Geschichte des FCK weitere Glanzpunkte verliehen?

Die Leichtathletik war eigentlich über die gesamte Vereinshistorie hinweg regelmäßig erfolgreich. Ein Beispiel aus frühester Zeit ist hier Richard Buck, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts Kapitän der Fußballmannschaft war, aber außerdem auch über 40 Leichtathletik-Titel errang und der im 1. Weltkrieg sein Leben ließ. Leichtathletik war zumindest vor dem 1. Weltkrieg eine reine Sommersportart. Nicht selten waren Fußballer  in den fußballfreien Zeiten auch in anderen Sportarten, vor allem in Laufdisziplinen, im Verein aktiv. Erwähnen muss man sicher auch, dass die Basketballer 1957 und 1958, also erstmals 5 Jahre nach ihrer Abteilungsgründung, zweimal deutscher Jugendmeister wurden. Auch hier habe ich noch Nachholbedarf. Im Sinne der dokumentierten Vollständigkeit aller sportlichen Titel und dazu gehören nicht nur internationale Erfolge. So hatten auch die FCK-Handballer und die Hockey-Abteilung zahlreiche Erfolge, die ich jedoch noch nicht alle erfasst habe.

 

Auch heute ist der FCK noch immer ein Sportverein mit mehreren Sparten. Vor allem rund um das Thema Finanzen ist es für die Verantwortlichen immer wieder eine Herausforderung die jährlichen Budgetwünsche zu erfüllen. Wie war das eigentlich früher mit der Finanzierung des Sports? Woher kamen die Gelder, die nicht durch Mitgliedsbeiträge erbracht werden konnten?

Das ist eine Fragestellung die ebenfalls einer tiefergehenden Recherche bedarf. Der Verein hatte 1938 beispielsweise grade mal 520 Mitglieder. Welche Rolle die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen oder aus Zuschauereinnahmen spielten kann man ohne wissenschaftliche Aufarbeitung nicht sagen. Auch nach Gründung der Bundesliga bewegten sich die Mitgliederzahlen eher in niedrigen Bereichen. Ende der 1980er Jahre reden wir hier von unter 4.000 Mitgliedern. Erst nach dem Pokalsieg 1990 und der Meisterschaft 1991 und dann nochmal mit der Sensationsmeisterschaft 1998 erreichten die Mitgliederzahlen fünfstellige Dimensionen. Seit Jahrzehnten generieren Vereine Gelder über Sponsoring. Etwas, das es in den Anfangszeiten der Bundesliga und in den Jahrzehnten davor so noch nicht gab. Davor hatten die Vereine eher mal Gönner und Mäzene. Das war viel verbreiteter. Auch beim FCK gab es immer wieder mal Funktionäre, die im realen Leben als Unternehmer über gewisse wirtschaftliche Möglichkeiten verfügt haben könnten. Ob und wie weit hier aber auch Gelder an den Verein geflossen sein könnten, das müsste man tatsächlich mal genauer recherchieren. Ab den 1950er Jahren hatte man natürlich auch schon Dauerkarten, um gewisse Einnahmegarantien zu generieren. Die Zuschauer-Einnahmen dürften in den erfolgreichen 1950er Jahren für den FCK zweifelsfrei eine lukrative Einnahmequelle gewesen sein. Welchen Anteil sie in einer jährlichen Finanzplanung hatten, dazu fehlen auch detaillierte Zahlen. In der Saison 1964/65 kostete eine Dauerkarte auf der Nord- oder Südtribüne  120,--DM, SüdVortribüne 90,--DM und ein KV-Sitzplatz 60,--DM. Vereine haben in jenen Zeiten Einnahmen häufig auch über andere Events, wie Tanz- und Karnevals-Veranstaltungen generiert, wobei die Umsätze meist nur die Kosten gedeckt hatten. Ob und in welchem Umfang hier auch Gewinne erwirtschaftet werden konnten, auch das müsste man näher untersuchen.

 

Der 1. FC Kaiserslautern ist untrennbar mit dem Namen Fritz Walter verbunden und auch umgekehrt. Welche Bedeutung hatte diese Liaison für die weitere Geschichte des Vereins?

Ab 1937 hat Fritz Walter den Verein geprägt. Er hat seine ersten Spiele absolviert, er hat wesentlich dazu beigetragen, dass es der FCK bis zur Saison 1939/1940 zurück in Gauliga schaffte, hat sein erstes Länderspiel absolviert und allein damit schon in jenen Jahren auch den Vereinsnamen in die Gazetten getragen.

 

Wenn man sich mal vor Augen hält, wie er beispielsweise selbst in seinem Buch "Das Spiel meines Lebens" die Begebenheiten rund um die Vorkommnisse und die glücklichen Fügungen im Kriegsgefangenenlager in Rumänien bewertet, könnte man mutmaßen, ohne Fritz Walter würde es den FCK so nicht geben! Er wäre vielleicht nie aus der Gefangenschaft heimgekehrt, folglich hätte es kaum die legendäre Walter-Elf gegeben, der FCK wäre womöglich in der Oberliga nicht so erfolgreich gewesen, seinerzeit vielleicht auch nicht Deutscher Meister geworden und womöglich auch nicht in die Bundesliga eingezogen?

Letztlich ist diese Schlussfolgerung spekulativ aber auch nicht ganz von der Hand zu weisen.

 

Die Geschichte eines Sportvereins wird nicht nur durch seine Athleten und Sportler geprägt. Mitunter spielen hier auch Funktionäre eine nicht unerhebliche Rolle, wie es zum beispielsweise die Rolle von Karl Landauer beim FC Bayern München eindrucksvoll zeigt. Welche herausragenden Persönlichkeiten im administrativen Bereich können hier beim FCK genannt werden?

Wenn man in die Anfangszeit des Vereins zurückgeht, dann muss man zweifellos den Lehrer Georg Pöppl herausheben. Er war quasi der Turnvater Jahn für den Spiel-Sport in Kaiserslautern. Er war Turnlehrer, hat den Fußball in der Stadt salonfähig gemacht, war Vorsitzender des ersten Tennisclubs und des Schachvereins. Außerdem war er das erste Ehrenmitglied in unserer Vereinsgeschichte. Der FC Palatia hat ihn zum Ehrenmitglied ernannt. Nennen kann man natürlich auch Ludwig Müller, der in den Jahren 1931 bis 1936 und von 1950 bis 1955 Präsident und prägende Figur war. Man spricht beim Betrachten der Vereinshistorie des FCK viel über Personen und Persönlichkeiten, die mit dem FV Kaiserslautern in Verbindung stehen. Leider werden weniger diejenigen gewürdigt, die aus dem FC und dem SV Phönix hervorgegangen waren, wie zum Beispiel dem Unternehmer Paul Karch, dem ein Möbelhaus in Kaiserslautern gehörte. Er war auch der erste Nachkriegspräsident nach 1945 und gilt ebenfalls als prägende FCK-Figur. Zu nennen wäre auch Karl Wünschel, seinerzeit Direktor der Stadtsparkasse, der zwischen 1909-1910 und zwischen den Spielzeiten 1921/22 und 1924/25 zweimal Präsident war. In der jüngeren Vergangenheit war im positiven Sinne prägend zweifelsohne auch Norbert Thines, der nicht nur als Präsident sondern auch als Geschäftsführer viele Spuren hinterlassen hat, die bis heute sichtbar und fühlbar sind. Auch Pfarrer Udo Sopp war sicher eine prägende Präsidenten-Persönlichkeit.

 

Erst kürzlich konnte der Verein das 100-jährige Bestehen seiner Spielstätte am Betzenberg feiern. Wo hatte der Verein eigentlich vor dem Sportplatzbau auf der gleichnamigen Anhöhe Fußball gespielt. Welche Sportstätten waren früher und welche sind heute noch für die Vertreter anderer Sportarten von Bedeutung?

Die erste Spielstätte, die unser Verein beziehungsweise die Vorgängervereine genutzt haben war der städtische Spielplatz im Ländel, der so etwa 1895 erstmals für sportliche Aktivitäten genutzt wurde, auch für Fußball und unter anderem auch für Tennis. Da die Anlage früh auch schon für den Schulsport genutzt wurde, war sie irgendwann zu klein. Die Kapazitäten reichten nicht mehr aus. 1906 genehmigte die Stadt den Bau einer neuen Platzanlage an der Papiermühle, die dort 1908 eingeweiht werden konnte. Dort waren zwei Plätze für Fußball und ein dritter Platz für Hockey entstanden. Genannt wird auch oft der Sportplatz Waldschlößchen, der wohl vom FC 1900 angelegt und nach derzeitigem Stand zwischen 1907 und 1914 genutzt worden sein soll. Allerdings habe ich noch keinen Nachweis dazu gefunden, aus dem hervorgeht, dass die FCK-Vorgänger hier Heimspiele ausgetragen haben. Fest steht, dass die Anlage später vom FC Olympia übernommen wurde. Fußball und Leichtathletik wurden vor allem auf der Eselsfürth betrieben. Der dortige Barbarossapark war die Spielstätte, die bis zum Bau der Anlage auf dem Betzenberg die zentrale Sportstätte für unsere Vorgängervereine war. 1920 wurde dann die Anlage auf dem Betzenberg gebaut, mit Plätzen für Fußball, Handball, Hockey, Leichtathletik, Tennis. Zumindest in unserem Verein gab es für die genannten Sportarten ab da keine anderen Plätze als die auf dem Betze. Aber auch der 1921 eingeweihte Phönix-Platz an der Reichswaldstrasse hatte dem Verein bis 1934 gehört und der FCK hat in diesen Jahren immer mal wieder dort gespielt.

 

Spätestens seit Gründung der Fußball-Bundesliga zieren zahlreiche legendäre Spiele die Geschichte des Vereins. Mit bitteren Niederlagen und mit glanzvollen Siegen. Welche drei Begegnungen sind in Deinem Gedächtnis besonders verankert?

Da ziehe ich mal Begegnungen mit positiver Wirkung heran. Angefangen mit der Meisterschaft 1991. Das entscheidende Spiel in Köln habe ich zwar nicht live im Stadion erlebt, aber es war auch am TV-Gerät ein unvergessliches Erlebnis. 1998 war ich dann komplett dabei und hier ist für mich vor allem das Heimspiel gegen Wolfsburg am 33. Spieltag das Spiel, das mir besonders in Erinnerung bleiben wird. Aber von allen Spielen, die ich je gesehen habe, war die Partie gegen den 1. FC Köln am 18. Mai 2008 das für mich am meisten elektrisierende Spiel. Emotionalität, Tragik, Bedeutung, Choreographie des Ablaufes, all das hätte man nicht spannender inszenieren können.

 

Seit 2011 verfolgt der Verein den Aufbau eines Museums. Ein Prozess, den auch Du und zahlreiche Mitstreiter des Museums-Fördervereins "Initiative Leidenschaft FCK – Fritz-Walter-Museum Kaiserslautern e.V." unterstützen. Welche Bedeutung haben die Dokumentationsarbeit und die Ausstellung im heutigen Fritz-Walter-Stadion für die bisherige und für die künftige wissenschaftliche Aufarbeitung der Vereinsgeschichte?

Das Museum hat dafür einen unschätzbaren Wert. Die meisten Besucher sehen hier natürlich erst einmal nur eine Ausstellung. Aber es ist eben viel mehr. Es ist für uns vom Förderverein und für mich für meine Forschungsarbeit ein wichtiger Ort der Begegnung, ein Ort des Austausches, wo sich ständig neue Erkenntnisse, neue Blickwinkel ergeben. Eine Ausstellung anzubieten ist eine gute Sache, aber wenn wir die Geschichte dahinter, auch hinter jedem einzelnen Exponat nicht kennen, ist es eigentlich wertlos. Es ist unglaublich, wie viele Erkenntnisse wir dort schon gewonnen haben, nur weil man zum Beispiel mit jemand ein Gespräch führen kann, der ein Exponat aushändigt. Natürlich ist das Museum auch ein Arbeitsort, wo Forschung praktiziert wird. Dazu gehören Tätigkeiten wie lesen, sortieren, digitalisieren, analysieren, archivieren und vieles mehr. Fakten und Objekte werden durch ihren historischen Kontext interessant und bedeutsam. Egal ob es sich um einen Fetzen Papier oder eine wichtige Trophäe handelt.

 

Du bist selbst glühender FCK-Fan. Nach einem kleinen Exkurs in 120 Jahre Vereinsgeschichte zurück in die Gegenwart und damit verbunden noch eine persönliche Einschätzung. Wie siehst Du die Zukunft des 1. FC Kaiserslautern?

Es fühlt sich seit Jahren an, als hätten sich dunkle, graue, triste Wolken über dem Verein zusammengezogen. Man kann nur hoffen, dass sich daraus Fritz-Walter-Wetter ergießt und nicht ein Tornado, sonst wird es ganz dunkel.

 

Wir bedanken uns ganz herzlich für das informative Gespräch und auch von Seiten des Museumsteams die herzlichsten Glückwünsche zu einer Historie, die immerhin bis ins Jahr 1900 zurückreicht. Vorerst!

 

mg

 


Foto: Archiv Eric Lindon
Foto: Archiv Eric Lindon

"Rote Jäger" gegen "Rote Teufel"

Heute vor 55 Jahren Wiedergründung der Soldatenmannschaft "Rote Jäger"

21.05.2020

 

Heute vor 55 Jahren, am 21. Mai 1965, fand auf dem Fußballplatz der TSC Zweibrücken ein besonderes Fußballspiel statt. Dabei gastierte unter der Leitung von Schiedsrichter-Legende Albert Dusch der 1. FC Kaiserslautern mit seiner damaligen Bundesliga-Mannschaft in der Westpfalz. Gegner vor rund 4.000 Zuschauern, die Elf der Soldatenmannschaft "Rote Jäger", die an jenem Maitag bei der 26. Fallschirmjägerbrigade ihre offizielle Wiedergründung erfuhr.

 

Ursprünglich gegründet wurden die "Roten Jäger" von Jagdflieger Hermann Graf im Kriegsjahr 1943. Ein fußballbegeisterter Luftwaffenoffizier, der unabhängig vom Standort seines Geschwaders, Fußballspielern, die aufgrund des Kriegsverlaufs Abkommandierungen hinnehmen mussten, die Möglichkeit bot in seiner Mannschaft spielen zu können, wenn sie schon nicht in den Vereinen, denen sie bereits angehörten, bedingt durch den Krieg, spielen konnten. In dieser Mannschaft, die während des Krieges nur Freundschaftsspiele austrug, waren unter anderem die Nationalspieler Hermann Eppenhoff, Franz Hanreiter, Alfons Moog, Josef Stroh und eben auch Fritz Walter aktiv, die dadurch zeitweise vom Fronteinsatz verschont wurden. Auch Reichstrainer Sepp Herberger, war zeitweise Trainer der Militärmannschaft. Er vermittelte Spieler für Hermann Grafs "Rote Jäger", um diese vom Fronteinsatz fern zu halten. Da das Geschwader später allerdings selbst an die Ostfront verlegt wurde, nachdem es zuvor in der Lüneburger Heide und danach in Jever stationiert war, blieben letztlich auch die Roten Jäger nicht vom Krieg verschont.

 

So wundert es auch nicht, dass Fritz Walter anlässlich des Freundschaftsspiels zur Wiedergründung der "Roten Jäger" 1965 vor Ort war. Mit Grüßen ehemaliger Kameraden im Gepäck sowie einem Teddy-Bär, der als Maskottchen überreicht wurde. Karl Mildenberger, Box-Europameister im Schwergewicht, nahm den Anstoß zu der Partie vor. Bei der Partie der "Roten Jäger" gegen die "Roten Teufel" schienen die Gastgeber ihrem Namen alle Ehre zu machen. "Rote Jäger" jagten 1.FCK, titelte die Pfälzische Volkszeitung am 24. Mai. Die Soldatenmannschaft gewann durch zwei Tore von Jürgen Wingert (Ludwigshafener SC), der bereits in der 12. Minute seinen ersten Treffer markierte und in der 88. Minute mit seinem zweiten Tor quasi den Sack zumachte.

 

mg


Foto: Archiv 1. FC Kaiserslautern
Foto: Archiv 1. FC Kaiserslautern

Der Pokal-Triumph im fünften Anlauf

Heute vor 30 Jahren - der erste Pokalsieg des FCK - ein etwas persönlicherer Rückblick

19.05.2020

 

Es war ein unvergessliches Erlebnis und ein in mehrfacher Hinsicht ganz besonderer FCK-Tag. Jener 19. Mai 1990. Die Roten Teufel hatten in einer von Abstiegsängsten geprägten Spielzeit neben dem mühsam erkämpften Klassenerhalt das Endspiel um den DFB-Pokal erreicht. Die Finalteilnahme führte die Schützlinge von Trainer Karl-Heinz Feldkamp um Mannschaftskapitän Stefan Kuntz nach Berlin. In das Stadion, in dem der FCK 37 Jahre zuvor den bis dato letzten Titel feiern durfte, den Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Es war auch das erste Pokalfinale im geschichtsträchtigen Berliner Olympiastadion nach dem friedlichen Fall der Mauer.

 

Es war eine Zittersaison, die Saison 1989/1990. Der FCK sah nach dem ersten Drittel der Rückrunde wie ein sicherer Absteiger aus. Nach der blamablen 0:4-Schlappe beim Rivalen aus Mannheim musste Trainer Gerd Roggensack seinen Stuhl räumen. Es kam Karl-Heinz Feldkamp, der sich nach seinem ersten erfolgreichen Engagement am Betzenberg in den Jahren 1978 bis 1982 nun also anschickte den Klassenerhalt noch zu stemmen. Zu diesem Zeitpunkt stand der FCK trotz der bedrohlichen Lage in der Liga, im Pokalwettbewerb im Halbfinale. Das Los führte die Roten Teufel für diese letzte Partie vorm Finale vom pfälzischen Betzenberg hinüber hessischen zum Bieberer Berg nach Offenbach. Die dort heimischen Kickers waren in der Vorsaison wegen Lizenzentzug in die Amateur-Oberliga Hessen abgestiegen und im Halbfinale klarer Außenseiter.

 

Dennoch wurde es eine für den FCK mühselige Angelegenheit, die Thomas Dooley in der 52. Minute mit dem einzigen Treffer des Abends für den Gast aus der Pfalz entschied. Viele werden sich sicher noch an den nasskalten Märzabend erinnern. In den Jubel nach dem Schlusspfiff mischte sich für viele Fans die Gewissheit, wir fahren nach Berlin! Seit 1985 war das dortige Olympiastadion dauerhafter Austragungsort des DFB für das jährliche Pokalfinale. Zumindest das Erreichen des Finales wurde schon mal gebührend gefeiert. Stadionsprecher Udo Scholz hatte noch während der Feier-Runde unten am Zaun, den einen oder anderen aus der rot-weißen Jubeltraube aufgefordert auf dem Heimweg doch in seiner damaligen Kneipe in Weinheim Halt zu machen. Es wurde eine rauschende Partynacht in "Udo’s Kronenstübchen", wo bis in die Morgenstunden der Gerstensaft floss.

 

Die Aufmerksamkeit in den folgenden Wochen galt einzig der Frage - wie komme ich an Tickets für’s Finale? Ich wohnte und studierte damals noch in der niedersächsischen Landeshauptstadt, weitab vom geliebten Betzenberg. Ich kann nicht mehr sagen über welche Kanäle es gelungen war eine Handvoll Tickets zu ergattern, aber es war gelungen. Schon am Vorabend hatte sich meine vierköpfige "Anreise-Besatzung" für die Fahrt in die heimliche Bundeshauptstadt in Hannover eingefunden. Die Anreise nach Berlin am Finaltag war für unsere rot-weiße "Reisegruppe" also nicht ganz so weit wie für die meisten FCK-Fans, die den Weg nach Berlin von der Pfalz aus antraten. Trotz ausschweifendem Vorglühen am Vorabend ging es in den frühen Morgenstunden, leicht übermüdet und mit einer Mischung aus verhaltenem Zweckoptimismus und trotziger Gewissheit Richtung Osten. Das Pokalfinale 1981, das erste, das ich live im Stadion erlebt hatte, saß noch wie ein Stachel in der noch jungen Fanseele. Die beiden Final-Pleiten 1972 und 1976 hatte ich eher aus der Distanz und noch nicht mit inbrünstiger Wahrnehmung erlebt, beim Finale 1961 hatte ich das Licht der Welt noch gar nicht erblickt.

 

Während die Jungs auf dem Weg über die A2 nach und nach die Biervorräte leerten und das Gesangs-Repertoire der Kurve rauf und runter zelebriert wurde, kam die letzte Reise-Etappe. Sechs Monate zuvor war die Mauer gefallen, doch der Staat DDR existierte noch. Die Einreise in die DDR an der Grenzübergangsstelle Helmstedt, ungewohnte Formsache. Am Grenzpunkt Dreilinden, der zweite Grenzübertritt, von der DDR nach Berlin. Die Grenzanlagen waren ja noch da. Lange Autoschlangen vor der Passkontrolle und dann rollte die in die Tage gekommene "Studentenkutsche" an der Glaskabine vor, hinter deren Scheibe zwei DDR-Grenzer die Annahme der Pässe erwarteten. Mit den gleichen stoischen und eisigen Gesichtsausdrücken, die man noch aus der Zeit kannte, als dies hier die Demarkationslinie zweier politischer Systeme war. Der Grenzer nahm die Pässe, schaute mit kritischem Blick in das Wageninnere, in dem fünf verstummte Gestalten saßen, vier davon mit Pegelständen in den Augen, die zum aktiven Fahren nicht mehr getaugt hätten. Überall Schals, Mützen, Bommel und diverse sonstige rot-weiße Fan-Utensilien. Mehrere Sekunden lang wanderte der strenge Blick des Mannes hinter der Scheibe, im Wechselspiel zwischen den Dokumenten vor seiner Nase und dem Wageninnern. Bis sich mit einem Mal sein eisiger Gesichtsausdruck in ein warmes Lächeln mutierte und er unter dem Tisch eine FCK-Mütze hervorzog. Die hielt er mit einer Hand hoch, mit der anderen Hand reichte er uns die Pässe zurück während er uns mit einem breiten Grinsen und mit einem noch breiteren sächsischen Akzent aufforderte - "mochd se ferd’sch"! Beide Grenzbeamte stimmten ein diebisches Lachen an, im Wageninneren war der erste Jubelschrei des Tages zu hören. Es sollte nicht der letzte bleiben.

 

Zielgerade, Frühstück bei Freunden in Charlottenburg und dann erst einmal ab in die Innenstadt. Am Kurfürstendamm, neben der Gedächtniskirche, hatten sich schon tausende FCK-Fans eingefunden, feierten im Vorfeld des Finales friedlich mit zahlreichen Fans von der Weser. Warum auch nicht, immerhin unterhielt man mit den Werder-Fans damals noch eine intensive Fanfreundschaft. Eine, die wirklich Substanz hatte und auf die auch beide Lager zumindest damals noch sehr stolz waren. "Werder und der FCK, duda, duda…"! Ob es in Berlin jemals davor oder danach noch einmal ein Pokalfinale gab, bei dem beide Fanlager eine so heitere, friedliche und dennoch euphorische Stimmung in der Stadt verbreitet haben, darf bezweifelt werden! Im Laufe des Nachmittags ging es dann mit tausenden per S-Bahn raus zum Olympiastadion. Die Schüssel wurde voll und voller. Das Lauterer Lager umgarnte das westliche Stadionareal um das Marathotor, während die Fans von der Weser die Ost-Kurve bevölkerten. Es war angerichtet, die Rollen waren klar verteilt. Hier eine sogar international erfahrene Truppe, die schon aus wirtschaftlichen Gründen eigentlich zum Siegen verdammt waren. Dort der Außenseiter aus der Pfalz, der erst zwei Wochen zuvor das Abstiegsgespenst in dieser Spielzeit endgültig vom Tisch gefegt hatte.

 

Trainer-Fuchs Karl-Heinz Feldkamp hatte sein Team gut eingestellt und die legten los wie die Feuerwehr. Das kongeniale Sturmduo Bruno Labbadia und Stefan Kuntz demontierten das Werder-Team mit so klangvollen Namen wie Mirco Votava, Rune Bratseth, Karl-Heinz-Riedle oder Wynton Rufer fast im Alleingang. Nach einer Ecke von links in der 19. Minute irrte Werder-Keeper Oliver Reck im Fünfmeterraum vogelwild vor seinem Kasten rum, Bruno Labbadia stand am kurzen Pfosten goldrichtig und stieß die Kugel zur Lauterer Führung ins Netz - 1:0 Lautern! Das hatte sich Werder-Trainer Otto Rehhagel so vermutlich nicht vorgestellt und den geschockten Bremern fuhr nur sieben Minuten später der nächste Schreck durch die Glieder. In der 26. Minute prüfte Bruno Labbadia nach einem Freistoß von halbrechts aus zentraler Position mit einem satten Schuss den Werder-Keeper. Oliver Reck hechtete zum Ball, konnte nur abklatschen, doch der Ball passierte seine Hände und kullerte träge aber zielsicher über die Bremer Torlinie - 2:0 Lautern! Man war geneigt sich mitten im frenetischen Jubel kneifen zu müssen. War das wirklich wahr, was da geschah?

 

Die Bremer waren nun völlig von der Rolle, nichts mochte mehr gelingen. Weitere vier Minuten später der nächste Stich ins grün-weiße Herz. Bei einem Angriff über die linke Seite marschierte Markus Schupp, der auf halb rechts gestellt zu Frank Lelle durchsteckte. Nach dessen weiter Flanke vors Werder-Tor war die Bremer Deckung einmal mehr nicht im Bilde, stand Stefan Kuntz goldrichtig und köpfte aus kurzer Distanz ins Tor - 3:0 Lautern! Der FCK-Anhang nun vollends aus dem Häuschen, "Kalli" Feldkamp zelebrierte Freudentänze auf der Tartanbahn, auf den vom Lauterer Anhang bevölkerten Tribünen lagen sich wildfremde Menschen in den Armen. Nun schien es Gewissheit zu werden, der FCK war auf der Siegerstraße. Bis zur Pause kam Werder eigentlich nicht mehr über die Mittelinie, der Favorit war völlig konsterniert. Selbst ein vierter oder fünfter Treffer für den FCK wäre bis zum Gang in die Kabine noch möglich gewesen, aber es ging mit 3:0 in die Pause.

 

Es war zu erwarten, dass Otto Rehhagel für den zweiten Durchgang noch einmal einschwören würde und die Bremer die Partie noch nicht verloren gaben. In der Tat kam Werder wie verwandelt aus der Kabine und die offiziell 76.391 Zuschauer sahen eine zweite Halbzeit, die an Spannung kaum zu überbieten war. Die mehr als 30.000 FCK-Fans sahen eine Werdermannschaft, die von Beginn an Dampf machte. Der FCK verlor zusehends den Faden. In der 54. Minute gelang Frank Neubarth, der schon in der 35. Minute für Frank Wolter gekommen war, der Anschlusstreffer. Nur zwei Minuten davor hatte Otto Rehhagel mit dem kürzlich viel zu früh verstorbenen Manfred Burgsmüller eine vierte Spitze gebracht. Die Bremer wollten nun mit aller Macht den FCK hinten rein drängen. Dennoch gelang es dem FCK das Spiel nun für eine knappe Viertelstunde ein wenig zu beruhigen. Doch dann spielte Werder nochmal auf und kam durch das eingewechselte Schlitzohr Manfred Burgsmüller in der 72. Minute zum Anschlusstreffer. Karl-Heinz Feldkamp brachte wenig später Axel Roos für Markus Schupp, um die Defensivarbeit weiter zu festigen. Es folgten weitere Bremer Chancen, immer wieder durch Manni Burgsmüller, aber auch Karl-Heinz Riedle und Günter Hermann hatten den Ausgleich auf dem Fuß.

 

Der Lauterer Anhang spürte, dass dies noch hätte schief gehen können. Ständig der bange Blick auf die Uhr. Die Minuten rannen dahin. Doch das Abwehrbollwerk der Lauterer, die aufopferungsvoll fighteten, hielt. Vor allem Franco Foda absolvierte an jenem Tag sein vielleicht bestes Spiel im Lauterer Dress. Dann war es endlich soweit. Um 19.52 Uhr pfiff Schiedsrichter Manfred Neuner die Begegnung ab, der FCK war erstmals in seiner Vereinsgeschichte DFB-Pokalsieger. Nach vier erfolglosen Anläufen, der erste Coup im Cup! Ausgerechnet an genau der Wirkungsstätte, an der man 1953 den letzten großen Titel eingefahren hatte. Ein in jeder Hinsicht bemerkenswerter FCK-Tag. Kurios mutete an jenem Tag auch an, dass sich die Schwester von "Abwehrhüne" Reinhard Stumpf mit den Damen des FSV Frankfurt am Nachmittag ebenfalls den Pokal-Titel gesichert hatte. Es war dann Stefan Kuntz, der unter dem Jubel des glückseligen FCK-Anhangs um etwa 20 Uhr den Pokal aus den Händen von Bundespräsident Richard von Weizsäcker empfing und ihn in den gleißenden Berliner Sonnenuntergang reckte.

 

Für die Fans ging die Party nun richtig los! Auf dem Weg zu den Parkplätzen, zu U- und S-Bahn singende Menschenmengen, die in ihre La-Ola-Wellen sogar die Polizeikräfte mit einbanden. Letztere hatten auch nach dem Spiel nicht viel zu tun. Der überglückliche Lauterer Anhang nahm sich an unzähligen Stellen rund ums Stadion und in der Stadt auch immer wieder Teilen des Bremer Anhangs an, der kurzerhand in die Feierlichkeiten eingebunden wurde und trotz der Niederlage auch kräftig mitfeierte. Sicher bisweilen aus Frust, aber ganz gewiss auch aus ein wenig Sympathie heraus. Auch unsere kleine Reisegruppe tauchte in der Stadt irgendwo in diverse Spontanfeierlichkeiten ein, die bis tief in die Nacht andauerten. Es war dann schon hell, als wir auf der Rückfahrt nach Hannover Helmstedt passierten. Endlich daheim angekommen galt es mit noch ein wenig Schlaf die Ankunft der Helden vom Vortag in der Lauterer Heimat live am Bildschirm zu verfolgen. Der Korso durch die Stadt, die Menschenmengen vor dem Rathaus, ein bis dahin nie gekanntes Bild. Es war der Auftakt zu einem FCK-Jahrzehnt, das man niemals vergessen wird. Ein Jahr nach dem Pokaltriumph wurde der FCK zum dritten Mal Deutscher Meister, 1996 trotz erstmaligem Abstieg aus der Bundesliga erneut Pokalsieger und 1998 als bisher erster und einziger Aufsteiger zum vierten Mal Deutscher Meister. Aber das sind andere Geschichten und Erlebnisse, über die an anderer Stelle und zu anderen Zeiten detailliert zu berichten sein wird.

 

mg


Foto: Archiv 1. FC Kaiserslautern
Foto: Archiv 1. FC Kaiserslautern

Der lange Weg vom Sportplatz zum Mythos

Heute vor 100 Jahren wurde auf dem Betzenberg der erste Sportplatz eingeweiht

13.05.2020

 

Der Betzenberg in Kaiserslautern - ein Begriff, der bei vielen fußballbegeisterten Menschen unweigerlich ein Gänsehautgefühl verursacht und das weit über die Grenzen der Pfalz hinaus. Auf der gleichnamigen Anhöhe südlich der Lauterer Kernstadt erhebt sich ein Stadion, das bis 1985 auch "Betzenberg-Stadion" hieß, seither als "Fritz-Walter-Stadion" dem Namen des wohl bekanntesten Sohnes der Stadt huldigt und das bis heute von FCK-Fans landauf und landab schlicht und ergreifend noch immer einfach nur "Betze" genannt wird. Ein Stadion, dessen Geschichte wohl auf ewig untrennbar mit dem 1. FC Kaiserslautern verbunden ist und verbunden bleiben wird. Seine Geschichte beginnt genau heute vor 100 Jahren, als am 13. Mai 1920 eine damals noch als Sandplatz angelegte Sportstätte eingeweiht wurde. Eine Sportstätte, die schon bald zum Stadion avancierte und über die Jahrzehnte kontinuierlich wuchs. Größer wurde, länger, breiter, höher und komfortabler. Für manchen nicht unbedingt schöner, für zigtausende aber zum Mythos wurde, zu einem Ort und einem Terminus, der Legenden erzeugte und bis heute Legende ist. Majestätischer und optisch dominierender als je zuvor steht das Stadion heute über der Stadt. Wie eine trutzige Salier- oder Stauferburg, auf einer Pfälzer Bergkuppe, kragt die imposante Stadion-Architektur heute über die felsige Abbruchkante an der nördlichen Seite der Anhöhe und vermittelt als "Festung des Volkssports Fußball" ein in Beton gegossenes und in Stahl geschweißtes "WIR", als Sinnbild dafür, was den Fußball in Kaiserslautern stets ausgezeichnet hat. Hinter diesem Nimbus liegt ein langer Weg mit vielen Höhen und Tiefen.

 

Als die Arbeiten an der neuen Sportstätte begannen, hieß der 1. FCK noch FV 1900 Kaiserslautern, dem nach dem ersten Weltkrieg noch eines fehlte. Eine fußballerische Heimat in Form eines eigenen Sportplatzes. Ein Jahr nach dem Ende des Krieges erwarb der Verein dann ein Grundstück auf der Anhöhe im Süden der Stadt, die den Namen "Betzenberg" trug. Bis heute auch der Name des umgebenden Lauterer Stadtteils. Nachdem andere Plätze im Stadtgebiet Bauprojekten und neuen Straßen weichen mussten, sollten die Fußballsportler hier oben endlich eine feste Heimat finden. Doch schon der Grundstückskauf ließ wenig Spielraum für weitere höhere Investitionen oder für teure Auftragsarbeiten zum Herrichten und zum Bau des Platzes. Zwar wurde schon damals ein "Sportplatz-Fonds" angelegt, der einiges an Geldmitteln einspielte, doch letztlich mussten die Fußball-Pioniere von damals eben auch selbst Hand anlegen. Das entpuppte sich bald als echte Schinderei. Das Areal musste zunächst gerodet werden. Bäume wurden gefällt, Strauchwerk beseitigt und das Gelände mit umfangreichen Erdarbeiten eingeebnet. Idealisten des Vereins waren monatelang mit Spaten, Äxten und Pickeln mit dieser harten Arbeit beschäftigt. Unterstützt wurden sie von zahlreichen Arbeitslosen aus der Stadt, von denen viele als Kriegsheimkehrer dankbar waren einer Beschäftigung nachgehen zu können, die meist nur mit der nötigen Verpflegung entlohnt wurde.

 

Im Mai 1920 war es dann soweit, der Sandplatz konnte eingeweiht werden. Mit diversen sportlichen Wettkämpfen und einem "Fußball-Wettspiel" zwischen dem FVK und dem FC Pfalz Ludwigshafen, das die Gäste vor rund 3.500 Zuschauern mit 0:2 für sich entscheiden konnten. Doch diese Einweihungsniederlage hinderte die Enthusiasten nicht am weiteren Ausbau des Platzes. So wurden Stehränge aufgeschüttet und in unmittelbarer Nachbarschaft des Platzes auch zwei Tennisplätze angelegt. 1925 entstand am südlichen Spielfeldrand eine schmucke Holztribüne. Daneben wurde ein Ehrenmal zur Erinnerung an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges errichtet. Bereits 1926 wurde das Spielfeld in einen Rasenplatz umgewandelt. Der hölzerne Tribünenbau wurde allerdings am 23. November 1930 bei einem Orkan, der über ganz Europa wütete, regelrecht zerfetzt. Ein herber Rückschlag für den Verein! Mit weiteren Ausbaumaßnahmen in den Dreißigerjahren entstanden in den Kurven ebenfalls Stehstufen und auf Nordseite eine Holztribüne auf einem gemauertem Sockel. Auch die südliche Tribüne wurde wieder aufgebaut sowie diverse Infrastruktur für Leichtathletik mit Laufbahn, Hoch- und Weitsprunganlagen angelegt. Die Anlage hatte nun eine Kapazität von immerhin 18.000 Zuschauern und verdiente fortan auch die Bezeichnung "Stadion".

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Stadion Ende 1945 von der französischen Besatzungsmacht wieder freigegeben und vorübergehend in "Stade de Montsabert" umbenannt. In den "Hungerjahren" nach dem Krieg galt es zunächst Bombenschäden auszubessern. 1948 wurden ein Kabinentrakt mit Duschräumen und einer kleinen Stadiongaststätte errichtet und 1953 wurden weitere Erweiterungen vorgenommen, so dass zu den Spitzenspielen der Oberliga Südwest immerhin schon 25.000 Zuschauer Platz im Stadion auf dem Betzenberg fanden. Dennoch war die Anlage in diesem für den FCK überaus erfolgreichen Jahrzehnt für die Endrundenspiele um die Deutsche Meisterschaft meist zu klein. Deshalb wich der Verein dafür auch regelmäßig ins etwa 60 Kilometer entfernte Südweststadion in Ludwigshafen aus. Damals immerhin das zweitgrößte Stadion der noch jungen Republik! Es sollte nicht die einzige und letzte Phase bleiben, in der die Roten Teufel Heimspiele in der Chemiestadt austrugen.

 

1963 qualifizierte sich der 1. FC Kaiserslautern für die Aufnahme in die neu geschaffene Bundesliga. Als Voraussetzung hierfür hatte der DFB ein Stadion mit einem Fassungsvermögen von 35.000 Zuschauern und einer modernen Flutlichtanlage vorgeschrieben. Um die geforderte Kapazität zu erreichen, wurden die Kurven sowie die Südtribüne abgetragen und vollständig erneuert, wobei ein großes Dach nunmehr die ca. 9.000 Tribünenbesucher vor Regen schützte. Am nördlichen Spielfeldrand ersetzte 1972 schließlich eine Stahlkonstruktion den alten Holzbau und in diese neue Nordtribüne konnten die FCK-Geschäftsstelle sowie eine gemütliche Vereinsgaststätte einziehen. Die nächsten Umbaumaßnahmen betrafen die Jahre 1978 und 1984 mit den bis dahin auf Wällen errichteten Ost- und Westkurven, die überdachten Stehplatztribünen weichen mussten. Der FCK wich in den Ausbaujahren 1972 und 1978 übrigens für die Austragung einiger Bundesliga-Partien erneut in das Ludwigshafener Südweststadion aus. In den frühen Neunzigerjahren wurde nach 20 Jahren die Nordtribüne als nicht mehr zeitgemäß angesehen und es begann die Planung eines Großprojektes. 1993/1994 wurde die Tribüne durch einen aufwändigen Neubau mit modernster Inneneinrichtung ersetzt. Wobei dem Stadion damit allerdings ein Teil seiner charakteristischen Enge genommen wurde, da die unteren Sitzränge nun deutlich weiter vom Spielfeldrand entfernt waren als zuvor. 1998 musste dann die Südtribüne einer Neukonstruktion weichen - und dann kam der 15. April 2002! An diesem Tag wurde in Frankfurt der Bewerbung Kaiserslauterns für die WM 2006 in Deutschland stattgegeben - Kaiserslautern und das Fritz-Walter-Stadion würden Gastgeber bei der Weltmeisterschaft im Sommer 2006 sein. Die eifrigen Bemühungen des WM-Botschafters Fritz Walter, des damaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck sowie des Kaiserslauterer Oberbürgermeisters Bernhard Deubig hatten Früchte getragen. Die Kritiker und Skeptiker, die von Anfang an den Standpunkt vertreten hatten, dass dieses Projekt für Stadt und Verein eine Nummer zu groß sei, wurden seinerzeit nicht gehört, sollten am Ende aber Recht behalten.

 

Wieder rollten auf dem Betzenberg die Kräne und Baumaschinen an, um das Stadion auf die von der FIFA geforderte Kapazität von 48.500 Sitzplätzen zu vergrößern und etliche Verbesserungen der Stadion-Infrastruktur zu gewährleisten. Dabei galt es zahlreiche Schwierigkeiten zu überwinden. Der beauftragte Baukonzern Philipp Holzmann geriet in Schieflage, musste Insolvenz anmelden. Die Kosten für den Ausbau explodieren und der FCK konnte seinen Anteil an den Baukosten nicht mehr aufbringen. So geriet auch der Verein in Schwierigkeiten und das Stadion musste 2003 zusammen mit dem vereinseigenen Nachwuchsleistungszentrum "Fröhnerhof" an eine eigens gegründete städtische Stadiongesellschaft veräußert werden. Damit hatte der Verein ein Alleinstellungsmerkmal verloren, war der FCK doch über Jahrzehnte der einzige Bundesligaverein, der ein eigenes Stadion besessen hatte, in dem er fortan nur noch als Mieter logieren sollte. Trotz aller Hürden ist das Fritz-Walter-Stadion am Ende doch noch rechtzeitig für die WM 2006 fertig geworden. Leider war es Fritz Walter selbst nicht mehr vergönnt, die fünf Weltmeisterschaftsbegegnungen in dem seit 1985 nach ihm benannten Stadion zu erleben. Fritz Walter ist am 17. Juni 2002 in seinem Haus in Alsenborn verstorben.

 

In Kaiserslautern war die Freude auf der Zielgeraden zur WM groß, als mit Italien, Australien, Japan, Saudi-Arabien, Spanien, den USA, Paraguay und Trinidad-Tobago attraktive Mannschaften aus allen Himmelsrichtungen der Barbarossastadt zugelost wurden. Die Spiele im Juni 2006 waren für die Stadt Kaiserslautern ein wahres Sommermärchen. Zehntausende Besucher aus aller Welt weilten drei Wochen lang bei Sonnenschein in der Pfalz und waren von der Gastfreundschaft und dem bunten Programm rings um den Fußball hellauf begeistert. Das Vertragskonstrukt zur Finanzierung des Stadionumbaus und die vertraglichen Vereinbarungen zur Nutzung als Mieter belasten den 1. FCK jedoch bis in die Gegenwart.

 

Das Fassungsvermögen betrug nach dem Ausbau zur WM-Arena für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 offiziell 48.500 Zuschauer. Das Stadion verfügte hierbei über 32.137 Sitzplätze und 16.363 Stehplätze. Bei der WM 2006 wurde die Zuschauerzahl offiziell noch mit 46.000 Zuschauern angegeben, da die Erweiterung des Pressebereiches auf der Nordtribüne zu einer Verringerung der regulären Zuschauerplätze führte. Bei nationalen Spielen sind mit einer Ausnahmegenehmigung rund 50.000 Zuschauer zugelassen. Den bis heute gültigen Zuschauerrekord für das Fritz-Walter-Stadion gab es am 6.Mai 2006 beim Bundesligaspiel des 1. FCK gegen den FC Bayern München als 50.754 Besucher das 1:1 Unentschieden gegen die Münchner sahen. Die Regelkapazität von 48.500 Zuschauern wurde erstmals beim Spiel am 18. Mai 2008 gegen den 1. FC Köln erreicht. Zur Saison 2010/2011 wurde die Regelkapazität auf 49.780 Zuschauer erhöht. Möglich wurde dies durch weitere VIP-Plätze auf der Osttribüne sowie eine erhöhte Anzahl an Stehplätzen für die Gästefans.

 

Das Stadion hat in seiner 100-jährigen Geschichte vieles erlebt und jeder Fan - gleich welcher Generation - wird mit diesem Ort seine eigenen persönlichen Highlights verbunden wissen und manifestiert haben. Dazu gehören unvergessliche Spiele auf nationaler wie internationaler Bühne. Seien es die umkämpften Oberliga-Begegnungen und die Spiele um die Deutsche Meisterschaft in der Zeit bis zur Bundesligagründung, das Abschiedsspiel Fritz Walters im Jahr 1959, der Bundesligaauftakt gegen den FC Schalke 04 im Sommer 1983, die zahlreichen unvergessenen Heimspiele im UEFA-Cup wie dem legendären 5:0 gegen Real Madrid im März 1982, die brodelnde Champions-League-Partie gegen den FC Barcelona im November 1991, das erste DFB-Länderspiel der A-Nationalmannschaft gegen die Nati aus der Schweiz im April 1988, unzählige Bundesligaspiele, die bis heute Legenden-Status haben, wie dem 7:4 Sieg gegen den FC Bayern München im Oktober 1973, die feurigen Derbys und Schlachten gegen Clubs wie den Karlsruher SC oder den SV Waldhof Mannheim oder die entscheidenden Partien, die dem FCK vier Meistertitel bescherten und mit der letzten Meisterschaft 1998 einen weiteren Nimbus von Einmaligkeit bescherten, als der FCK als erster Aufsteiger direkt Deutscher Meister wurde - um nur ein paar wenige leuchtende Momentaufnahmen aus den zurückliegenden Jahrzehnten herauszugreifen.

 

Jedes Spiel für sich eine eigene Geschichte und jedes Spiel auf seine Weise irgendwie anders und etwas Besonderes. Doch eines haben all diese Partien und unzählige weitere Spiele gemeinsam. Die Atmosphäre im Stadion, die manchem gegnerischen Spieler bisweilen das Blut in den Adern stocken ließ und die ohne die enthusiastischen Zuschauer und die treuen Fans auf den Tribünen undenkbar wäre. Ein Stadion und seine Architektur sind erst einmal nur ein leerer und lebloser Korpus. Das Blut in seinen Adern, sind die Fans, ist die Kulisse, die mit ihrer mitunter feurigen Mentalität aus einem Bauwerk aus Beton, Stahl, Stein, Erde und Holz einen lebendigen brodelnden Vulkan zu schüren vermag. Eine Akustik, die sich mit dem Geschrei aus tausenden Kehlen potenziert, die mit Lautstärke, Stimmung und dem damit verbundenen Geist, gerade diesem Stadion bis heute einen Nimbus von Einzigartigkeit verleiht. Ein Attribut, das auch heute seine Gültigkeit hat, selbst wenn der FCK mittlerweile in der dritten Liga sein Dasein fristet. In diesem Sinne auch vom Museumsteam, herzlichen Glückwunsch zu Deinem 100. Geburtstag, lieber "Betze"!

 

mg / hw


Foto: Archiv Eric Lindon
Foto: Archiv Eric Lindon

Auf den Spuren der Wurzeln des Hockey- und Tennissports

 

Heute vor 95 Jahren wurde in Kaiserslautern der erste Verein gegründet

04.04.2020

 

Nicht immer ist alles so, wie es auf den ersten Blick aussieht. Auch im Sport nicht. Im Jahr 1962 wurde in Kaiserslautern der 1. Hockey- und Tennisclub Kaiserslautern gegründet, der bis heute seinen sportlichen Aktivitäten auf dem vereinseigenen Gelände in Wiesenthalerhof nachgeht. Aber ist dies tatsächlich der erste Verein seiner Art in der Barbarossastadt? Mitnichten, wie unser Vereinshistoriker Eric Lindon herausgefunden hat.

 

Dafür gilt es beim Blick in die Archive auf eine wesentlich frühere Zeit zu schauen. Genauer gesagt auf das Jahr 1925. Die noch junge Weimarer Republik hatte in dieser Zeit ihre ersten ernsten Bewährungsproben einigermaßen glimpflich überstanden. Das gesellschaftliche Leben in Deutschland war nach dem 1. Weltkrieg einer teils wilden Dynamik unterworfen, mit der auch immer wieder Veränderungen und Verwerfungen bestehender Strukturen zu überwinden waren. Im Sport und hier insbesondere im Vereinswesen, gab es in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts immer wieder tiefgreifende Veränderungen. Vor allem in den 1920er Jahren. Neugründungen und Auflösungen von Vereinen, Fusionen und Zusammenschlüsse bestehender Vereine, Erweiterungen des Sportangebotes mit daraus resultierenden und teilweise notwendigen Abteilungsgründungen, waren gang und gäbe. Oder auch nur das Bestreben nach Eigenständigkeit von Sporttreibenden, die bislang in bestehenden Vereinen ihre Heimat gefunden hatten.

 

Für die Pfälzische Volkszeitung war in ihrer Ausgabe vom Donnerstag, dem 9. April 1925 ein solcher Vorgang eine Notiz wert. Hier heißt es, "Der hiesige Sportverein Phönix hat in seiner Generalversammlung vom 4. April den Bestrebungen der Hockeyabteilung auf Selbständigmachung Rechnung getragen und die Auflösung der Abteilung beschlossen. Diese hat sich mit allen aktiven und passiven Mitgliedern am vergangenen Samstag im Hotel Kaiserhof zusammengefunden und die Gründung des 1. Hockey- und Tennisclub Kaiserslautern vorgenommen." Historisch bewanderte FCK-Freunde werden sich erinnern, dass der als FC Phönix 1910 Kaiserslautern gegründete und wohl nach dem 1. Weltkrieg in SV Phönix 1910 Kaiserslautern umbenannte Sportverein der jüngste der Vorgängervereine unseres heutigen 1. FC Kaiserslautern ist. Hieraus also ging die erste Initiative zu einem eigenständigen Hockey- und Tennisverein in Kaiserslautern hervor. Also heute vor genau 95 Jahren! Der neue Verein wurde, wie es die amtlichen Anzeigen im Sommers des Jahres verraten, dann übrigens am 4. August 1925 ins Vereinsregister in Kaiserslautern eingetragen.

 

Doch die Eigenständigkeit des noch jungen Vereins sollte nicht einmal ein Jahr währen. So schrieb die Pfälzische Volkszeitung in ihrer Ausgabe vom Mittwoch, dem 2. Februar 1920 - "Wie schon durch eine Notiz, die vor einigen Tagen durch die hiesigen Tageszeitungen ging, bekannt ist, ist nunmehr aus der Hockey-Abteilung des Fußball-Vereins Kaiserslautern und dem 1. Hockey- und Tennis-Club Kaiserslautern eine 'Hockey-Vereinigung im Fußball-Verein Kaiserslautern' zustande gekommen, die am Freitag, den 30. Januar im Nebenzimmer des Cafe Carlsberg bei reger Beteiligung ihre erste Versammlung abhielt." Kein seltener Vorgang in jenen Zeiten, dass ein gerade erst gegründeter Sportverein sich schon nach wenigen Jahren oder gar nur Monaten, doch wieder einem anderen Verein angeschlossen hatte.

 

Ein wenig kurios ist in diesem Zusammenhang, dass sich die Freunde des Hockey- und Tennissports zunächst aus den Reihen von Phönix lösten, um sich dann nur knapp 9 Monate später unter das Dach des FV Kaiserslautern (FVK) zu begeben. Ausgerechnet dem Fußballverein, der 1929 mit dem SV Phönix zum "Fußballverein Kaiserslautern Phönix e.V." (FVK/Phönix) fusioniert war und der sich im Sommer 1931 dann endgültig in 1. FC Kaiserslautern umbenannte. Der Vereinsname, der bis heute Bestand hat. Ebenso wie die Tatsache, dass beim 1. FCK bis heute engagierte und erfolgreiche Hockeysportler ein Zuhause haben.

 

mg/eric lindon

 


Foto: Archiv Eric Lindon
Foto: Archiv Eric Lindon

Flutlichtspiele gaben ihm seinen Spitznamen

 

Heute wäre Erich "Flutlicht-Meier" 85 Jahre alt geworden

30.03.2020

 

Seine fußballerischen Jugendjahre absolvierte Erich Meier unter anderem beim FV 09 Breidenbach, von wo er 1956 an den Riederwald zur Frankfurter Eintracht wechselte. Bis zum Ende der Spielzeit 1961/1962 stand er in Diensten der Frankfurter, wo er mehr als 60 Pflichtspiele absolvierte und dabei 31 Tore erzielte. In der Saison 1958/1959 wurde er mit Eintracht Frankfurt gar Deutscher Meister und traf dabei in 15 Partien insgesamt achtmal. Für besonderes Aufsehen sorgte Erich Meier während seiner Frankfurter Zeit aber vor allem auf internationalem Parkett. In der Europapokalsaison 1959/1960 wurde er deutschlandweit als "Flutlicht-Meier" bekannt, da er in den damals noch außergewöhnlichen Abendspielen unter Flutlicht vier Treffer erzielte. Zur Saison 1962/1963 wechselte er zum 1. FC Kaiserslautern an den Betzenberg und spielte bis 1965 in Oberliga und Bundesliga für den FCK (56 Pflichtspiele, 36 Tore).

 

Sein erstes Verbandsspiel in der Fußball-Oberliga Süd bestritt Erich Meier am 11. November 1956 beim 1:0-Auswärtserfolg von Eintracht Frankfurt bei Schwaben Augsburg. Er bildete dabei mit Alfred Pfaff den linken Flügel der Frankfurter. Als die Eintracht 1958/1959 in der Oberliga Süd die Meisterschaft vor dem Lokalrivalen Kickers Offenbach gewann, absolvierte Erich Meier in der Liga 13 Spiele und erzielte dabei sieben Tore. In der Endrunde um die deutsche Meisterschaft kam er in den zwei Gruppenspielen gegen den 1. FC Köln und den FK Pirmasens zum Einsatz. Im Finale konnte er verletzungsbedingt nicht teilnehmen. Seine Sternstunden hatte er jedoch in den Europapokalpartien der Saison 1959/1960, in denen er durch seine vier Tore unter Flutlicht auch seinen Spitznamen erhielt. Im Halbfinalrückspiel bei den Glasgow Rangers erzielte Erich Meier beim 6:3-Sieg der Eintracht zwei Tore. Auch im Endspiel am 18. Mai 1960 in Glasgow gegen Real Madrid durfte er auflaufen. Allerdings gingen die Hessen gegen die Königlichen mit 3:7 unter! In der Spielzeit 1960/1961 belegte die Eintracht in der Oberliga am Ende den zweiten Tabellenplatz. In den Endrundenspielen gegen Borussia Dortmund, Hamburger SV und den 1. FC Saarbrücken kam Erich Meier auf fünf Einsätze und erzielte dabei fünf Tore. Mit dem Heimspiel am 25. Februar 1962 gegen den VfB Stuttgart beendete er seine Aktivität in der Oberliga Süd bei Eintracht Frankfurt.

 

1962 wechselte Erich Meier zum 1. FC Kaiserslautern. Als er an den Betzenberg kam, war die Fußball-Bundesliga noch nicht gegründet. Der bereits international erfahrene Linksaußen, der mit einem Meister-Titel in der Tasche als "Flutlicht-Meier" nach Lautern wechselte, war neben Willy Reitgaßl eine von zwei offensiven Verstärkungen des FCK. Erich Meier spielte eine ausgezeichnete Oberliga-Runde. Er kam immerhin auf 27 Einsätze und erzielte dabei 21 Tore. Am Ende stand der Meistertitel in der letzten Saison der Oberliga Südwest. In der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft konnten die Roten Teufel jedoch keines ihrer sechs Gruppenspiele gewinnen. Mit drei Unentschieden vor heimischem Publikum und drei teils deftigen Niederlagen auf fremdem Terrain belegte der FCK am Ende den letzten Platz in der Gruppe 1 der Endrunde. Erich Meier kam dabei lediglich im ersten Spiel gegen Hertha BSC zum Einsatz und erzielte dabei den einzigen Lauterer Treffer zum 1:1 Endstand. Trotz der ernüchternden Platzierung in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, reichte es für den FCK, um mit Beginn der Spielzeit 1963/1964, zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga zu gehören. In der ersten Bundesliga-Saison trat Erich Meier in 20 Spielen im FCK-Trikot an und erzielte immerhin 11 Tore an der Seite des niederländischen Halblinken Jacobus Prins.

 

Im Sommer 1965 wechselte Erich Meier im Alter von bereits 30 Jahren zum niederländischen Erstligisten VV Alkmaar `54 (später AZ Alkmaar) und schloss sich ein Jahr später dem holländischen Zweitligisten AGOVV Apeldoorn an dann, wo er im Sommer 1967 seine aktive Fußballerlaufbahn beendete. Erich Meier starb am 8. Februar 2010 im Alter von 74. Jahren. Heute wäre der ehemalige FCK-Profi 85 Jahre alt geworden.

 

mg

 


Foto: Archiv Thomas Butz
Foto: Archiv Thomas Butz

Ein smarter Blondschopf feiert Geburtstag

Das einst hoffnungsvolle FCK-Talent Jörn Kaminke wird heute 65 Jahre alt

22.03.2020

 

Der einstige FCK-Jugend- und Amateurspieler Jörn Kaminke kam während der ersten Ära von Trainer Karl-Heinz Feldkamp im Alter von 24 Jahren zur Saison 1979/1980 zurück auf den Betzenberg. Gerade einmal 22.000 D-Mark überwies der Verein damals für das hoffnungsvolle Talent auf das Konto des FK Pirmasens, dessen Trikot der schlaksige Mittelfeldakteur zuvor trug. Immerhin waren die Kicker vom Horeb in der vorangegangenen Spielzeit Vizemeister in der Oberliga Südwest geworden. Es war die einzige Transfer-Investition, die der FCK vor der damals zweiten Saison von Trainer Karl-Heinz Feldkamp in die Hand nahm. Immerhin 17 Bundesligaspiele absolvierte Jörn Kaminke danach für den FCK, ehe er nach nur zwei Spielzeiten den Betzenberg wieder verließ. Heute wird Jörn Kaminke 65 Jahre alt.

 

Sein Bundesliga-Debüt als FCK-Profi gab Jörn Kaminke am 8. September 1979 vor heimischem Publikum beim 2:2 gegen den FC Schalke 04. Klaus Toppmöller hatte nach einer Viertelstunde die Führung für den FCK erzielt. In der 23. Minute erzielte dann Jörn Kaminke die 2:0-Führung für den FCK. Besser kann ein Einstand nicht laufen. Leider glichen die Knappen durch Mario Boljat (31.) und Rüdiger Abramczik (43.) noch vor dem Seitenwechsel aus. Am Ende blieb es beim 2:2 Unentschieden. Sein zweites Saisontor erzielte Jörn Kaminke am 2. Februar 1980 beim Auswärtsspiel in Braunschweig. Es war der erste Auswärtssieg der Saison für die Roten Teufel, zu dem Zeitpunkt sogar der erste Auswärtssieg des FCK seit 15 Monaten. Am Ende einer Saison mit zwei völlig unterschiedlichen Halbserien, belegte die Mannschaft von Trainer Karlheinz Feldkamp punktgleich mit dem VfB Stuttgart den 3. Tabellenplatz. Jörn Kaminke hatte insgesamt 14 der 34 Ligaspiele absolviert und dabei zwei Tore erzielt. Im UEFA-Pokal kam Jörn Kaminke in vier Spielen gegen den FC Zürich (5:1), Sporting Lissabon (1:1, 2:0) und VTK Diosgyör Miskolc (6:1) zum Einsatz und zeichnete sich auch dort mit immerhin mit zwei Toren aus.

 

In seiner zweiten Bundesligasaison 1980/1981 war die Konkurrenz im FCK-Mittelfeld durch Hans Bongartz, Friedhelm Funkel, Werner Melzer, Johannes Riedl und Lutz Eigendorf so groß, dass er lediglich noch in drei Ligaspielen eingesetzt wurde und sich beim FCK nicht mehr entscheidend durchsetzen konnte. Sein letztes Bundesligaspiel bestritt Jörn Kaminke am 18. April 1981 beim 4:2-Heimsieg gegen Bayer 05 Uerdingen, wo er sich nochmals als Torschütze auszeichnen konnte. Sein größter Erfolg war 1981 das Erreichen des Pokalfinals mit dem FCK. In der damaligen DFB-Pokal-Saison kam er jedoch nur in der 1. Pokal-Runde zum Einsatz, wo er am 30. August 1980 beim 3:0-Auswärtserfolg gegen den VfR Heilbronn das FCK-Trikot trug.

 

Zur Saison 1981/1982 schloss Jörn Kaminke sich wieder Hassia Bingen in der Oberliga Südwest an und wurde zur Runde 1983/1984 vom VfR Bürstadt verpflichtet. Mit Bürstadt wurde er 1984 Meister in der Oberliga Hessen und setzte sich in der Aufstiegsrunde hinter dem FC Homburg gegen den Freiburger FC und München 1860 durch und stieg mit den Südhessen in die 2. Fußball-Bundesliga auf. Unter Trainer Lothar Buchmann wurde die Herausforderung in der 2. Liga zu einem stetigen Kampf um den Klassenerhalt. Als Lothar Buchmann im März 1985 zum Karlsruher SC wechselte, war die letzte Chance zum Klassenerhalt vergeben. Bürstadt stieg ins Amateurlager ab. Jörn Kaminke hatte in 27 Einsätzen in der zweiten Liga drei Tore erzielt. Ab der Saison 1985/1986 spielte er noch beim damaligen Verbandsligisten SV Edenkoben, mit dem er den Aufstieg in die Oberliga schaffte und am Ende der Spielzeit 1988/1989 sogar ans Tor der zweiten Liga klopfte. Am Ender der Spielzeit beendete er dann seine aktive Fußballer-Laufbahn. Heute wird Jörn Kaminke 65 Jahre alt. Das Museumsteam gratuliert recht herzlich.

 

mg


Foto: Bernd Endres
Foto: Bernd Endres

Der "Löwe von Wembley" - ein bodenständiger Ausnahmefußballer

Heute vor 25 Jahren verstarb Weltmeister Werner Liebrich

20.03.2020

 

Wer in Kaiserslautern vom Elf-Freunde-Kreisel Richtung Innenstadt schlendert, kommt in der Eisenbahnstraße an einem vierstöckigen Gebäude vorbei, das über die gesamte Breite des Hauses in schwungvoller Schreibschrift den Schriftzug "Werner Liebrich" trägt. Das Haus hatte der gleichnamige langjährige Mittelläufer des 1. FC Kaiserslautern 1956/57 bauen lassen. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits seit mehr als 10 Jahren fester Bestandteil der ersten Mannschaft des 1. FCK und war bereits zweifacher Deutscher Meister. Außerdem war Werner Liebrich zusammen mit seinen Lauterer Kollegen Fritz und Ottmar Walter, Werner Kohlmeyer und Horst Eckel Fundament und Garant dafür, dass Deutschland 1954 bei der Fußball-WM in der Schweiz zum ersten Mal Weltmeister wurde. 24 Jahre lang stand er in Diensten des 1. FCK, ehe er 1962 die Fußballschuhe als aktiver Spieler an den Nagel hängte. Heute vor 25 Jahren starb er an den Folgen einer Infektion im Alter von erst 68 Jahren.

 

Im Erdgeschoß in der Eisenbahnstraße 48 betrieb "de Rod" ("der Rote"), wie ihn viele ob seiner rotblonden Haartracht nannten, ab 1957 zusammen mit Ehefrau Anne-Marie im Erdgeschoß eine Toto-Lotto-Annahmestelle. Auf den ersten Blick ein eher bescheidenes berufliches Standbein für jemand, der bis 1956 immerhin verbeamteter Postbeamter war. Vor allem aber für jemand, der im Fußball fast alles erreicht hatte, was man erreichen kann. Aber Werner Liebrich war nun mal zeitlebens ein bodenständiger und bescheidener Mensch. Ein lebenslustiger "Kumpel-Typ", dem man einen scharfsinnigen, fast sarkastischen, oder wie man in der Pfalz sagen würde, "en forzdruggene" Humor attestierte. Auch wurde ihm immer wieder ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn zugeschrieben, womit er im Laufe seiner Nationalmannschaftskarriere selbst Bundestrainer Sepp Herberger gelegentlich zur Weißglut treiben konnte. Ein Mensch, der wie die anderen vier Lauterer WM-Helden abseits des grünen Rasens so ganz anders war, als viele der erfolgreichen Fußballer in heutigen Tagen. Ganz anders agierte Werner Liebrich jedoch auf dem Spielfeld, wo er mitunter als Heißsporn ein unbändiges Kämpferherz offenbarte.

 

Werner Liebrich wurde am 18. Januar 1927 in Kaiserslautern geboren und wuchs mit seinem etwas mehr als drei Jahre älteren Bruder Ernst im Lauterer Arbeiterviertel "Kotten" auf. Die dortigen Bewohner waren meist in der benachbarten Kammgarnspinnerei oder in der Nähmaschinenfabrik Pfaff beschäftigt oder lebten als Handwerker, so wie Familienvater Ernst-Karl, der als Stuckateur der Familie ein Auskommen sicherte. Doch als die Nationalsozialisten das dunkelste Kapitel in der deutschen Geschichte aufschlugen, wurde dem Vater seine Nähe zur KPD zum Verhängnis. Er wurde denunziert und wegen "feindseliger Propaganda" für die Kommunisten im Oktober 1933 zu insgesamt 22 Monaten Gefängnis verurteilt. Für die beiden Jungen war die Inhaftierung des Vaters ein traumatisches Erlebnis. Nach der Verhaftung des Vaters lebten die die beiden Söhne mit ihrer Mutter in größter Armut und waren auf die Hilfe von Verwandten und Bekannten angewiesen. Noch schlimmer war, dass sie wie "Geächtete" behandelt wurden. Markwart Herzog hält in seinem Buchtitel "Der 'Betze' unterm Hakenkreuz. Der 1. FC Kaiserslautern in der Zeit des Nationalsozialismus" fest, dass die Liebrichs die einzige FCK-Familie seien, in der sich mit Vater Ernst-Karl Liebrich ein Clubmitglied nachweislich dem politischen Widerstand gegen die NS-Diktatur zurechnen lasse. Doch Mutter Erna war nach Kräften bemüht ihre Buben vor der Ächtung als Söhne eines "politisch Unzuverlässigen" zu bewahren. Unter anderem nähte sie ihnen Sportsachen und sorgte dafür, dass sie im Verein Fußball spielen konnten. So kamen beide 1938 zum 1. FC Kaiserslautern.

 

Ernst und Werner überstanden die Kriegszeit unverletzt. Beiden gelang der Sprung in die erste Mannschaft des FCK. Ernst schon 1941, Werner 1944 in der Gauliga Westmark. Sie reiften beide nacheinander zu wertvollen Spielern für den FCK heran und gehörten nach 1945 zu den Stützen der jungen Walter-Mannschaft. Bruder Ernst Liebrich trug dort sehr früh schon den Spitznamen "Fahrer", den er wohl Fritz Walter verdankte, der ihn mit dem Zuruf "fahr emol dezwische" motiviert haben soll. Bruder Werner Liebrich wurde später der "kleine Fahrer" genannt. Die noch junge Walter-Mannschaft schaffte es in der Spielzeit 1947/48 das erste Nachkriegsendspiel gegen den 1. FC Nürnberg zu erreichen. Der FCK unterlag im Finale im Müngersdorfer Stadion in Köln mit 1:2. Im Jahr danach, 1948/49, gewann Werner Liebrich in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft mit dem FCK das Spiel um Platz 3. Auf dem Oberwerth in Koblenz gewann der FCK mit 2:1 nach Verlängerung gegen Kickers Offenbach. In der Endrunde 1949/50 scheiterten Werner Liebrich und seine Kollegen in der Zwischenrunde am späteren Deutschen Meister VfB Stuttgart. Aber nur ein Jahr später kehrten die Liebrich-Brüder als Deutsche Meister aus Berlin in die Pfalz zurück. Schon 1953, also nur zwei weitere Jahre später, holten sie im Finale an gleicher Stelle den zweiten Meistertitel für den 1. FC Kaiserslautern.

 

Jeder Amateur- und Profikicker heutiger Tage müsste beim Durchblättern der fußballerischen Vita von Werner Liebrich leuchtende Augen bekommen. In seiner Karriere absolvierte der zweikampfstarke Mittelläufer zwischen 1945 und 1962 sagenhafte 355 Ligaspiele, in denen er 28 Tore erzielte. Allesamt für den 1. FC Kaiserslautern, dem er 24 Jahre lang die Treue hielt. Viele seiner Treffer verdankte er seinem wuchtigen Kopfballspiel. In der Liste seiner FCK-Spiele sind übrigens unzählige weitere Spiele gar nicht mitgerechnet, wie beispielsweise die vielen "Grumbeerspiele" in den ersten Nachkriegsjahren, als der FCK gegen Vereine auf dem Land antrat und dafür begehrte Naturalien wie Kartoffeln, Kraut, Tabak und Kohle mit nach Hause nahm. In der damals erstklassigen Fußball-Oberliga Südwest feierte Werner Liebrich mit Kaiserslautern zwischen 1948 und 1957 neun Meisterschaften, lediglich 1952 unterbrochen durch den 1. FC Saarbrücken. Für die deutsche Nationalmannschaft absolvierte er zwischen 1951 und 1956 immerhin 16 Spiele. Sepp Herberger, der 1950 zum Bundestrainer ernannt wurde, war früh auf den robusten Lauterer aufmerksam geworden. 1951 berief er ihn erstmals in die deutsche Nationalmannschaft. Herausragend natürlich die Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft 1954, die für die DFB-Auswahl beim "Wunder von Bern" mit dem Titelgewinn endete, als 14. Juli im Finale die legendäre Wunder-Elf aus Ungarn sensationell mit 3:2 besiegt wurde.

 

Eine ähnlich überragende Leistung wie in der Schweiz lieferte Werner Liebrich am 1. Dezember 1954 im London Wembley-Stadion ab. Vor 100.000 Zuschauern verlor die DFB-Auswahl zwar mit 1:3 gegen England, doch Werner Liebrich stoppte nicht nur auf Seiten des Gastgebers Mittelstürmer Ronnie Allen, sondern half mehrfach dem auf der linken Verteidiger-Position gegen Stanley Matthews überforderten Werner Kohlmeyer aus. Bundestrainer Herberger würdigte seine Leistung anschließend mit den Worten, "Werner, der Wimpel der Engländer gehört ihnen". Die Presse verlieh ihm danach den Beinamen "der Löwe von Wembley"! Sein 16. Länderspiel am 21. November 1956 in Frankfurt gegen die Schweiz, wurde zu seinem letzten Auftritt in der Nationalmannschaft. Die Eidgenossen gewannen mit 3:1! Als der amtierende Weltmeister 1958 bei der Weltmeisterschaft in Schweden antrat, gehörte der WM-Stopper von 1954 bereits nicht mehr zum Kader.

 

Die Stärken des Abwehrdirigenten vom Betzenberg waren seine Disziplin, seine besonnene und überragende Spielinterpretation, Pässe in den freien Raum und eben seine wuchtigen Kopfbälle. Wenn den Roten Teufeln eine Niederlage drohte, war es häufig Werner Liebrich, der mit seinen energischen Vorstößen das Signal zur Aufholjagd gab. So auch beispielsweise am 11. März 1962, als in der damaligen Oberliga Südwest der FSV Mainz 05 auf dem Betzenberg gastierte. Der FCK war klarer Favorit, doch zur Halbzeit führten die Kicker aus der Landeshauptstadt unerwartet mit 2:0! Erst in der 83. Minute gelang dem FCK der längst fällige Anschlusstreffer zum 2:1. Den Stopper Werner Liebrich hielt es nun nicht mehr im Abwehrzentrum. Immer wieder trieb er seine Mannschaft an, stürmte sogar selber mit und erzielte schließlich mit einem Drehschuss in der 85. Minute den 2:2-Ausgleich! Zwei Minuten vor Spielende war es Werner Liebrich, der erneut einen Angriff einfädelte und Gerhard Settelmeyer erzielte das erlösende 3:2 für den FCK. Werner Liebrich interpretierte in seine Rolle als "Stopper" mehr hinein als alle seine Vorgänger. Man kann vielleicht sagen, dass er so etwas wie ein Vorläufer des späteren "Libero" war. Eine seiner Spezialitäten in der Zweikampfführung war das nahezu perfekte seitliche Hineingrätschen in den Gegner.

 

Seinen letzten überregionalen Auftritt mit dem FCK hatte er im Alter von 34 Jahren im DFB-Pokal der Saison 1960/61, als sich der FCK im Halbfinale durch einen 2:1-Auswärtserfolg bei Hamborn 07 ins Finale schoss. Dort jedoch unterlagen die Roten Teufel am 13. September 1961 in der Schalker Glückauf-Kampfbahn gegen den SV Werder Bremen mit 0:2 Toren. In der Oberliga Südwest datiert sein letzter Oberligaeinsatz für den FCK vom 25. März 1962 bei einer 0:2-Auswärtsniederlage beim FK Pirmasens. Sein tatsächlich letztes Pflichtspiel absolvierte er am 1. Juli 1962 während der Inter-Toto-Runde beim Rückspiel gegen die ungarische Elf des SC Tatabánya. Danach beendete er seine aktive Spielerlaufbahn. Von Februar 1965 bis zum Ende der Spielzeit 1964/65 trainierte er als Interimstrainer den 1. FC Kaiserslautern und belegte mit ihm in der Bundesliga den 13. Tabellenplatz. Er hatte nach der 1:3-Heimniederlage am 20. Februar 1965 gegen Borussia Dortmund vom vormaligen Cheftrainer Günter Brocker das Traineramt am Betzenberg übernommen. Am letzten Rundenspieltag sicherte sich der FCK mit einem 2:1-Auswärtserfolg bei Eintracht Frankfurt den Klassenerhalt. Zur Saison 1965/66 übergab er die Bundesligaelf an seinen Nachfolger Gyula Lóránt. 1971 übernahm er für einen kurzen Zeitraum die Trainingsleitung bei den FCK-Amateuren. Seine Fans konnten ihn auch oft als Spieler der Traditionsmannschaft des FCK bewundern.

 

Werner Liebrich konnte im Laufe seiner Fußballerkarriereviele große Siege verbuchen. Doch einen Kampf hat er leider verloren. Den Kampf gegen eine tückische Infektionskrankheit, die ihm seit der WM in der Schweiz immer wieder zu schaffen gemacht hatte. Im Klinikum seiner Heimatstadt, der er so wie seinem 1. FC Kaiserslautern stets die Treue gehalten hatte, verstarb Werner Liebrich am 20. März 1995 im Alter von nur 68 Jahren. Auch 25 Jahre nach seinem Tod hat Werner Liebrich nichts von seiner Popularität eingebüßt, besitzt sein Name nach wie vor Strahlkraft, ist er eines der großen Idole geblieben, die das Ansehen und den Ruhm unseres 1. FC Kaiserslautern mitbegründet haben. Wir werden Werner Liebrich im FCK-Museum und in unseren Herzen weiterhin ein ehrendes Andenken bewahren.

 

mg

 


Foto: Archiv Thomas Butz
Foto: Archiv Thomas Butz

Ein robuster Lockenschopf hat Grund zum Feiern

Der ehemalige FCK-Abwehrspieler Gerhard Bold wird 65

16.03.2020

 

Noch ein weiterer ehemaliger Roter Teufel feiert heute einen runden Geburtstag. Der in Rodalben geborene Gerhard Bold, der von 1984 bis 1986 das FCK-Trikot trug, wird heute 65 Jahre alt! Er kam zur Saison 1983/1984 an den Betzenberg. Mit im Gepäck die Empfehlung von fast 100 Bundesligapartien, die er beim Karlsruher SC absolvierte. Bei den Nordbadenern spielte Gerhard Bold ab dem Sommer 1978. Zunächst in der 2. Bundesliga-Süd wo er es auf 75 Zweitligaeinsätze brachte, ehe er mit dem KSC 1980 in die Bundesliga aufstieg. Heute wird Gerhard Bold 65 Jahre alt.

 

Seine ersten fußballerischen Gehversuche machte Gerhard Bold in seiner Heimatstadt beim dortigen FC Rodalben. Von dort wechselte er im Sommer 1975 in die Landeshauptstadt zum damaligen Zweitligisten FSV Mainz 05, wo er es auf 26 Zweitligaeinsätze brachte, ehe er 1977 für ein Jahr zum damaligen Amateur-Oberligisten Hassia Bingen wechselte. Im Sommer 1978 wechselte Gerhard Bold dann zum Zweitligisten Karlsruher SC. Er erkämpfte sich dort unter Trainer Manfred Krafft sofort einen Stammplatz und absolvierte in zwei Spielzeiten 75 der 76 Saisonspiele, in denen er 19 Treffer erzielte. 1980 folgte mit dem KSC dann der Aufstieg in die Bundesliga. Dort wurde er im defensiven Mittelfeld eingesetzt. Vor allem seine Kopfballstärke sorgte immer wieder für Torgefahr. In 97 Bundesligaspielen kam er zwischen 1980 und 1983 beim KSC auf 27 Tore. In der Saison 1981/82 rückte Gerhard Bold sogar ins Blickfeld der deutschen Nationalmannschaft unter Jupp Derwall. Ein erhoffter Einsatz blieb jedoch aus.

 

In seiner letzten Saison für den KSC überwarf sich Gerhard Bold, der zu dem Zeitpunkt bereits zum Mannschaftskapitän aufgerückt war, mit der Vereinsführung, die ihn daraufhin wegen vereinsschädigenden Verhaltens entließ. Dagegen setzte er sich vor dem Arbeitsgericht erfolgreich zur Wehr. Nach Ende der Spielzeit wechselte er zunächst zum FC Zürich in die Schweizer Super League, wo er auf 25 Einsätze kam und zwei Tore erzielen konnte. Außerdem durfte er bei den Eidgenossen auch in zwei UEFA-Cup-Partien ran. Das Gastspiel in der Schweiz endete nach nur einem Jahr. 1984 kehrte Gerhard Bold für weitere zwei Jahre in die Bundesliga zurück und zwar zum 1. FC Kaiserslautern an den Betzenberg. Trainer beim 1. FCK war zu dieser Zeit Manfred Krafft, den er aus seiner Zeit beim KSC kannte. Am Betzenberg kam Gerhard Bold auf insgesamt 24 Einsätze in der Bundesliga und 2 Spiele im DFB-Pokal. In der Saison 1984/1985 erzielte er auch 2 Tore für den FCK.

 

Nach seiner letzten Saison in Kaiserslautern beendete er im Sommer 1986 im Alter von 31 Jahre seine aktive Fußballkarriere und arbeitete zunächst im Präsidium des FCK. 1992 machte er sich als Sportphysiotherapeut selbständig. Heute lebt Gerhard Bold in der Nähe von Kaiserslautern. Sein früheres optisches Markenzeichen, der wuschelige Lockenkopf, ist mittlerweile einem etwas unauffälligeren Kurzhaarschnitt gewichen. In Otterberg unterhält der ehemalige Profi seine eigene Physiotherapie-Praxis mit einem umfangreichen Therapieangebot, wie beispielsweise medizinischer Trainingstherapie und therapeutischem Klettern. Das gesamte Museumsteam wünscht alles Gute im neuen Lebensjahr.

 

mg


Foto: Archiv Eric Lindon
Foto: Archiv Eric Lindon

Ein Toppmöller und sein runder Geburtstag

Heinz Toppmöller wird heute 70 Jahre alt

16.03.2020

 

Wenn im Umfeld des 1. FC Kaiserslautern der Name Toppmöller fällt, kommt vielen FCK-Fans unweigerlich Klaus Toppmöller in den Sinn, der zwischen 1972 und 1980 für den FCK spielte und mit 108 Toren in 204 Spielen zum Bundesliga-Rekordtorschützen der Roten Teufel avancierte. Doch es gibt noch zwei andere Akteure, die den Namen Toppmöller tragen und die einst das FCK-Trikot übergestreift hatten. In der jüngeren Vergangenheit war dies Marco Toppmöller, der zwischen 2001 und 2003 für den FCK kickte und der dabei lediglich zwei Bundesligaspiele absolvierte. Sein Vater Heinz Toppmöller, der um eineinhalb Jahre ältere Bruder von Klaus, lief ebenfalls ab der Saison 1972/1973 für drei Spielzeiten im  FCK-Trikot auf. In dieser Zeit brachte es der Offensivmann, der im Sommer 1972 den Sprung von der zweiten Mannschaft zu den FCK-Profis geschafft hatte, jedoch nur auf vier Bundesliga-Einsätze. Heute wird Heinz Toppmöller 70 Jahre alt.

 

Heinz Toppmöller stand bereits seit zwei Spielzeiten im Kader des 1. FC Kaiserslautern. Doch erst in der Saison 1974/75 kam der Mittelfeldspieler zu seinem Profi-Debüt. Am 20. Spieltag stand er beim Heimspiel gegen den SV Werder Bremen erstmals in der Startelf. Der FCK gewann die Partie durch zwei Tore von Roland Sandberg sowie je einen Treffer von Klaus Toppmöller und Hannes Riedl  souverän mit 4:1. Den einzigen Bremer Treffer markierte Horst-Dieter Höttges zum 2:1 Anschluss. Insgesamt kam Heinz Toppmöller am Betzenberg nur zu vier Einsätzen in der Bundesliga, in denen jeweils auch sein jüngerer Bruder Klaus auf dem Platz stand. Heinz Toppmöller stand zwar im Kader der Profis, kam aber viel häufiger bei den Amateuren zum Einsatz, mit denen er 1973 beispielsweise auch um die deutsche Amateurmeisterschaft spielte. Im Finale am 30. Juni verlor der FCK am Bieberer Berg in Offenbach denkbar knapp mit 1:0 gegen die SpVgg Bad Homburg.

 

Nach drei Jahren am Betzenberg verließ Heinz Toppmöller den FCK. In der Spielzeit 1981/1982 lief er für einige wenige Spiele noch beim FSV Salmrohr auf, unter anderem im DFB-Pokal. Nach seiner aktiven Karriere übernahm er das Amt an der Seitenlinie. Er war Trainer beim damaligen Verbandsligisten SV Leiwen und dem SV Morbach, bevor ab Februar 2006 Trainer der georgischen U19-Nationalmannschaft wurde. Ab Oktober 2011 trainierte Heinz Toppmöller den Rheinlandligisten FSV Trier Tarforst, doch das Engagement endete in beiderseitigem Einvernehmen bereits nach zehn Pflichtspielen zum Ende desselben Jahres. Das gesamte Team des FCK-Museums gratuliert Heinz Toppmöller zu seinem heutigen 70. Geburtstag aufs Herzlichste.

 

mg

 


Foto: 1. FC Kaiserslautern
Foto: 1. FC Kaiserslautern

Denker, Lenker und begnadeter Fußballer

Heute feiert Ciriaco Sforza seinen 50. Geburtstag

02.03.2020

 

Die Geschichte des 1. FC Kaiserslautern in den 1990er Jahren und in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends sind eng mit dem Namen eines Spielers verbunden, der heute ein halbes Jahrhundert alt wird. Ciriaco Sforza! Es gab in der Bundesligageschichte des FCK nicht viele Spieler, die auf dem Rasen so viel spielerisches Genie zelebrierten, die gleichzeitig aber auch so sehr polarisiert haben und so umstritten waren wie der vielfache Schweizer Nationalspieler. Dreimal ging der bisweilen exzentrische Mittelfeldakteur eine Liaison mit dem FCK ein und streifte sich das Trikot der Roten Teufel über. Von 1993 bis 1995, von 1997 bis 2000 und von 2002 bis 2005. Auf immerhin 199 Bundesligaspiele kam er dabei für den FCK, traf insgesamt zwanzig Mal ins gegnerische Tor, wurde mit dem FCK 1998 Deutscher Meister. Mit den Grasshoppers aus Zürich, dem FC Bayern München und Inter Mailand zieren weitere klangvolle Vereinsnamen die Stationen seiner gut 20 Jahre währenden Karriere als aktiver Fußballer. Danach wechselte er seine Rolle auf dem Rasen mit der des Coachs an der Seitenlinie. Seit nunmehr 14 Jahren arbeitet er als Fußballtrainer. Heute wird Ciriaco Sforza 50 Jahre alt.

 

Seine ersten fußballerischen Gehversuche machte Ciriaco Sforza beim FC Villmergen und dem FC Wohlen, wo er als Sohn italienischer Eltern 1970 auch zur Welt kam. Schon mit 16 Jahren kam er dann 1986 zur Jugend des Grasshopper Club Zürich, wo er früh auch bereits Einsätze in der ersten Mannschaft bekam. Sein Debüt gab er dort am 16. August 1986 beim 2:2 gegen den FC St.Gallen, als er in der 70. Minute eingewechselt wurde. Unter Trainer Kurt Jara gewann er mit dem GCZ in der Spielzeit 1987/1988 den Schweizer Pokal. Ab der darauffolgenden Saison hieß der Grasshopper-Trainer dann Ottmar Hitzfeld. Schon in der Vorbereitung habe er gemerkt, dass der neue Coach ihn nicht im zentralen Mittelfeld verortete, sondern zum rechten Verteidiger "umschulen" wollte. "Das hat mir nicht so gut gefallen. Ich bin dann im Tausch für Thomas Wyss nach Aarau gewechselt", begründete Ciriaco Sforza in einem späteren Interview seinen damaligen Wechsel nach der Hälfte der Saison zum Ligarivalen FC Aarau. Doch schon eineinhalb Jahre später holte der Mann mit dem Trenchcoat den talentierten Fußballer zurück nach Zürich.

 

Dort reifte er im Mittelfeld zum Stammspieler. Schon in seiner ersten Saison nach seiner Rückkehr gewann er mit Grasshoppers die Schweizer Meisterschaft 1991. Kurz darauf debütierte er in der Nationalmannschaft. Immerhin 79 Einsätze sollte er bis zum Ende seiner Karriere für die "Nati" verzeichnen. 1993 wurde er erstmals Schweizer Fußballer des Jahres. Zur Saison 1993/1994 vollzog Ciriaco Sforza einen für seine Karriere entscheidenden Schritt. Er wechselte in die Bundesliga, zum 1. FC Kaiserslautern! FCK-Trainer Rainer Zobel, der im Sommer 1992 am Betzenberg angeheuert hatte, verpflichtete ihn für eine Millionen-Ablöse, musste allerdings im Juni 1993 seinen Trainerstuhl räumen. Für ihn kam Friedel Rausch, unter dem sich Ciriaco Sforza schnell einen Namen machte. Schon in der ersten Saison am Betzenberg wurde er mit den Roten Teufeln mit nur einem Punkt Rückstand hinter dem FC Bayern Vizemeister. Viele werden sich noch an das spannende Titelrennen mit dem FC Bayern München erinnern. In der Folgesaison reichte es für den FCK nur noch zum vierten Platz. Ciriaco Sforza verließ den FCK und wechselte für sieben Millionen Mark ausgerechnet zu den Münchner Bayern! Für viele FCK-Fans ein unverzeihlicher Schritt.

 

Otto Rehhagel, der als Cheftrainer nach München gewechselt war, hatte den Schweizer als Wunschspieler an die Säbener Straße geholt. In seiner ersten Saison dort kam Ciriaco Sforza zu 30 Einsätzen, blieb jedoch hinter den mit vielen Vorschusslorbeeren geweckten hohen Erwartungen zurück. Nachdem Rehhagel gegen Ende der Spielzeit entlassen wurde und Vereinspräsident Franz Beckenbauer das Zepter übernommen hatte, gewannen die Bayern den UEFA-Pokal 1995/1996. Ciriaco Sforza kam dabei in beiden Finalspielen gegen Girondins de Bordeaux zum Einsatz. In der Bundesliga reichte es für die erfolgsverwöhnten Münchner nur für einen enttäuschenden zweiten Platz hinter Borussia Dortmund.

 

Zur darauffolgenden Saison wechselte Ciriaco Sforza zu Inter Mailand in die italienische Serie A. Noch heute räumt der Mittelfeldakteur ein, dass diese Entscheidung der größte Fehler in seiner Karriere gewesen sei. Wobei es für ihn zum damaligen Zeitpunkt durchaus gepasst hatte. "Ich bin zu Inter gegangen, weil Roy Hodgson dort Trainer war, zu dem ich in der Nationalmannschaft ein besonderes Verhältnis aufgebaut hatte. Außerdem war es wegen meiner italienischen Wurzeln auch hier wieder ein Traum für mich, der in Erfüllung ging", blickte der Schweizer im vergangenen Jahr auf seinen damaligen Wechsel zurück. Wirklich glücklich wurde er bei Inter jedoch nicht und auch spielerisch wusste er bei seinen 26 Einsätzen in der Serie A nicht nachhaltig zu beeindrucken. Am Ende stand ein unbefriedigender 3. Tabellenplatz zu Buche und auch im Finale des UEFA-Pokals zogen die Mailänder gegen die "Eurofighter" des FC Schalke 04 den Kürzeren. Nach Saisonende wechselte Ciriaco Sforza dann tatsächlich zurück in die Pfalz zum 1. FCK!

 

Die Roten Teufel waren unter Trainer Otto Rehhagel nach ihrem ersten Bundesligaabstieg und einem Jahr 2. Liga gerade souverän in die Bundesliga zurückgekehrt. Bei seinem zweiten Engagement am Betzenberg wurde Ciriaco Sforza als Mannschaftskapitän auf dem Rasen zum verlängerten Arm von König Otto und führte das Team als unangefochtener Leader, als Lenker und Denker sensationell zur Deutschen Meisterschaft! Bis heute eine Einmaligkeit. Der Stellenwert dieses Titels, auch für Ciriaco Sforza, der später mit Bayern München zwar die Champions-League gewann, etwas ganz Besonderes. "Wenn Du als Aufsteiger am ersten Spieltag in München gewinnst, in der Rückrunde die Bayern nochmal wegputzt und von Anfang bis Ende der Saison ganz oben stehst, dann steht dieser Erfolg für mich persönlich mindestens so weit oben wie der Champions-League-Titel", räumte der ehemalige FCK-Kapitän später einmal ein. In der darauffolgenden Saison belegte der FCK am Ende den 5. Tabellenplatz und verspielte am letzten Spieltag bei einer herben 5:1 Niederlage in Frankfurt gar eine mögliche Champions-League-Teilnahme. Auch in der darauffolgenden Saison wurde Ciriaco Sforza als Kapitän mit dem FCK Fünfter in der Tabelle. Eine Spielzeit, in der er allerdings einen schweren Stand hatte, weil es öfter zu Meinungsverschiedenheiten mit Trainer Otto Rehhagel kam und das Alpha-Tier auf dem Rasen mit dem Alpha-Tier an der Seitenlinie gelegentlich aneinander geraten war. Inklusive einer kurzzeitigen Suspendierung durch den Trainer. Aber das war eben Ciriaco Sforza als Spieler. Er stand für eine kritische Sicht der Dinge, für offene Worte und nahm nie ein Blatt vor den Mund.

 

Zum Saisonende wechselte er dann für 6,4 Millionen Euro erneut zu den ungeliebten Bayern. Dort wurde er in der Saison 2000/2001 zum zweiten Mal Deutscher Meister, zu dem er in 20 Einsätzen beitrug. Mit den Bayern gewann er in der gleichen Spielzeit die Champions League und gewann den Weltpokal. In der nächsten Saison kam "Ciri" beim FC Bayern in der Bundesliga nur noch zu 16 Einsätzen. Titelverteidigung Fehlanzeige. Nicht in der Bundesliga und auch nicht in der Champions League. Im August 2002 kam Ciriaco Sforza ablösefrei "zurück" nach Kaiserslautern, kam aber aufgrund von Verletzungen nur zu 23 Einsätzen in der Bundesliga. Glanzvoller Höhepunkt der Saison war sicher das Erreichen des Finales im DFB-Pokal 2002/03, wo Ciriaco Sforza ab der 2. Runde bis zum Halbfinale in allen Spielen dabei war, aber bei der bitteren 1:3 Niederlage im Endspiel gegen den FC Bayern nicht mehr! In der nächsten Saison kam er in der Bundesliga nur noch zu 17 Einsätzen, ein Jahr später gar nur noch auf 7 Spiele für die Roten Teufel. Sein letztes Spiel als Profi absolvierte er im Oktober 2005, als sich der 1. FC Kaiserslautern und Borussia Dortmund 3:3 trennten. Der FCK stieg am Ende der Saison zum zweiten Mal aus der Bundesliga ab, Ciriaco Sforza beendete seine Karriere als aktiver Fußballer.

 

Das Ende seiner Spielerkarriere mündete fast nahtlos in eine Trainerlaufbahn, die bis heute besteht. "Mir war schnell klar, dass ich auf dem Rasen bleiben will und dort mein Zuhause ist. Ich bin nach der Spielerkarriere ohne Pause in den Trainerberuf gerutscht, das würde ich heute anders machen", kommentierte er den Übergang einmal. Seine bisherigen Stationen als Coach waren die Schweizer Vereine FC Luzern, Grasshopper Zürich, FC Wohlen, der FC Thun und seit letztem Jahr der FC Will 1900. Er war Spieler seit dem 16. Lebensjahr, rutschte ohne Verschnaufpause in die Rolle des Trainers. Die "Fußball-Ware" Ciriaco Sforza bekam im Jahr 2015 mehr als menschliche Züge als der sympathische Schweizer sich dazu bekannte an einer Depressionserkrankung zu leiden, die er mittlerweile überwunden hat. Der Preis für ein Leben im Rampenlicht. "Mein Körper zeigte mir, dass er eine Pause braucht. Dass er ausgelaugt ist. Mein Körper hat rebelliert. Der Akku war leer. Ich hatte Zeit, mir über mein Leben Gedanken zu machen. Ich bin sehr froh, sowohl die positiven als auch die negativen Erfahrungen gemacht zu haben. Dank ihnen kann ich sagen, ich bin ein ganz anderer Mensch geworden. Ich bin glücklich mit meinem Leben", resümierte Ciriaco Sforza noch im vergangenen Jahr über die Folgen eines Jahrzehnte währenden Drucks im Fußball-Zirkus.

 

Regelmäßig wird der "Trainer" Ciriaco Sforza auch noch mit dem FCK in Verbindung gebracht, wenn am Betzenberg die Besetzung des Chefsessels an der Seitenlinie zur Disposition steht. Nach dem Rücktritt von Taifun Korkut im Dezember 2016 fragte die Rheinpfalz beispielsweise ihre Leser in einer Online-Umfrage nach ihrem Favoriten auf den Trainerposten am Betzenberg. Die Abstimmung gewann Ciriaco Sforza vor Holger Stanislawski. Die Wahl der Verantwortlichen des 1. FCK fiel mit Norbert Meier jedoch auf einen anderen Kandidaten. Obwohl er in Kaiserslautern in der Vergangenheit auch immer wieder für kontroverse Diskussionen gesorgt hatte und in der Fanszene bis heute sowohl Gegner als auch Befürworter haben dürfte, war und wäre seine Verpflichtung jedoch kein abwegiger Gedanke. Immerhin bekennt sich Ciriaco Sforza bis heute zum FCK und betont stets, "Kaiserslautern ist für mich meine zweite Heimat geworden und der FCK für immer ganz tief in meinem Herzen".

 

Vom Museumsteam und der gesamten FCK-Familie die herzlichsten Glückwünsche zum heutigen 50. Geburtstag und ein dickes Dankeschön für Deine erfolgreichen und tollen Jahre hier am Betzenberg, lieber Ciriaco Sforza.

 

mg


Foto: Archiv Eric Lindon
Foto: Archiv Eric Lindon

Der "Hexer" mit dem Torinstinkt

Der ehemalige FCK-Stürmer feiert heute seinen 75. Geburtstag

23.02.2020

 

Eine große deutsche Boulevard-Zeitung verlieh ihm einst den Spitznamen "Hexer", weil er angeblich die Krimis von Edgar Wallace so sehr schätzte. Gemeint ist Karl-Heinz Vogt, der 1969 vom damaligen Regionalligisten 1. FC Saarbrücken an den Betzenberg kam und bis 1974 das Trikot der Roten Teufel trug. Bei den Saarländern Saarbrücken verpasste Karl-Heinz Vogt 1966 und 1967 den Aufstieg in die Bundesliga erst in der Aufstiegsrunde. Nach seinem Wechsel zum FCK avancierte er in der Spielzeit 1970/1971 zum besten Torjäger der Roten Teufel und belegte am Ender der Saison bei der Jagd nach der Torjäger-Kanone in der Torschützenliste den zweiten Platz hinter dem Oberhausener Lothar Kobluhn. Heute wird Karl-Heinz Vogt 75 Jahre alt.

 

Während seiner Zeit am Betzenberg erzielte Karl-Heinz Vogt in 109 Pflichtspielen für die Roten Teufel 44 Tore. Herausragend dabei seine zweite Spielzeit, als er mit 22 Treffern nicht nur Vize-Torschützenkönig der Bundesliga wurde, sondern auch der bis heute erfolgreichste FCK-Torjäger innerhalb einer Bundesliga-Saison. 22 Tore in einer Saison schaffte bislang nur noch Klaus Toppmöller in der Saison 1975/1976. Gemeinsam mit Wolfgang Schäfer (1985 für Bayer Uerdingen) und Robert Lewandowski (2016 für den FC Bayern München), hält Karl-Heinz Vogt noch einen weiteren Liga-Rekord, als er nach der Winterpause Anfang des Jahres 1971 alleine die ersten sechs FCK-Tore erzielte. Beim 2:0 Heimsieg gegen Hertha BSC, beim 2:0 Auswärtserfolg in Dortmund und beim torreichen 5:2 Heimsieg gegen Rot-Weiß Essen. In der letztgenannten Partie markierte er auch noch den Treffer zum 4:2 für den FCK. 1972 erreichte Karl-Heinz Vogt mit dem 1. FC Kaiserslautern das DFB-Pokal-Finale, wo er jedoch erst in der 55. Minute für Idriz Hošić eingewechselt wurde. Es war die zweite Finalteilnahme des FCK nach 1961. Doch auch in diesem Endspiel musste der FCK sich geschlagen geben. Sage und schreibe 0:5 hieß es am Ende gegen den FC Schalke 04. In den folgenden Spielzeiten ließ die Torausbeute von Karl-Heinz Vogt wieder nach und er verlor schließlich seinen Stammplatz.

 

1974 wechselte er zum VfR Bürstadt in die Amateurliga Hessen, wo er nochmals über 100 Tore in der damaligen dritten Liga erzielte. 1975 wurde er mit seinem Verein Deutscher Amateurmeister. Im Finale erzielte er alle drei Treffer beim 3:0 gegen den SC Victoria Hamburg. 1976 schaffte er es mit Bürstadt erneut ins Finale, diesmal musste man sich nach einer 0:1-Niederlage gegen den SV Holzwickede mit dem zweiten Platz begnügen. Von Bürstadt aus wechselte der Angreifer dann 1976 schließlich zum FC Homburg, in die 2. Bundesliga-Süd, wo er jedoch nur noch auf 7 Einsätze kam und nur noch einen Treffer markieren konnte. Nach nur einer Saison verließ er die Saarländer wieder. Dies war gleichzeitig seine letzte Profistation. Später arbeitete Karl-Heinz Vogt als Trainer im Amateurbereich. Ab 1977 war er Spielertrainer im lothringischen Stiring-Wendel, sowie bei den Vereinen SV Niederauerbach und SF Walsheim. Hauptberuflich war er aber über 30 Jahre lang in Homburg bei der Karlsberg Brauerei tätig. Zu seinem heutigen 75. Geburtstag auch vom gesamten Museumsteam die herzlichsten Glückwünsche.

 

mg


Vom Rhein über die Pfalz nach Berlin

Der Lauterer Abwehrspieler Jürgen Rumor feiert seinen 75. Geburtstag

19.02.2020

 

Der im nordrhein-westfälischen Bergneustadt geborene Jürgen Rumor kam 1968 zum 1. FC Kaiserslautern und absolvierte bis zu seinem Wechsel zu Hertha BSC im Sommer 1970 insgesamt 69 Pflichtspiele für die Roten Teufel, davon 63 in der Bundesliga und 6 im DFB-Pokal. Der Abwehrspieler erzielte dabei 3 Treffer für den FCK. Seine fußballerischen Wurzeln liegen indessen beim rheinischen Namensvetter aus der Domstadt. Beim 1. FC Köln spielte Jürgen Rumor bereits als Jugendlicher in mehreren Auswahlmannschaften und wurde im Frühjahr 1963 als A-Junior sogar in die deutsche Jugendnationalmannschaft berufen. Heute feiert Jürgen Rumor seinen 75. Geburtstag.

 

Während seiner Kölner Zeit wurde das Abwehrtalent bereits zur Gründung der Fußball-Bundesliga im Sommer 1963 in den Profikader des 1. FC Köln aufgenommen. Köln gewann die erste Meisterschaft der Liga, wobei Jürgen Rumor allerdings zu keinem Einsatz gekommen war. Im DFB-Pokal kam er am 20. Mai 1964 bei der 2:4-Auswärtsniederlage bei Hertha BSC zu einem ersten Profi-Einsatz. In der Bundesliga debütierte Jürgen Rumor am fünften Spieltag der zweiten Bundesligasaison bei einem 4:2-Heimerfolg gegen den späteren Meister SV Werder Bremen. Im Lauf der Saison kamen noch 11 weitere Bundesligaeinsätze hinzu. Am Ende der zweiten Bundesligasaison wurde Köln immerhin Vizemeister. Jürgen Rumor hatte in 12 Spielen mitgewirkt und kam auch im Europapokal der Landesmeister für den "Effze" in den Spielen gegen Partizan Tirana und Panathinaikos Athen im November 1964 zum Einsatz. Von 1964 bis 1968 kam der Abwehrspieler insgesamt zu 56 Ligaspielen und erzielte dabei 1 Tor. Als der 1. FC Köln 1968 den DFB-Pokal gewann, hatte er Einsätze in der 1. Runde gegen den FC Homburg (4:1) und im Halbfinale gegen Borussia Dortmund (3:0). In seiner Zeit beim 1. FC Köln wurde er am 16. November 1966 außerdem einmal vom DFB zur Juniorennationalmannschaft U 23 berufen.

 

Im Sommer 1968 wechselte Jürgen Rumor von der Domstadt am Rhein in die Pfalz auf den Betzenberg. Mit ihm kam seinerzeit auch noch Jürgen Friedrich von Eintracht Frankfurt zur Mannschaft des damaligen Trainers Egon Piechaczek. Zum Saisonstart am 17. August 1968 debütierten die zwei Neuzugänge bei einer 0:2-Auswärtsniederlage beim FC Bayern München in der Bundesligamannschaft der Roten Teufel. Am Saisonende belegte der FCK mit 30:38-Punkten den 15. Tabellenplatz und konnte sich so den Verbleib in der Beletage des deutschen Fußballs sichern. Jürgen Rumor hatte dabei in 33 Spielen (1 Tor) mitgeholfen, dass der FCK ein weiteres Jahr Bundesligafußball erleben durfte. Trainer Piechaczek wurde dann im Mai 1969 durch Dietrich Weise abgelöst. Daran konnte auch das Vordringen im DFB-Pokal bis in das Halbfinale nichts ändern.

 

Jürgen Rumor war in allen Pokalspielen gegen den FC Freiburg (1:0), Eintracht Frankfurt (1:0), den SV Werder Bremen (3:0) und in den beiden Spielen im Halbfinale gegen den FC Schalke 04 für Lautern im Einsatz gewesen. Im Wiederholungsspiel am 13. Mai 1969 verlor der FCK das Halbfinale mit 1:3 in Schalke. Auch in der Intertoto-Runde vom 28. Juni bis 2. August 1969 hatte Jürgen Rumor die Farben des FCK gegen Malmö FF, Olympique Marseille und Servette Genf vertreten. Mit der Bilanz seiner ersten Saison in der Pfalz schaffte er den Sprung zum Bundesligastammspieler. In seinem zweiten Jahr in Kaiserslautern kehrte Trainer Gyula Lóránt zurück. Mit den drei Neuzugängen Klaus Ackermann, Fritz Fuchs und Dieter Krafczyk wurde der Spielerkader verstärkt. Die Mannschaft hatte aber insbesondere durch das Bundesligadebüt des jungen Seppl Pirrung nach dessen zweijähriger Leidenszeit enormen Auftrieb erhalten. Der 1. FC Kaiserslautern belegte am Ende der Saison mit 32:36-Punkten den 10. Rang und Jürgen Rumor hatte in 30 Ligaeinsätzen zwei Tore erzielt.

 

1970 wechselte er nach Berlin zum Bundesligadritten Hertha BSC und erreichte mit der Hertha in seiner ersten Spielzeit gleich den 3. Platz in der Bundesliga. Leider gehörte er zu den Spielern, die am Bundesliga-Skandal 1971 beteiligt waren. Dafür wurde er mit einer lebenslangen Sperre und einer Geldbuße in Höhe von 15.000 DM bestraft. Die Sperre trat am 23. Januar 1972 in Kraft, am 26. November 1973 wurde er jedoch begnadigt. Wenige Monate vor dem Skandal hatte Jürgen Rumor eine chemische Reinigung in Berlin als zweites berufliches Standbein übernommen, das er danach ausbaute. Nach seiner Sperre folgte er einer Anfrage des Zweitligisten (Regionalliga) Tennis Borussia Berlin, mit dem er in die Bundesliga aufstieg. Doch im vorletzten Spiel der Aufstiegsrunde zog er sich eine schwere Meniskusverletzung zu. Nachdem er in der darauffolgenden Saison aufgrund der Verletzung erst wieder zum Ende der Vorrunde zum Einsatz kam, war er in der Rückrunde Stammspieler und Kapitän und erzielte sechs Tore. Den Abstieg des Vereins in die inzwischen gegründete 2. Bundesliga konnte er indes nicht verhindern. Nach der Saison beendete er endgültig seine Profikarriere. Insgesamt spielte Rumor 163 Mal in der Bundesliga und erzielte dabei 10 Tore. Zu seinem heutigen 75. Geburtstag vom gesamten Museumsteam die herzlichsten Glückwünsche.

 

mg

 


Foto: Archiv Eric Lindon
Foto: Archiv Eric Lindon

Es reichte nur für einmal Bundesliga

Der ehemalige FCK-Abwehrspieler Werner Glaß wird heute 70 Jahre alt

18.02.2020

 

Werner Glaß trug immerhin 6 Jahre lang das Trikot der Roten Teufel. Seit 1964 gehörte er der Jugend des 1. FC Kaiserslautern an. 1968 kam er dann zu den FCK-Profis, für die er am 5. April 1969 sein Pflichtspieldebüt gab. Beim 3:0 gegen den SV Werder Bremen wurde er in der 73. Spielminute für Jürgen Friedrich eingewechselt. Am 23. August 1969 kam er zu seinem Bundesligadebüt, als er von Trainer Gyula Lóránt im Spiel gegen Rot-Weiß Oberhausen in der 84. Minute für Fritz Fuchs eingewechselt wurde. Die Partie endete mit einem torlosen Remis. Dieses Spiel blieb in seiner gesamten weiteren Karriere sein einziges Bundesligaspiel. Heute feiert Werner Glaß seinen 70. Geburtstag.

 

Nach seiner ersten Profi-Saison am Betzenberg gewann Werner Glaß in der Saison 1969/70 mit den FCK-Amateuren die Vizemeisterschaft in der 1. Amateurliga Südwest und nahm deshalb im Mai/Juni 1970 am Wettbewerb um die deutsche Amateurmeisterschaft teil. Das Heimspiel gegen den 1. FC Lichtenfels endete 1:1, das Rückspiel wurde mit 1:2 nach Verlängerung verloren. Am 27. März 1970 hatte er auch die Farben der Südwest-Verbandsauswahl im Wettbewerb um den Länderpokal gegen Bremen (1:0 n. V.) vertreten. Werner Glaß wechselte zur Saison 1970/1971 vom Betzenberg zum Erbsenberg und kickte fortan erst einmal für den VfR Kaiserslautern. Mit dem Team vom Erbsenberg errang er in der ersten Spielzeit die Vizemeisterschaft in der Amateurliga Südwest. In den Spielen um die deutsche Amateurmeisterschaft scheiterte er mit seiner Mannschaft im Mai/Juni 1971 gegen die SF 05 Saarbrücken (1:1, 0:3).

 

In der darauffolgenden Saison schloss sich der Abwehrspieler der Eintracht aus Bad Kreuznach an. Mit seinem neuen Verein gewann er auf Anhieb die Meisterschaft im Südwesten. Die Kreuznacher scheiterten aber in der Aufstiegsrunde zur Regionalliga. In seiner zweiten Spielzeit an der Nahe wurde Werner Glaß mit Eintracht Bad Kreuznach wieder Meister, setzte sich dann auch in der Aufstiegsrunde gegen die Konkurrenten FC Ensdorf und die SpVgg Andernach durch und stieg in die zweitklassige Fußball-Regionalliga Südwest auf. Im letzten Jahr der zweitklassigen Regionalliga debütierte Werner Glaß am 11. August 1973 mit Kreuznach bei einer 0:2-Heimniederlage gegen den ASV Landau in der Zweitklassigkeit. Da ab 1974/1975 die 2. Fußball-Bundesliga an den Start ging, Kreuznach aber lediglich ein Jahr Regionalliga vorweisen konnte, musste Werner Glaß mit seinem Verein ab diesem Jahr wieder im Amateurbereich im Südwesten antreten. Mit dem Meisterschaftsgewinn und einer erfolgreichen Aufstiegsrunde stieg die Kreuznacher Eintracht zur Saison 1975/76 in die 2. Bundesliga auf.

 

Werner Glaß kam dort in 13 Spielen zum Einsatz. Am Ende der Saison stieg Bad Kreuznach aber als 19. mit 23:53-Punkten mit dem SSV Reutlingen, FC Schweinfurt 05 und dem freiwillig die Lizenz zurückgebenden Mainz 05, in das Amateurlager ab. Bis 1978 war Werner Glaß bei Bad Kreuznach noch aktiv. Er stand auch beim Auswärtsspiel gegen den Karlsruher SC (1:3) im Wildparkstadion in der 1. Hauptrunde um den DFB-Pokal am 5. August 1978 für Kreuznach auf dem Rasen. Im Jahr darauf beendete Werner Glaß seine Karriere als aktiver Spieler. Vom gesamten Museumsteam zum heutigen runden Geburtstag die besten Glückwünsche.

 

mg

 


Foto: Archiv Eric Lindon
Foto: Archiv Eric Lindon

Seine Durchschlagskraft war ein Trumpf

Heute wäre der FCK-Meisterspieler Karl Wanger 90 Jahre alt geworden

09.02.2020

 

Er gehörte zu den eher unauffälligen aber dennoch zuverlässigen Sportsmännern und vorbildlichen Charakteren der berühmten Walter-Elf der 1950er Jahre. Der aus Roxheim stammende Karl Wanger kam 1950 vom VfL Neustadt zum 1. FC Kaiserslautern und wurde gleich in seiner ersten Spielzeit am Betzenberg Deutscher Meister. Heute wäre Karl Wanger 90 Jahre alt geworden.

 

Karl Wanger ging fußballerisch aus der Nachwuchs-Abteilung des SV 1914 Roxheim hervor und spielte bereits als 16-jähriger mit seinem Heimatverein Landesliga. 1948 wechselte er von dort zum damaligen Oberligisten VfL Neustadt ins Schöntal-Stadion. Für den VfL Dort absolvierte er in der Oberliga Südwest 38 Ligaspiele und erzielte dabei 12 Tore. 1950 wechselte er dann zum 1. FC Kaiserslautern. Fritz Walter höchstpersönlich war es, der auf den talentierten Fußballer aufmerksam geworden war. In seiner ersten Saison auf dem Betzenberg wurde der offensive Linksaußen mit dem FCK prompt Deutscher Meister. Auch wenn er an jenem 30. Juni 1951 im Endspiel gegen Preußen Münster im Berliner Olympiastadion nicht aufgestellt war, hatte er einen nicht unbedeutenden Anteil an der Meisterschaft. In der Endrunde spielte er in allen sechs Spielen, erzielte dabei ein Tor und war auch zuvor in der Oberliga Südwest Stammspieler beim FCK. Der Beginn einer erfolgreichen Zeit beim westpfälzischen Oberligisten.

 

1953 wurde Karl Wanger mit den "Roten Teufeln" dann gleich zum zweiten Mal Deutscher Meister. Im Endspiel gegen den VfB Stuttgart erzielte er beim 4:1 Sieg sogar ein Tor gegen die Schwaben. Nach der Führung durch Fritz-Walter in der 37. Minute traf Karl Wanger nach der Pause zum 2:0 für den FCK. 1954 und 1955 erreichte Karl Wanger mit dem 1. FC Kaiserslautern zwar jeweils auch das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft, doch in beiden Partien musste der FCK als Verlierer vom Platz gehen. 1954 unterlag die Walter-Elf Hannover 96 mit 1:5 und 1955 Rot-Weiß Essen mit 3:4. Karl Wanger blieb bis 1957 beim FCK, für den er in insgesamt 158 Oberligaspielen immerhin 92 Tore erzielte.

 

Danach wechselte er zum Ligakonkurrenten VfR Frankenthal. 1961 stieg er mit den Frankenthalern aus der Oberliga ab, es folgte der direkte Wiederaufstieg. Für den VfR war Karl Wanger dann bis 1963 aktiv und kam dabei auf weitere 100 Oberligaspiele mit 26 Toren. Insgesamt werden für den ehemaligen Linksaußen in der Fußball-Oberliga Südwest 296 Spiele mit 130 Toren gelistet. Dazu kommen noch 24 Einsätze in den Endrunden um die deutsche Meisterschaft in der Zeit zwischen 1951 und 1956, mit insgesamt sechs Treffern.

 

Nachdem er seine Karriere in Frankenthal beendet hatte, führte er eine Gaststätte in Roxheim und betätigte sich nebenbei als Spielertrainer beim örtlichen SV 1914 Roxheim, wo er als Jugendlicher mit dem Fußballsport begonnen hatte. Ohne schon damals zu wissen, dass er einmal zum erfolgreichsten Fußballer Bobenheim-Roxheims avancieren würde. Am 5. Januar 2000 starb Karl Wanger nur knapp einen Monat vor der Vollendung seines 70. Lebensjahres. Heute wäre er 90 Jahre alt geworden.

 

mg

 


Foto: Archiv Thomas Butz
Foto: Archiv Thomas Butz

Ein Deutscher Meister wird 55

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Frank Lelle!

04.02.2020

 

Wieder feiert ein deutscher Meister aus den 1990er Jahren einen runden Geburtstag. Frank Lelle wird heute 55! Der in Hermersberg geborene Defensiv- und Mittelfeldspieler machte seine ersten fußballerischen Gehversuche beim heimischen SV Hermersberg. Nach Stationen beim FK Pirmasens und beim SV Rodalben kam er dann im Jahr 1986 an den Betzenberg, wo er sich zunächst in der zweiten Mannschaft einen Platz sichern konnte. Am 15. April 1987 folgte dann sein erster Einsatz bei den Profis der Roten Teufel. In einem denkwürdigen Bundesligaspiel gegen den SV Waldhof Mannheim verlor der FCK mit 3:4 im Ludwigshafener Südwest-Stadion! Ein Spiel gegen den Rivalen aus der Quadrate-Stadt, das bis heute die Gemüter der FCK-Fans in Wallung bringt. Am Ende der Saison belegte Frank Lelle mit dem FCK Rang 7 in der Bundesliga. Bis 1993 blieb Frank Lelle bei den Roten Teufeln, absolvierte dabei 85 Bundesligaspiele für den FCK und erzielte 8 Tore. Heute wird Frank Lelle 55 Jahre alt.

 

Ende der 1980er Jahre tat sich der FCK mehrfach schwer in der Bundesliga zu bestehen. 1988 stand der FCK am Ende nur auf Platz 14, ein Jahr drauf immerhin auf Platz 9. In der Saison 1989/1990 roch es lange nach Abstieg rund um den Betzenberg. Bis im Frühjahr 1990 Karl-Heinz-Feldkamp auf dem Trainerstuhl Platz nahm. Die Mannschaft schaffte unter dem routinierten Trainerfuchs den Klassenerhalt und landete auf Platz 12. Im DFB-Pokal kam der FCK bis ins Finale, wo die Roten Teufel in einem denkwürdigen Spiel den haushohen Favoriten Werder Bremen mit 3:2 bezwangen und erstmals Pokalsieger wurden. In der Startelf mit dabei, Frank Lelle. Der nur 1,78m große Mittelfeldmann war im Berliner Olympiastadion mit seiner soliden Spielweise ein wichtiger Leistungsträger und Garant für den überraschenden aber letztlich hochverdienten Sieg. Ein Jahr später wurde Frank Lelle mit dem FCK in einer sensationellen Spielzeit in einem Dauerduell gegen die Münchner Bayern sogar überraschend aber ebenso hochverdient Deutscher Meister. Ein Titel für die Ewigkeit! Drei Tore steuerte Frank Lelle in der Meistersaison zum Titelgewinn bei, wobei er aufgrund von Verletzungen nur auf 13 Einsätze gekommen war.

 

In der darauffolgenden Saison stand er auch beim legendären 3:1-Sieg gegen den FC Barcelona im Europapokal der Landesmeister in der Startaufstellung. Sicher auch in seiner Vita eine der ambivalentesten Begegnungen überhaupt. Mit 3:0 führte der FCK am heimischen Betzenberg gegen die katalanische Startruppe, hatte damit die 2:0 Niederlage aus dem Hinspiel bereits egalisiert und wäre so für die Gruppenphase qualifiziert gewesen. Doch die Spanier trafen in der Schlussminute und sicherten sich damit ihrerseits das Weiterkommen. Fußball kann auch grausam sein! Insgesamt kam Frank Lelle beim FCK mit Einsätzen in der Bundesliga, dem DFB-Pokal, UEFA-Cup, Europapokal der Pokalsieger, Europapokal der Landesmeister und Super-Cup auf 99 Pflichtspiele! 1993 wechselte er dann zum FC Homburg wo er seine Karriere 1995 auch beendete.

 

Nach seinem Karriereende als Profispieler arbeitete Frank Lelle zunächst als Trainer der A-Jugend beim FK Pirmasens, von 1998 bis 2000 dann als Trainer der ersten Mannschaft. Im Jahr 2000 wurde er Co-Trainer von Stefan Kuntz. Bis 2002 zunächst beim Karlsruher SC, danach bis 2003 beim SV Waldhof Mannheim und beim LR Ahlen. 2008 kehrte Frank Lelle zurück an den Betzenberg und wurde Leiter des FCK-Nachwuchsleistungszentrums. Zuvor war er als Scout für Nachwuchsspieler bei der Spielerberatungsfirma Stars & Friends tätig gewesen. Während der Trainer der zweiten Mannschaft des FCK, Alois Schwartz, Interimstrainer bei den Profis war (Mai bis Juni 2009), trainierte Frank Lelle das Team und betreute es in den letzten sechs Ligaspielen der Regionalligasaison 2008/09. Anfang 2013 wurde er von Konrad Fünfstück als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums abgelöst und wechselte in den Scouting-Bereich beim FCK. Ende Juni 2014 verließ er den Verein. Aktuell ist er als Scout bei Borussia Mönchengladbach tätig. Das gesamte Museumsteam gratuliert heute ganz herzlich zum Geburtstag.

 

mg

 


Foto: Archiv Thomas Butz
Foto: Archiv Thomas Butz
Ein Meister macht das halbe Jahrhundert voll

Joachim Stadler feiert heute seinen 50. Geburtstag

 

Seine ersten fußballerischen Gehversuche machte Joachim Stadler beim SV Aglasterhausen. Weitere Jugendstationen waren der SV Waldhof Mannheim, der FV Mosbach und der SV Schwetzingen. Zur Saison 1989/1990 wechselte der gebürtige Mosbacher mit 19 Jahren zum 1. FC Kaiserslautern. Gleich zu Beginn der Saison zog er sich bei einem Intertoto-Spiel gegen Rapid Wien eine schwere Knieverletzung mit anschließender Infektion zu und fiel knapp sieben Monate aus.

 

Dennoch blieb seine erste Saison am Betzenberg ein sportliches Highlight. Mit dem 1. FCK schaffte es Joachim Stadler ins DFB-Pokalfinale und wurde mit den Roten Teufeln sensationell Pokalsieger. Auch die Spielzeit 1990/1991 lief für Joachim Stadler und seine Teamkollegen optimal. Der FCK holte sich unter Trainer Kalli Feldkamp den dritten Meistertitel! Auch wenn der 1,91 m große Verteidiger in den beiden Spielzeiten am Betzenberg trotz der langwierigen Verletzung nur auf insgesamt 20 Partien und ein Tor kam, man kann sich für die ersten zwei Jahre der eigenen Profikarriere wahrlich eine schlechtere Bilanz vorstellen.

 

Zur Saison 1991/1992 wechselte Joachim Stadler vom Betzenberg zum Bökelberg. Auch bei Borussia Mönchengladbach führte der Weg gleich in der ersten Saison ins DFB-Pokalendspiel. Allerdings unterlag Gladbach gegen den damaligen Zweitligisten Hannover 96 nach Elfmeterschießen. 1995 stand er mit der Borussia erneut im Pokalendspiel, durfte am Ende jedoch jubeln. Gladbach schlug den VfL Wolfsburg klar mit 3:0. Bis 1997 blieb Joachim Stadler der Borussia treu und erzielte in 79 Spielen ein Tor.

 

1997 wechselte er dann zum SSV Ulm 1846 in die Regionalliga Süd. Auf Anhieb schaffte er mit Ulm den Aufstieg in die 2. Bundesliga wo er 29-mal für die „Ulmer Spatzen“ auflief. Dank des Durchmarsches der Ulmer in der Saison 1998/1999 in die Bundesliga konnte Joachim Stadler noch einmal Erstliga-Fußball spielen. In seiner letzten Bundesligasaison 1999/2000 trug er noch 31-mal das Ulmer Trikot, konnte jedoch den direkten Abstieg des SSV nicht verhindern.

 

Er wechselte daraufhin für ein halbes Jahr nach Griechenland. Beim FC Augsburg, musste er in der Regionalliga 2003 seine Karriere aufgrund einer erneuten schweren Knieverletzung beenden. Insgesamt bestritt er 130 Bundesligaspiele und 47 Zweitligaspiele und erzielte insgesamt 3 Tore. In seiner Zeit als Profi beim 1. FC Kaiserslautern und bei Borussia Mönchengladbach absolvierte er 14 Länderspiele mit der U21-Nationalmannschaft und erzielte im Spiel in England ein Tor. Ab 2011 war Stadler als Jugendtrainer tätig und ist seit 2013 Leiter des Nachwuchszentrums beim SV Sandhausen. Joachim Stadler feiert heute seinen 50. Geburtstag. Das Museumsteam und die gesamte FCK-Familie gratulieren ganz herzlich!


Foto: Archiv Eric Lindon
Foto: Archiv Eric Lindon

Mit dem Defensivgaranten in die Bundesliga

Zum 80. Geburtstag von Willi Kostrewa

 

Er kam 1962 von Eintracht Gelsenkirchen an den Betzenberg und hatte nicht unwesentlichen Anteil daran, dass der FCK im Jahr 1963 zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga gehörte. Gemeint ist der Defensivspezialist Willi Kostrewa, der von 1962 bis 1967 das Trikot der Roten Teufel trug und während seiner Zeit am Betzenberg insgesamt 67 Spiele für den FCK absolvierte, 54 davon in der Bundesliga. Heute wäre Willi Kostrewa 80 Jahre alt geworden.

 

Seine fußballerische Laufbahn begann der in Gelsenkirchen-Ückerdorf geborenbe Willi Kostrewa bei seinem Stadtteilverein Eintracht Gelsenkirchen. Höherklassig spielte er dort erstmals in der 2. Liga West in der Spielzeit 1958/1959. Nach seinen ersten Jahren in der dortigen Jugend spielte er sofort in der 1. Mannschaft der Blau-Roten aus dem Gelsenkirchener Süden. Der Abwehrspieler spielte bei der Eintracht mit weiteren Talenten wie Ernst Kuster, Franz-Josef Sarna, Rainer Schönwälder, Karl-Heinz Bente und Heinz Pliska zusammen. Finanzielle Zwänge machten aber regelmäßig den Verkauf von Hoffnungsträgern notwendig, so dass der angestrebte Aufstieg in die Oberliga West nicht realisiert werden konnte. Willi Kostrewa absolvierte für Gelsenkirchen von 1958 bis 1962 in der 2. Liga West 104 Ligaspiele und erzielte dabei fünf Tore.

 

Zur Saison 1962/1963 verließ Kostrewa seine Heimat und wechselte in die Pfalz zum 1. FC Kaiserslautern, der zu dieser Zeit noch in der Oberliga Südwest spielte. Mit Trainer Günter Brocker qualifizierten sich die Roten Teufel als Meister der Oberliga Südwest für die neugeschaffene Fußball-Bundesliga. Kostrewa hatte mit 19 Einsätzen und einem Torerfolg seinen Anteil daran. In der Oberliga hatte er am 19. August 1962 bei einer 2:4-Auswärtsniederlage bei Saar 05 Saarbrücken als Mittelläufer im damaligen WM-System debütiert. Am 30. Spieltag, den 12. Mai 1963, als der FCK die Runde mit einem 9:1-Auswärtserfolg beim SC Ludwigshafen beendete, bildete er mit Roland Kiefaber ein absolut sattelfestes Verteidiger-Duo. In die Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft 1963 starteten die Roten Teufel am 25. Mai im Südweststadion in Ludwigshafen mit einem 1:1 gegen Hertha BSC. In allen sechs Gruppenspielen in der Endrunde gegen Berlin, 1. FC Köln und 1. FC Nürnberg vertraute Trainer Günter Brocker auf sein Defensiv-Duo Kiefaber - Kostrewa.

 

Am 31. August 1963, dem zweiten Spieltag der Bundesligasaison 1963/1964, debütierte der damals 23-jährige Willi Kostrewa in der Bundesliga bei der 2:3-Heimspielniederlage gegen den FC Schalke 04. Bis 1967 gehörte Kostrewa den Roten Teufeln an. Der FCK befand sich in diesen Jahren permanent im Abstiegskampf. Als in der Saison 1966/1967 dem FCK unter Trainer Gyula Lóránt der Vormarsch auf den 5. Rang glückte, kam Willi Kostrewa nicht mehr zum Einsatz. Sein letztes Bundesligaspiel für den FCK bestritt er am 23. April 1966 bei einer 1:2-Heimniederlage gegen den Bundesligaaufsteiger FC Bayern München. Schiedsrichter Horst Herden verwies damals gleich vier Spieler des Feldes: Jürgen Neumann, Uwe Klimaschefski und Willi Wrenger auf Seiten des FCK sowie Dieter Koulmann vom FC Bayern München.

 

Vom Betzenberg zog es Willi Kostrewa dann an die Mosel. Ab der Saison 1967/1968 trat er für die Koblenzer TuS Neuendorf in der zweitklassigen Regionalliga Südwest an. In seiner ersten Saison in Koblenz wurde Willi Kostrewa mit seinen Mannschaftskollegen die Vizemeisterschaft im Südwesten. In der Bundesliga-Aufstiegsrunde bestritt er alle acht Gruppenspiele gegen Kickers Offenbach, Bayer Leverkusen, Tennis Borussia Berlin und Arminia Hannover. In seiner zweiten Spielzeit am Oberwerth konnte er infolge von Verletzungsproblemen lediglich noch fünf Ligaspiele bestreiten. Am 8. Dezember 1968 absolvierte er seinen letzten Regionalligaeinsatz als Einwechselspieler bei einem 2:0-Heimerfolg gegen den SVW Mainz.

 

Willi Kostrewa starb am 17. Juli 2016 im Alter von 76 Jahren. Am heutigen 14. Januar wäre er 80 Jahre alt geworden.

 

mg

 


Foto: Archiv Thomas Butz
Foto: Archiv Thomas Butz

Im Strafraum ein echter Wirbelwind

Am 2. Januar wäre Hannes Riedl 70 Jahre alt geworden

02.01.2020

 

Er gehört bis heute zweifellos zu einer der sympathischsten Betze-Persönlichkeiten der zurückliegenden Jahrzehnte. Johannes Riedl, den alle stets nur liebevoll Hannes nannten und der sich nach seinem Wechsel zum Betzenberg im Jahr 1974 schnell in die Herzen der Fans spielte. Aber auch seine Bodenständigkeit und seine Geradlinigkeit brachten dem offensiven Mittelfeldmann viele Sympathien ein. Trotz oder gerade wegen seiner geringen Körpergröße zeichnete er sich durch seine quirlige und zielstrebige Spielweise aus, mit der er vor und im gegnerischen Strafraum häufig zu einem echten Wirbelwind avancierte und die ihm für den FCK immerhin 31 Pflichtspiel-Tore in der Fußballbundesliga einbrachte. Insgesamt 215 Mal lief er zwischen 1974 und 1981 dabei für die Roten Teufel auf.

 

Geboren wurde Hannes Riedl in Holzweißig (Sachsen-Anhalt), aufgewachsen ist er quasi vor den Toren Kaiserslauterns, in der Schuhstadt Pirmasens. Auf dem Horeb, beim damaligen Regionalligisten FK 03 Pirmasens, begann seine fußballerische Karriere. Das schnelle, bewegliche und ballgewandte Laufwunder zog dort bald interessierte Blicke auf sich. Vor allem nachdem er am 4. Februar 1968 in der deutschen Jugend-Fußballnationalmannschaft beim Qualifikationsspiel für das UEFA-Juniorenturnier in Heilbronn gegen Spanien debütiert hatte. Doch bis er beim FCK auf dem Betzenberg landete, sollte es noch einige Jahre dauern. 1968 zog es Hannes Riedl im Alter von 18 Jahren zunächst zum MSV Duisburg, wo er erstmals Bundesligaluft schnuppern durfte. Vier Jahre lang spielte Hannes Riedl für die Meidericher, erzielte dabei in 120 Partien 9 Tore. Im Sommer 1972 wechselte der er dann von der Wedau an die Spree und heuerte für zwei Spielzeiten bei Hertha BSC Berlin an. In 52 Bundesliga-Spielen und in 2 Partien im DFB-Pokal trug er dabei das Trikot der alten Dame Hertha, für die er 3 Bundesligatore erzielte.

 

1974 folgte dann der Wechsel zurück in die Pfalz, zum 1. FC Kaiserslautern. In seiner ersten Saison am Betzenberg absolvierte er unter Trainer Erich Ribbeck alle 34 Bundesligaspiele und traf immerhin sechsmal. Sein erstes Tor für den FCK markierte er am 27. September 1974 beim Heimspiel gegen Tennis Borussia Berlin. Mit seinem Treffer zum 2:0 für den FCK kurz nach der Halbzeitpause, brachte er die Roten Teufel auf die Siegerstraße. Der FCK gewann am Ende gegen den späteren Absteiger mit 4:0! Hannes Riedl fühlte sich pudelwohl in Lautern, war von Anfang an Stammspieler und rief Spielzeit für Spielzeit seine Leistungen ab. In seiner Zeit beim 1. FC Kaiserslautern wurde er am 22. Februar 1977 beim Länderspiel in Orleans gegen Frankreich (0:1) in die deutsche B-Nationalmannschaft berufen. Er war zwischenzeitlich vom Flügelflitzer zum laufstarken Mittelfeldspieler umgeschult worden. Quasi gesetzt war Hannes Riedl auch unter Trainer Karl-Heinz Feldkamp, der im Sommer 1978 Erich Ribbeck am Betzenberg ablöste. Doch ab der Saison 1979/1980 nahmen die Einsatzzeiten für Hannes Riedl ab. Zum Ende der Spielzeit 1980/1981 wurde der leidenschaftliche Kämpfer dann leider aussortiert, schied im Groll und wechselte zunächst zu Arminia Bielefeld.

 

Auf der Alm trug er in der Bundesliga in zwei Spielzeiten 45-mal das Arminen-Trikot, erzielte sechs Tore. 1983 wechselte er dann für ein Jahr zu Kickers Offenbach an den Bieberer Berg, wo er neun Bundesligaspiele absolvierte. Sein letzte Bundesligapartie datiert vom 13. März 1984, als er mit Kickers Offenbach bei Bayern München mit 0:9 Toren eine krachende Niederlage erfuhr. Die Kickers stiegen am Ende der Saison als Tabellenvorletzter ab. Hannes Riedl verließ den Verein und wechselte im Alter von 34 Jahren im Jahr 1984 dann wieder in den Südwesten. Zurück in die Pfalz zum damaligen Oberligisten SV Edenkoben, wo er seine aktive Spielerlaufbahn nach der Saison 1984/1985 beendete. Während der Spielzeit 1989/1990 übernahm er dort das Traineramt von Hans-Günter Neues, wurde mit Edenkoben Meister der Oberliga Südwest und nahm an den Aufstiegsspielen für die 2. Bundesliga teil. Allerdings entließ man ihn dort mitten in der Aufstiegsrunde, nachdem er das Vereins-Präsidium kritisiert hatte. Das schnelle Aus einer Trainerkarriere schon bei der ersten Trainerstation.

 

Im April 1996 war es der damalige Präsident Norbert Thines, der Hannes Riedl zurück zum Betzenberg holte, wo er einige Jahre als Fanbeauftragter des 1. FCK arbeitete. Dort ackerte auf dem grünen Rasen zu diesem Zeitpunkt bereits ein zweiter talentierter Fußballer aus dem Hause Riedl. Sohn Thomas, der von 1995 bis 1999 und später noch einmal von 2001 bis 2006 das Trikot der Roten Teufel trug. Im Gegensatz zu Sohn Thomas war es Vater Hannes nie vergönnt mit dem FCK einen Titel zu holen. Zweimal stand er mit Lautern im DFB-Pokalfinale. 1976 unterlagen die Roten Teufel im Frankfurter Waldstadion mit 0:2 gegen den Hamburger SV und 1981 im Stuttgarter Neckarstadion mit 1:3 gegen Eintracht Frankfurt. Im Finale 1981 war es Hannes Riedl noch nicht einmal vergönnt dabei sein zu dürfen, Trainer Karl-Heinz Feldkamp verzichtete auf eine Kadernominierung. Ein Stachel, der lange tief saß. Hannes Riedl kam während seiner Karriere bei seinen fünf Bundesligastationen MSV Duisburg (120), Hertha BSC (52), 1. FC Kaiserslautern (215), Arminia Bielefeld (45) und Kickers Offenbach (9) kam auf insgesamt 441 Bundesligaspiele, erzielte dabei 49 Tore. Für den 1. FC Kaiserslautern absolvierte er bis 1981 in der Bundesliga, im DFB-Pokal und im UEFA-Cup insgesamt 251 Pflichtspiele, in denen er 39 Tore erzielen konnte.

 

Mit einer Anstellung beim Dynamikum in seiner Heimatstadt Pirmasens fand Hannes Riedl dann beruflich, wie privat wieder zurück in die Erfolgsspur. Der sympathische Familienmensch verstarb dann völlig unerwartet am 19. August 2010 im Alter von nur 60 Jahren. Ein herber Schlag für die Familie und ein herber Verlust für die FCK-Familie. Am 2. Januar wäre Hannes Riedl 70 Jahre alt geworden.

 

mg