Ray Mercer (rechts) mit FCK-Boxtrainer Günter Wiewecke (Foto: Festschrift 1. FCK, Archiv Eric Lindon)
Ray Mercer (rechts) mit FCK-Boxtrainer Günter Wiewecke (Foto: Festschrift 1. FCK, Archiv Eric Lindon)

Olympisches Gold als FCK-Mitglied

Der US-Boxer Ray Mercer feiert heute seinen 60. Geburtstag

04.04.2021

 

Auch der Boxsport hat beim FCK eine lange Tradition, die gar bis zum Vorgängerverein FV Kaiserslautern zurückreicht. Glanzvolle Namen wie Karl Mildenberger, Emil Schulz oder Reiner Gies zieren die Historie der Boxabteilung des 1. FC Kaiserslautern. Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul sorgte neben Reiner Gies, der sich damals im Halbweltergewicht die Bronzemedaille sicherte, ein weiterer Boxer für einen denkwürdigen Erfolg. Der US-Amerikaner Raymond Anthony Mercer, kurz "Ray" genannt, holte gegen den Südkoreaner Baik Hyun-man im Schwergewicht (bis 91 kg) die Goldmedaille. Der in Baumholder stationierte US-Soldat war seinerzeit auch FCK-Mitglied und trainierte in jenen Jahren in der Lauterer Boxabteilung regelmäßig unter den strengen Augen von FCK-Boxtrainer Günter Wiewecke, der von 1982 bis 2007 Trainer und Sportwart des FCK war. Heute feiert Ray Mercer seinen 60. Geburtstag.

 

Der in Jacksonville (Florida) geborene Ray Mercer blickt auf eine wechselvolle Karriere zurück, in der er sich nicht nur der Boxsport profilierte. Nachdem er in den Jahren 1986 und 1987 zwei zweite Plätze bei Turnieren in Kopenhagen und Helsinki errungen hatte, wurde er 1988 zum ersten und einzigen Mal US-amerikanischer Meister im Schwergewicht. Er bestätigte diesen Meistertitel mit dem Gewinn der US-amerikanischen Olympiatrials. Auf dem Weg zu seinem Olympia-Gold gelangen ihm Siege über den Tschechen Rudolf Gavenciak, den Italiener Luigi Gaudiano durch KO, den Niederländer Arnold Vanderlyde und schließlich im Finale gegen den Südkoreaner Baik Hyun-man. In 64 Amateurkämpfen verließ er nur sechsmal den Ring als Verlierer.

 

Bis 1989 gehörte Ray Mercer dem Amateurboxlager an, ehe er im Jahr nach seinem Olympiasieg ins Profilager wechselte. Dabei machte er seinem Kampfnamen "Merciless" (Der Gnadenlose) alle Ehre mit seinen durch eine gewisse "Brutalität" bekannten KOs. In seinem siebzehnten Profikampf boxte er am 11. Januar 1991 gegen den Italiener Francesco Damiani um den WBO Weltmeisterschaftstitel im Schwergewicht. Mercer lag nach Punkten zurück, gewann den Titel aber noch durch einen KO in der neunten Runde, als er mit einem linken Haken Damianis Nase brach. Seine erste Titelverteidigung gelang ihm am 18. Oktober 1991 gegen den US-Amerikaner Tommy Morrison. Auch hier siegte er, nachdem er zunächst nach Punkten zurücklag, durch einen fulminanten KO. Es war sein zweiter Sieg in Folge gegen zuvor ungeschlagene namhafte Gegner.

 

Danach nahm er einige unerwartete Niederlagen hin, wohl auch aufgrund schlechter Vorbereitung. Er boxte gegen den bereits 42-jährigen Altmeister Larry Holmes um die Chance, den damaligen unumstrittenen Weltmeister Evander Holyfield herauszufordern und verlor überraschend deutlich nach Punkten. Es war seine erste Niederlage als Profi! 44 Kämpfe bestritt er als Boxprofi, von denen er in nur sieben unterlag. Unter anderem wegen Drogenproblemen nahm er sich ab 1998 eine längere Auszeit vom Boxen. 1998 und 1999 bestritt er jeweils nur einen Kampf, 2000 gar keinen. 2001 startete er dann noch einmal ein ernsthaftes Comeback. Nach einer Serie von sechs vorzeitigen Siegen gegen unbekannte Aufbaugegner griff er am 29. Juni 2002 zum zweiten Mal nach dem WBO-Gürtel, als er im Alter von 41Jahren gegen den 15 Jahre jüngeren Titelverteidiger Wladimir Klitschko antrat. Er unterlag allerdings deutlich durch technischen KO in der sechsten Runde. Es war die erste KO-Niederlage seiner Karriere! Im September 2007 kehrte Ray Mercer mit 46 Jahren noch einmal in den Boxring zurück und besiegte Mikael Lindlad durch Erstrunden-KO. Im Januar 2008 verlor er aber klar nach Punkten gegen Derrick Rossy.

 

Am 13. Juni 2009 sollten der ehemalige UFC Schwergewichts Champion Tim Sylvia und Mercer in einem Boxkampf aufeinandertreffen. Für Tim Sylvia wäre es der erste reine Boxkampf gewesen, doch die Veranstalter beschlossen kurzfristig den Kampf in einen MMA Kampf umzuwandeln. Obwohl Mercer zuvor erst einmal in einem inoffiziellen MMA Kampf angetreten war und diesen verloren hatte (gegen Kimbo Slice), konnte er hier nach nur 9 Sekunden durch KO gewinnen. Zu seinem heutigen 60. Geburtstag gratuliert die FCK-Familie ganz herzlich.

 

mg

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